Meisenhof: Der Weihnachtsmarkt machte den Knast zum Besuchermagneten

JVA Castrop-Rauxel

Schon zum 14. Mal öffnete der Meisenhof in Castrop-Rauxel am Samstag die Pforten zum Weihnachtsmarkt. Dahinter verbarg sich im Knast ein richtiges Weihnachtswunderland.

Ickern

, 23.11.2019, 18:50 Uhr / Lesedauer: 2 min
Meisenhof: Der Weihnachtsmarkt machte den Knast zum Besuchermagneten

Im Ickerner Meisenhof konnte man am Samstag wieder fündig werden in einem breiten Angebot an vorweihnachtlichen Dekoartikeln. © Volker Engel

Das Weihnachtserlebnis begann direkt hinter der Pforte. Dafür sorgte der Fanfarenzug Holsterhausen. Bei der Öffnung des schweren Eisentores strömten hunderte von Besuchern auf das Knastgelände.

Mittelalterliche Klänge, gespielt auf neun Trompeten, drei Trommeln und einer Pauke, ließen den großen Besucherstrom wie den Einmarsch der Gladiatoren wirken.

Vorbei an Feuerschalen führte der Weg ins Weihnachtsdorf. In kleinen gemütlichen Holzbuden boten Kooperationspartner der Justizvollzugsanstalt ihre Waren an.

Glühweinpunsch und Adventskalender des Lions-Clubs Castrop-Rauxel, feinste Marmeladen vom Tier-Refugium oder leckere Reibekuchen von den Maltesern buhlten um Käufer.

Eine Arbeit, die zufrieden macht

Die Hauptattraktion stellten aber die Waren der Inhaftierten dar. Arbeitstherapie heißt es nüchtern im Fachjargon. „Eine sinnvolle Arbeit, die mich sehr zufrieden macht“, nennt Johannes die Arbeit in der Holzwerkstatt. Der 68-Jährige ist schon Rentner.

Meisenhof: Der Weihnachtsmarkt machte den Knast zum Besuchermagneten

Der Andrang war groß im Meisenhof. © Volker Engel

„Ich brauche eigentlich gar nicht mehr zu arbeiten“, sagte der Häftling. Die Herstellung von Vogelhäusern, Holzstellagen und Weihnachtssternen mache ihm aber richtig viel Spaß. „Wir arbeiten hier in einem gut funktionierenden Team. Außerdem vergeht die Zeit bei der Arbeit viel schneller, als wenn ich den ganzen Tag nur über das Gelände laufen würde“, sagte er.

„Und heute ist ein besonderer Tag. Ich genieße es sehr, wenn die Besucher Gefallen an den Dekogegenständen finden.“ Um beim Verkauf dabei zu sein, opferte er am Samstag sogar seinen haftfreien Tag.

Vorbereitung auf die Zeit danach

„Genau das ist es, was diesen Weihnachtsmarkt ausmacht“, erklärte Knastleiter Julius Wandelt. „Durch die Öffnung verliert der Knast die böse Aura. Wir wollen zeigen, dass es hier drin gar nicht so schlimm ist. Wir bereiten die Häftlinge mit der Herstellung der Weihnachtsartikel auf ihr Leben in der Freiheit vor. Sie gehen jeden Tag einem geregelten Acht-Stunden-Tag nach. Das ist etwas, was viele Häftlinge vorher gar nicht kannten.“

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Die qualitativ hochwertigen Holz- und Metallarbeiten fanden am Samstag viele Käufer. Auch Bettina Lubjuhn etwa war schwer begeistert. „Alle Menschen aus Ickern kennen diesen Weihnachtsmarkt. Ich bin zum ersten Mal hier und muss sagen, dass sich ein Besuch wirklich lohnt.“

Damit meinte sie nicht nur das Angebot an schönen Waren. „Wir bekommen präsentiert, was die Jungs hier drin so machen. Ich finde es toll, dass sie auf ihr Leben außerhalb der Knastmauern vorbereitet werden.“

Sogar ein echter Nikolaus mit Vollbart und Zipfelmütze lief über das Knastgelände, um Kindern eine kleine Überraschung zu überreichen.

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