Micky Beisenherz: "Spaß war größer als die Angst"

Interview zur neuen Sendung

Micky Beisenherz ist jetzt viermal freitags im WDR-Fernsehen zu sehen. Er vertritt zusammen mit Susan Link die urlaubende Bettina Böttinger und moderiert vier Folgen des „Kölner Sommer Treff“. Wir haben mit Micky Beisenherz gesprochen – über die neue Sendung, über sein Büro, über Castrop-Rauxel und natürlich über seine Oma.

CASTROP-RAUXEL

, 13.07.2017, 15:32 Uhr / Lesedauer: 3 min

Sie moderieren in der Sommerpause die Sendung von Bettina Böttinger und treten in ganz schön große Fußstapfen. Ist das Ihr bisher größter Job?

Ich hab mir ihre Füße nicht so genau angesehen. Ich weiß auch nicht, ob es mein bisher größter Job ist. Aber es ist definitiv einer der schönsten.  

Warum?

Weil ich den „Kölner Treff“ selbst seit Jahren, nein seit Jahrzehnten gucke.

„Seid bitte nett zu allen Gästen!“ @BoettingerB macht Urlaub und @dieSusanLink & @MickyBeisenherz übernehmen den Kölner Sommer Treff. pic.twitter.com/lkqnPDV1ed

— WDR Presse & Info (@WDR_Presse)

Wie bereiten Sie sich darauf vor?

Es ist hilfreich, wenn man sich für sein Gegenüber interessiert. Wenn das der Fall ist, geht auch noch nicht alles von allein, aber es ist eine gute Voraussetzung. Und wir haben ein gutes Team, das dafür sorgt, dass Susan Link und ich gut vorbereitet sind.  

Sie interessieren sich wirklich für jedes Gegenüber? Oder gibt es auch langweilige Gäste?

Langweilig ist keiner, aber nicht jeder ist mir gleichermaßen sympathisch oder aus meiner Sicht gleich interessant. Aber dann ist mein sportlicher Ehrgeiz, gerade das zu entdecken, was die Person interessant macht.

Haben Sie vor solchen Situationen – also vor einer Gesprächsrunde vor laufenden Kameras – Lampenfieber?

Naja, im Vorfeld hatte ich eine gewisse Grund-Anspannung. Denn da sind sehr viele Menschen, die sich wünschen, dass man das ordentlich macht. Das lässt einen ja nicht kalt. Aber unmittelbar vorher war ich doch ganz entspannt, habe mich sehr darauf gefreut. Der Spaß war deutlich größer als die Angst davor, es nicht gut zu machen.

Wie viele Sendungen sind denn schon abgedreht?

Wir haben bisher die erste Sendung aufgezeichnet, die aus meiner Sicht sehr gelungen ist. Zu sehen ist sie am Freitag, 14. Juli, um 22 Uhr im WDR Fernsehen. Die anderen drei Sendungen zeichnen wir zeitnah zu den Ausstrahlungsterminen auf.

Micky Beisenherz moderiert ab dem 14. Juli jeweils freitags von 22 bis 23.30 Uhr im WDR Fernsehen. Gäste der ersten Sendung sind Hardy Krüger, Max Moor, Maite Kelly, Lucas Vogelsang, Tom Wlaschiha und Kirsten Bruhn.

Bisher waren Sie ja eher hinter der Kamera, hinter den Kulissen aktiv, jetzt vermehrt davor. Was gefällt Ihnen besser und wo soll die Reise noch hingehen für Sie?

Wer verfolgt, was ich treibe, der sieht, dass ich mich auch mit dem Schreiben schon an die Öffentlichkeit gewagt habe, zum Beispiel mit der Kolumne im „Stern“. Auch mit der Sendung „Das Lachen der Anderen“ bin ich vor der Kamera. Ich frage mich schon: Ist das, was man mir anbietet, so interessant, dass ich mich vor die Kamera stelle? Ich bin mit 40 Jahren in einem Alter, in dem ich nicht um jeden Preis mit jedem Scheiß vor die Kamera gehen muss. Dann kann ich mich besser in ein Büro setzen und schreiben.

Woran schreiben Sie denn regelmäßig?

Ich arbeite mit Joko und Klaas im „Duell um die Welt“ zusammen. Wir drehen „Das Lachen der Anderen“. Mit Luke Mockridge werde ich auch bald zusammenarbeiten. Das ist eine schöne Mischkalkulation.

Wo ist denn Ihr Büro?

Immer da, wo man mir einen Rechner hinstellt.

Das Höchste, was man jahrzehntelang erreichen konnte, war, Moderator bei „Wetten, dass…?!“ zu werden. Wie wär’s mit der Wiederbelebung von „Wetten, dass…“ mit Micky Beisenherz als Moderator?

Ich bin ja mit Markus Lanz bekannt. Bevor ich auf den Gedanken komme, es zu tun, ruf ich ihn vorher an.

Sie hatten es selbst angesprochen: Mit Oliver Polak haben Sie die Sendung „Das Lachen der Anderen“ gemacht. Und auch beim Schreiben fürs Dschungelcamp oder andere Dinge: Es geht oft um Witze. Gibt es etwas, worüber man keine Witze machen darf?

Nee, eigentlich gibt es sowas nicht. Bei Witzen muss man nur eine Sache für sich selbst entscheiden: Ist es der Witz wert? Irgendwer fühlt sich immer auf den Schlips getreten. Man muss entscheiden, ob es einem den Schlips wert ist oder nicht.

Wie oft sind Sie eigentlich in Castrop-Rauxel?

Ich bin ziemlich häufig da, alle anderthalb Wochen im Schnitt.

So oft? Warum?

Gute Frage! Ganz einfach: Weil ich meine Familie sehr liebe und beruflich oft nach Köln muss. Da liegt Castrop-Rauxel auf dem Weg. Und es macht bisher immer jemand die Tür auf.

Letztens waren Sie noch zum Klassentreffen hier und waren mit einem Bild in unserer Zeitung. Klassentreffen ist ja auch immer ein bisschen Angeberei. Für Sie ist es da doch beruflich ganz gut gelaufen, oder?

Ich hab’s keinem erzählt – die wussten das alle irgendwie schon. Es gab auch weder Zuneigung noch Verachtung, ich war einfach nur einer von denen, die Bier getrunken und gehofft haben, sie sähen jünger aus als die anderen.

Meinen Sie, dass Sie ein Promi sind? Es gibt ja inzwischen alles von A- bis Doppel-D-Promi. In welcher Liga spielen Sie?

Ich bin wohl Hepatitis-B-Promi.

Zurück zur Schule: Haben Sie hier noch Freunde aus der Schulzeit?

Das klingt jetzt so, als hätte ich alle verprellt. Tatsächlich habe ich mit einigen Leuten engen Kontakt. Wir spielen zum Beispiel ab und zu Fußball, seit über 20 Jahren, hinterm Knast. Ich bin einer der wenigen, die regelmäßig freiwillig in den Knast gehen. Da spielen die Insassen, ab und zu aber auch Menschen wie wir. Wir sind eine bunte Hobbytruppe, immer so zwischen 10 und 20 Leuten. Ich spiele meist rechts hinten. Das ist aber nur meine sportliche, nicht meine politische Gesinnung.  

Sie haben heute mehr Abstand, weil Sie nicht mehr in Castrop-Rauxel wohnen. Hand aufs Herz und Ehrlichkeit vor: Wie hat sich die Stadt verändert?

Gute Frage. Ich bin so selten in der Innenstadt. Ich bedauere, dass das Kopfsteinpflaster auf dem Markt weg ist. Traurig finde ich auch, dass Spielwaren Schnettelker schließt. Da macht buchstäblich meine Kindheit dicht.

Ihre Oma ist öfter mal auf Facebook zu sehen. Was sagt sie eigentlich dazu?

Sie beschwert sich regelmäßig darüber. Aber heimlich genießt sie natürlich den Ruhm.

ZUR PERSON
Micky Beisenherz ist gerade 40 Jahre alt geworden. Es hat die Grundschule in Henrichenburg an der Freiheitsstraße besucht und später am ASG das Abitur gemacht. Die Familie wohnt noch in Henrichenburg. Anfang der 2000er zog Beisenherz nach Bochum, arbeitete bei NRW-Lokalradio Oberhausen, moderierte und war kreativ in der Unterhaltungsabteilung tätig (bis 2010). Beisenherz selbst wohnt inzwischen in Hamburg.

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