Mieter in Ickern ärgern sich über ungepflegte Gärten

LEG-Häuser

Vor wenigen Jahren noch sah der Hof hinter den damaligen Gewo-Häusern an der Kirchstraße in Ickern gepflegt aus. Heute ist dort nach dem Eigentümerwechsel eher eine Art kleiner Urwald zu sehen. Der neue Vermieter - die LEG - behandelt die Grundstücke stiefmütterlich.

ICKERN

, 27.07.2017, 19:09 Uhr / Lesedauer: 3 min
Mieter in Ickern ärgern sich über ungepflegte Gärten

Vor wenigen Jahren noch sah der Hof hinter den LEG-Häusern an der Kirchstraße gepflegt aus. Heute ist dort eine Mischung aus Komposthaufen und Urwald zu sehen.

Wenn Resi Woytasik aus ihrem Küchenfenster schaut, dann blickt sie in einen hübschen Garten: Frisch gemähter Rasen, die Blumenbeete sind gepflegt, keine Spur von Unkraut. Ihr Sohn Stefan, der ebenfalls im Haus an der Kirchstraße 15 wohnt, kümmert sich regelmäßig um den Garten.

Die Fläche auf dem Nachbargrundstück ist den Woytasiks allerdings ein Dorn im Auge. Denn sie sieht alles andere als idyllisch aus und wird vom Vermieter eher stiefmütterlich behandelt.

„Seit dem Eigentümerwechsel vor ein paar Jahren, wurde dort nichts mehr gemacht. Es ist alles verwuchert“, schimpft Stefan Woytasik und zeigt auf die drei Parzellen hinter den Häusern 5, 7, 9, 11 und 13. Zur Zeit, als die Häuser noch in Besitz der Gewo waren, habe es dort wesentlich gepflegter ausgesehen. Jetzt gehören sie der LEG.

Mitarbeiter schon vor Jahren angesprochen

Nach dem Pfingststurm 2014 habe er noch mit deren Mitarbeitern gesprochen, als diese zur Begutachtung vor Ort gewesen seien, und sie auf die Umstände hingewiesen. „Weil ich sogar Sorge hatte, es könnte einen Rattenbefall geben, habe ich anschließend einen Schutzzaun aufgestellt“, so der 49-Jährige.

Die Mitarbeiter des Wohnungsunternehmens hätten ihm damals noch gesagt, man habe ohnehin vor, dort alles zu begradigen und Rasen zu pflanzen. Bald werde alles wieder schön aussehen. Es tat sich nichts. Auch nicht, nachdem Resi Woytasik mehrfach zum Telefonhörer griff, um die LEG über die Missstände zu informieren. Immer und immer wieder. Über mehrere Monate.

„Man hat mir immer nur gesagt, dass man mein Anliegen weiterleiten würde. Die Leitung muss ziemlich lang sein, wenn das bis heute noch nicht an der richtigen Stelle angekommen ist“, sagt die 76-Jährige.

Gärtner mähen nur einen schmalen Streifen

Zwar kämen gelegentlich Gärtner vorbei. Aber die würden nur den Rasen vor und einen schmalen Streifen hinter dem Haus mähen. Für mehr seien sie nicht beauftragt worden, hätten sie ihnen erklärt. Während Stefan Woytasik seinem Ärger Luft macht, kommt ein Nachbar aus einem der LEG-Häuser.

Und was der berichtet, erscheint ziemlich kurios: „Als wir hier eingezogen sind, hat man uns eine Gartennutzung angeboten. Das hätte natürlich extra gekostet. Aber da sah das dort schon aus wie im Dschungel. Und wir hätten alles selbst in Schuss bringen müssen. Das tut man sich doch nicht an“, so der Mieter, der namentlich nicht genannt werden möchte. Das Verhältnis zum Wohnungsunternehmen sei ohnehin ziemlich angespannt, vieles laufe nur noch über den Anwalt.

LEG sieht ihre Pflicht voll erfüllt

Wenn es um die Pflege der Flächen geht, hat die LEG aus ihrer Sicht ihre Pflicht voll erfüllt. Auf Anfrage unserer Redaktion teilte das Wohnungsunternehmen schriftlich mit, die Rasenpflege der Bestände an der Kirchstraße werde vertragsgemäß zwölf Mal im Jahr vorgenommen.

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Und weiter: „Der Formschnitt der Sträucher erfolgt ebenfalls im Zuge einer turnusgemäßen Pflege, wobei ein starker Rückschnitt aus Gründen des Vogelschutzes in den Monaten März bis Oktober nicht erfolgen darf. Im Zuge dessen wird auch übermäßiger Unkrautbewuchs entfernt.“

"Naturbelassener Zustand"

Darüber hinaus gebe es bezüglich des Wildbewuchses unterschiedliche Auffassungen. „Die einen mögen den naturbelassenen Zustand der Anlage, der gleichzeitig als Lärmschutz gegenüber der angrenzenden Werkzeugschleiferei sowie dem Straßenverkehr dient, andere wiederum nicht.“

Zudem habe die LEG „zu keiner Zeit (...) beabsichtigt noch kommuniziert, die entsprechenden Flächen durch Rasen zu ersetzen.“ Bei einer Begehung am Dienstag habe man vor Ort auch keinen weiteren Handlungsbedarf feststellen können.“

Anwalt: "Die LEG macht es sich einfach"

Aber ist das Unternehmen mit seiner Argumentation wirklich auf der sicheren Seite? Nicht unbedingt, wie Rechtsanwalt Martin Grewe vom Mieterverein Dortmund auf Anfrage unserer Redaktion erklärte: „Die LEG macht es sich damit ein bisschen einfach. Selbst wenn der Schnitt der Sträucher vorgenommen wird, entspricht das hier sicherlich nicht der üblichen Gartenpflege, da man in diesem Fall durchaus von Wildwuchs sprechen kann.“

Aus Vogelschutzgründen sei nur ein Totalschnitt unzulässig. Und auch die Argumentation als Schallschutz hält Grewe für fragwürdig. „Das wäre wohl das erste Mal, dass die LEG Schallschutzmaßnahmen durch Sträucher schaffen würde. Und ich gehe zudem davon aus, dass die LEG mit dem Zustand nicht einverstanden wäre, wenn sie die Gartenpflege auf die Mieter übertragen hätte.“

Mieter sind nicht chancenlos

Weil das jedoch nicht der Fall ist, hätten die Mieter zumindest die Möglichkeit einer Kürzung des Mietkostenanteils für die Gartenpflege. Und auch Woytasiks sind nicht chancenlos – zumindest, wenn der kleine „Dschungel“ zu nah an ihr Grundstück heranreicht.

Dann könnten sie laut Grewe nachbarrechtlich gegen das Unternehmen vorgehen. Ein Hoffnungsschimmer für Resi Woytasik: „Ich würde mich aber freuen, wenn die Mieter mitziehen und ich nicht ganz alleine dastehe“, sagt sie.

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