Ein neuer Selbstbedienungs-Hofladen mit einem 24-Stunden-Automaten steht nun am Hof Kremerskothen auf Schwerin. © Tobias Weckenbrock
Regionaler Einkauf

Milch, Eier, Käse, Fleisch: Weiterer 24-Stunden-Hofladen eröffnet

In Castrop-Rauxel hat der nächste Hofladen eröffnet. Der Trend zum regionalen Einkauf setzt sich fort. Jetzt hat ein weiterer Landwirt eine Hütte mit Automat aufgestellt – und ein Hühnermobil.

Stephanie Kremerskothen hat ihren alten Job an den Nagel gehängt. Aus dem Controlling eines Unternehmens aus der Abfallwirtschaft in Bochum wechselt sie beruflich an einen naheliegenden Ort: auf den eigenen Hof auf Schwerin. Sie treibt den Umbau des landwirtschaftlichen Unternehmens voran, im speziellen die Vermarktung der eigenen und weiterer regionaler Produkte.

Der Hof Kremerskothen an der Bodelschwingher Straße setzte neben dem Ackerbau, der Biogas-Energieerzeugung und der Erzeugung von Windenergie über die Windräder auf dem Schweriner Berg bisher vor allem auf Schweinemast. Das Portfolio hat Jan Kremerskothen mit seiner Frau Stephanie nun erweitert: Seit Anfang September schmückt ein blaues Hühnermobil die Einfahrt zum Hof unter einem der Windräder auf Schwerin.

310 Hühner, Legehennen und vier Hähne, sind hier jetzt zu Hause. Seit Mitte September legen sie Eier. Beschützt werden die Hennen von drei Ziegen: Sie sollen dafür sorgen, dass der Habicht die Hühner nicht holt.

So viel kosten die Waren im Automaten

Die Eier gibt es direkt am Hof zu kaufen: Kremerskothen hat den nächsten Hofladen der Stadt eröffnet. Eine Holzhütte mit einem Frische-Automaten, in dem es rund um die Uhr Eier und Milch, Käse, Fleisch- und Wurstwaren zu kaufen gibt. Zehn Eier kosten 3 Euro, ein Liter Milch 1,60 Euro.

Ein neuer Selbstbedienungs-Hofladen mit einem 24-Stunden-Automaten steht nun am Hof Kremerskothen auf Schwerin. Eine Überwachungskamera hängt in der Hütte.
Ein neuer Selbstbedienungs-Hofladen mit einem 24-Stunden-Automaten steht nun am Hof Kremerskothen auf Schwerin. Eine Überwachungskamera hängt in der Hütte. © Tobias Weckenbrock © Tobias Weckenbrock

Auch Kinder dürfen zum Hühnermobil kommen, ihre Eltern sollten nur auf den Zaun achten. „Da ist Strom drauf“, sagt Landwirt Jan Kremerskothen.

Die Milch kommt vom Hof Schulte-Althoff in Nordkirchen, der Käse aus der Käserei Wellie in Fröndenberg. Betriebe, die Familie Kremerskothen ausgesucht hat, um einen Hofladen mit regionalen Produkten zu füllen.

Das Schweinefleisch kommt aus eigenem Hause: In den Ställen mästet Jan Kremerskothen Schweine, die Metzger Brüning in Selm verarbeitet: Er tötet und schlachtet sie und vakuumiert das Fleisch in der Form, in der Kremerskothen es bestellt. „Damit garantieren wir die Fleischqualität“, sagt er: Stephanie Kremerskothen bringt die Tiere nach Selm und holt die Teilstücke zurück.

Darunter ist derzeit viel Wurst, aber auch Fleisch, in der Grillsaison dann sicher mehr, dazu Braten, Leberwurst und Pfefferbeißer. Bald soll Currywurst hinzu kommen. Das richtige Angebot zu finden, sei gerade noch eine große Herausforderung, wenige Wochen nach dem Start des Ladens: „Wir sind aber noch in der Findungsphase, was die Verbraucher wollen. Wir wollen möglichst wenig Produkte übrig halten und denken: Lieber ist das eine oder andere mal ausverkauft, als wenn wir etwas wegschmeißen müssen“, erklärt Jan Kremerskothen.

Umstellung der Tierhaltung in vollem Gange

Der Hofladen soll kein Hobby sein, er soll ein gutes Zubrot werden. Denn die Situation in Sachen Tierhaltung werde für ihn immer schwieriger. „Wir haben jetzt von Haltungsstufe 1 auf 2 umgestellt“, sagt der Landwirt, der dadurch weniger Tiere halten muss und ihnen mehr Spielzeug anbietet.

Aus Haltungsstufe 1, sagt er, könne man in Zukunft „leider nichts mehr an den Mann bringen“, so Kremerskothen. Zu Haltungsstufe 3 oder 4, den dem Tierwohl am nächsten kommenden Stufen, könne er am Ort nicht wechseln, „weil wir Hanglage haben und man mit unseren Ställen nicht eben ausweichen kann“. Einen neuen Stall zu bauen für ein paar Millionen, da fehle ihm in der aktuellen politischen Lage die Planungssicherheit.

Seit Corona stellt er fest: Immer mehr Menschen denken um und wollen sich bewusster, regionaler, ökologischer ernähren. Also dachte auch der Hof Kremerskothen um und setzt nun auch auf die Direktvermarktung. Und? „Die Resonanz ist super“, sagt Jan Kremerskothen. „Ich glaube, dass viele noch eine Hemmschwelle vor dem Automaten haben. Aber das ist vielleicht eine Sache der Gewöhnung.“

Der Automat in der Hütte, die immer geöffnet ist, nimmt zur Bezahlung nur Bargeld. Der Grund: „Unsere Produkte kosten ja mehr oder weniger um die 5 Euro. Eine digitale Transaktion mit der Karte oder dem Smartphone kostet uns aber 20 Cent. Dadurch geht dann der Gewinn fast flöten“, sagt Jan Kremerskothen.

Über den Autor
Castrop-Rauxel und Dortmunder Westen
Gebürtiger Münsterländer, Jahrgang 1979. Redakteur bei Lensing Media seit 2007. Fußballfreund und fasziniert von den Entwicklungen in der Medienwelt der 2010er-Jahre.
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Tobias Weckenbrock