Missachtung der Maskenpflicht: Bürger bestrafen oder gewähren lassen?

rnPro & Contra

Nicht jeder nimmt die Maskenpflicht im öffentlichen Raum ernst. Und kaum einer kontrolliert es. Unsere Autoren diskutieren, ob die Ordnungsbehörden das Nicht-Tragen einer Maske bestrafen sollen.

Castrop-Rauxel

, 24.05.2020, 16:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Keine Maske in Bus, Bahn oder an der Haltestelle. Manch einen schert die Schutzmaskenpflicht einen feuchten Kehricht. Soll das bestraft werden?

Pro: Kontrollen und Strafen verhindern Dammbrüche

Na, da lassen wir mal „Fünfe gerade sein“ – oder Dreie, oder Eine? Nein! Lasches Handeln oder „beide Augen zudrücken“ führt hier zu nichts. Erst ist es ein Fahrgast an der Haltestelle oder im Bus, bald drei, fünf, dann schon 15, die keine Maske tragen. Irgendwann sind es alle. Warum auch Maske? Wenn der oder die sie nicht trägt, warum ich? Warum überhaupt? Wenn es keiner kontrolliert ...

Irgendwann setzt sich der Schwarm durch. Und ein in diesem Fall zweifelhaftes Gerechtigkeitsdenken. Genau darum geht es hier aber nicht. Es geht um Verantwortung und ausnahmsweise mal nicht ums gepflegte Ego, um die Eitelkeit. Wer Maske trägt, schützt nicht sich selbst, sondern andere. Ist das so unerträglich?

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Wenn „der Staat“ die Maskenpflicht festlegt, muss er sie auch kontrollieren und gegebenenfalls sanktionieren! Sorry, ich bin der Letzte, der einer „Law-and-Order“-Mentalität folgt. Und Prinzipienreiterei „kotzt“ mich eher an. Aber: Keine Regel taugt, wenn sie nicht durchgesetzt wird. Hier gilt es konkret, das stete Aufweichen von Dämmen zu verhindern. Also: Bestrafen – oder wider besseren Rats und Wissens die Maskenpflicht gleich abschaffen. Uwe von Schirp

Contra: Strafen untergraben die Akzeptanz von Regeln

Natürlich müssen die Behörden die Einhaltung der Maßnahmen kontrollieren, sonst müsste der Gesetzgeber sie gar nicht erst aufstellen. Dass sie es aber häufig bei einer Ermahnung belassen und nicht jedem gleich einen Bußzettel in die Hand drücken, der auf dem Markt vergessen hat, seinen Mundschutz aufzusetzen, ist richtig. Zum einen, weil es schnell passieren kann, dass man im Maßnahmen- und Lockerungs-Wirrwarr nicht mehr weiß, was erlaubt ist und was nicht.

Zum anderen, weil Strafen nicht immer ein Garant für die Einhaltung von Regeln sind. Klar kann man sagen, wer das dritte Mal 200 Euro zahlen muss, weil er mit zu vielen Leuten unterwegs war, der macht das kein viertes Mal. Zur Akzeptanz von Regeln führt das aber nicht, sondern vielmehr dazu, dass man die Sinnhaftigkeit und Verhältnismäßigkeit der Maßnahmen generell in Frage stellt.

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Das Virus brachte nicht nur eine Krankheit, sondern erhebliche Einschränkungen der Freiheiten jedes einzelnen mit sich. Die Macht des Staates ist in dieser Krise sichtbar geworden. Dass die, die die Regeln überwachen, die Instrumente, die ihnen der Staat mitgegeben hat, nicht in jeder Situation anwenden, ist eine Stärke. Und vielleicht hat es sogar dazu beigetragen, dass Deutschland in dieser Krise verhältnismäßig gut dasteht. Lukas Wittland

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