Mit 100 Jahren besucht Hubert Nophut die JVA

Der Dekan gilt als "Legende"

Täter kehren häufig an den Tatort zurück. Gefängnisseelsorger bisweilen auch. Zwar hat es bei Hubert Nophut fast dreißig Jahre gedauert, bis er wieder die Justizvollzugsanstalt Meisenhof in Castrop-Rauxel betrat, doch nun kehrte die lebende Legende zurück zu seiner ehemaligen Wirkungsstätte. Wir waren dabei.

Ickern

, 30.09.2015, 14:57 Uhr / Lesedauer: 1 min
Spaß beim Frühstück v. l. Dekan Hubert Nophut, Personalratschef Armin Kersting, JVA Chef Julius Wandelt und dessen Stellvertretern Andrea Böge.

Spaß beim Frühstück v. l. Dekan Hubert Nophut, Personalratschef Armin Kersting, JVA Chef Julius Wandelt und dessen Stellvertretern Andrea Böge.

Anstaltsleiter Julius Wandelt hatte es als eine Ehre betrachtet, den frischgebackenen 100-Jährigen noch einmal zu einem Frühstück an seine frühere Wirkungsstätte einzuladen, wo er von 1970 bis 1986 seinen Dienst verrichtete. „Wir laden alle Ehemaligen ein, die 100 werden, aber er ist der erste, der auch gekommen ist“, nahm Wandelt den Gast mit einem Schmunzeln in Empfang.

Der Gefängnisleiter selbst sah den Geistlichen zwar am Donnerstag vergangener Woche das erste Mal, doch beim dienstälteren Personal ist der heute im Habinghorster Josefsheim lebende Franziskaner unvergessen. „Hubert Nophut ist eine Legende“, versicherte der Personalratsvorsitzende Armin Kersting. 

Er hatte zu Beginn seiner JVA-Bedienstetenkarriere sechs gemeinsame Jahre mit dem Franziskaner verbracht, der seinerzeit von seiner Militärpfarrerzeit in Kiel zur Gefängnisseelsorge nach Castrop-Rauxel gewechselt war. Dort betreute Nophut über 16 Jahre die nebeneinander gelegenen Vollzugsanstalten Meisen- und Vinckehof.

Vorreiter der modernen Sozialarbeit 

„Pastor Nophut war ein Vorreiter moderner Sozialarbeit im Gefängnis“, sagte Andrea Böge. Wandelt hatte zuvor beschrieben, wie Nophut unter anderem eine „Altersgruppe“ für über 50-Jährige Inhaftierte eingerichtet hatte. Nichts anderes habe man heutzutage auch wieder, jetzt heißt die Gruppe aber „Lebensälterenabteilung“ und das Alter der Teilnehmer muss 60 Jahre überschreiten. 

Ein solches Nostalgietreffen ist natürlich auch immer Anlass zu Anekdoten, und eine davon präsentierte Ex-Mitarbeiter Heinz Losker (82): Als Nophut einmal vier Gefangene gleichzeitig zu Besuchen mitgenommen habe und diese ihm in Düsseldorf entwischt seien, sei er sehr niedergeschlagen zurückgekehrt. Er habe ihn dann mit den Worten getröstet: „Herr Oberpfarrer, die kriegen wir alle wieder, und außerdem haben wir genug Gefangene.“

Lesen Sie jetzt