Mit Küchenmesser bedroht: 29-Jähriger fühlte sich als Opfer und wurde zum Täter

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Ein 29-Jähriger fühlte sich im Internet gestalkt und glaubte, die Verursacherin zu kennen. Weil er sich mit einem Messer rächen wollte, stand der Castrop-Rauxeler jetzt vor Gericht.

Castrop-Rauxel

, 24.02.2020, 16:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein 29-Jähriger fühlte sich als Opfer und wurde so zum Täter. Am Castrop-Rauxeler Amtsgericht musste der wegen Bedrohung angeklagte Mann nun erklären, warum er an Allerheiligen 2019 vor einer Castrop-Rauxeler Wohnungstür stand und den Bewohner mit einem Küchenmesser bedrohte.

Der Angeklagte erklärte, er habe dort nach einer Frau gesucht, die er dafür verantwortlich machte, auf der Plattform Facebook seit Monaten gestalkt und verlacht zu werden. „Tausende haben mich da gestalkt, mich fertig gemacht“, sagte der 29-Jährige jetzt vor Gericht. Es seien schlimme Dinge über ihn verbreitet worden.

Verdacht fiel auf Arbeitskollegin

Die Frau, die er an Allerheiligen aufsuchen wollte, hatte der 29-Jährige wegen eines anderen Vorfalls im Verdacht. Sie ist eine ehemalige Arbeitskollegin, mit der er früher einen freundschaftlichen Kontakt hatte.

Der Verdacht, das sie hinter dem Internet-Stalking stecken könnte, kam dem Angeklagten, als er kurz zuvor im Straßenverkehr von einem Pärchen auf Motorrädern „in die Zange“ genommen worden sei, sagte der Castrop-Rauxeler vor Gericht. Die ehemalige Arbeitskollegen fährt Motorrad.

Angeklagter zückt Messer an der Wohnungstür

Darum habe er sie zur Rede stellen wollen, traf aber nur den Freund an. „Meine Freundin war mit den Hunden unterwegs“, schilderte der 28-Jährige. Als er die Wohnungstür geöffnet habe, habe der Angeklagte gleich gefragt, wo die Schlampe denn stecke. „Dann hat er was von Facebook und Instagram gesagt und dass sie das lassen soll“, sagte er weiter.

Dabei habe der ihm unbekannte Mann sein Gesicht mit der linken Hand ergriffen und mit der rechten ein Messer gezückt. „Ich hatte Todesangst“, gestand er. Doch sei es ihm geglückt, einen Schritt zurückzuweichen und die Wohnungstür zu schließen. Als er sah, welche Richtung der Angeklagte einschlug, folgte er ihm mit dem Auto und machte ein Foto.

Entlassen nach Übergriff auf Chef

Die Freundin erkannte auf dem Foto den Ex-Kollegen. Im Zeugenstand berichtete sie von seiner aggressiven Art. Beispielsweise sei der Grund für dessen Entlassung vor rund zwei Jahren ein Übergriff auf einen Chef gewesen.

Anfangs habe man sich gut verstanden, der Kollege habe sogar bei ihrem Umzug geholfen, so die Zeugin weiter. Doch nach dem Eklat mit dem Chef war Schluss. Der letzte Facebook-Kontakt sei vor zwei Jahren gewesen. Jetzt ist sie mit ihrem Freund wieder umgezogen. Die neue Anschrift wollte die Zeugin nicht nennen, aus Angst vor dem Angeklagten.

Der 29-Jährige entschuldigte sich im Gerichtssaal bei den beiden Zeugen. „Da habe ich mich wohl geirrt.“ Der Richter verhängte eine Bewährungsstrafe von sieben Monaten und ein Kontaktverbot mit den Zeugen.

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