Mittagessen to go: Selbstversuch bei drei Restaurants zeigt, dass es auch ohne Müll geht

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Noch mehr Müll als Kaffeebecher machen mittlerweile Verpackungen für Speisen zum Mitnehmen. Wir haben den Test gemacht und sind mit einem Teller los, um Mittagessen in Castrop zu holen.

Castrop-Rauxel

, 09.07.2019 / Lesedauer: 4 min

Die Mitarbeiter der Redaktion holen sich mittags gerne etwas aus der Stadt, um den Magen zu füllen und neue Energie zu tanken. Oft kommen wir dann mit mindestens einer Plastiktüte, meistens noch mit Alufolie, einem Pappkarton, einem Stapel Servietten und manchmal gar mit Einweg-Besteck wieder. Jetzt haben drei Kollegen einen Porzellanteller aus dem Schrank genommen und sind losgezogen. Die Frage: Geht es auch verpackungsfrei?

Versuch 1: Matthias Stachelhaus bei Subway

Mein Versuch, bei Subway müllfrei ein Sandwich zu bekommen, gestaltet sich erstaunlich leicht. Auf meine Frage bei der Bestellung, ob man mir das fertig belegte Brot auf meinen Teller legen könne, bekomme ich ein „Klar können wir machen“ zur Antwort.

Ganz ohne Müll komme ich dann aber nicht weg. Weil mein Sandwich Teriyaki noch in den Ofen muss, kommt ein Stück Papier drunter, um eben jenen sauber zu halten. Auch sonst läuft meine Bestellung ganz normal über die Bühne. Am Ende besteht man lediglich darauf, mir das fertige Essen auf dem Papier über die Theke zu reichen und auf den Teller zu legen.

Zusammen mit Teller und Sandwich laufe ich dann wieder zurück zur Redaktion. Gut, dass es heute nicht regnet oder stürmt. So kann ich mein Mittagessen noch recht knusprig genießen.

Mittagessen to go: Selbstversuch bei drei Restaurants zeigt, dass es auch ohne Müll geht

Normalerweise wird das Sandwich bei Subway in Papier eingewickelt und dann in eine Plastiktüte gepackt. Wer das nicht möchte, kann auch einfach mit seinem Teller in das Schnellrestaurant kommen. © Stachelhaus

Versuch 2: Victoria Maiwald in der Pizzeria

Diese Frage steht den Menschen ins Gesicht geschrieben, als sie mich sehen: „Was macht die da mit dem Teller?“ Mit dem Teller hole ich mir mein Mittagessen. Also weiter zur Pizzeria Nina am Marktplatz.

Auf die Frage hin, ob ich die Nudeln auf meinen eigenen Teller mitnehmen könnte, gab der Kellner mir ein klares „Ja, klar!“. Super, ich freue mich über die Reaktion und will mich gerade in Warteposition begeben, als ich das Kopfschütteln des Kochs sehe. Weg ist die Freude.

„Das geht nicht. Da läuft die ganze Soße über den Rand. Das passt nicht“, meint der Koch. Okay, vielleicht war ich mit meinem Tellerchen etwas zu optimistisch. Kein Problem. Ich laufe schnell zurück in die Redaktion und hole geeignetes Geschirr. Perfekt vorbereitet mit einem tiefen Teller und einer Schüssel stehe ich wieder bei Nina. Der Koch begutachtet mein Geschirr und entscheidet sich für den tiefen Teller. „Der ist besser“, urteilt er.

Als er mir die Nudeln überreicht, sehe ich auch, warum das erste Tellerchen nicht geeignet war - die Portion ist größer als gedacht und wird mich bestimmt viele Tage satt halten.

Mit einem beflügelten Griff zupft der Koch noch zwei Papierservietten aus der Verpackung und drückt sie mir in die Hand. Mist. Auch wenn ich ohne Müll auskommen wollte, waren die Servietten dann doch ganz praktisch, denn der Teller war unterwegs ganz schön heiß.

Versuch 3: Tobias Weckenbrock beim Griechen

Mit einem Teller ins Rhodos an der Bochumer Straße und dann einen Gyrosteller zum Mitnehmen bestellen: Kann das funktionieren? Mein Versuch an der Theke wird mit einem „Klar können wir machen“ beantwortet. Ich stelle den Teller auf die Theke. Er ist etwas kleiner als die Teller, die man hier sonst ausgibt. Dass das noch zum Problem werden wird, ahne ich da noch nicht.

Der Kellner, der die Bestellung annimmt, ist freundlich und kümmert sich schon um die anderen Gäste im Lokal. Viele Handwerker und Arbeiter sind da, aber auch ein älteres Ehepaar. Es ist gut was los beim Griechen an der Bochumer Straße.

Damit es schön saftig wird, bestelle ich zu Pommes und Gyros noch Tsatsiki und Krautsalat und Majo dazu. Nach sieben Minuten spricht mich der Mitarbeiter an, der für mein Essen zuständig ist: „Auf diesen Teller? Wirklich? Der ist aber zu klein. Dann muss ich eine kleine Portion machen.“ Ich stimme ihm zu und er füllt den Teller ordentlich, aber nicht üppig.

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Während der Kollege an der Kasse 7,40 Euro von mir kassiert, legt der Mann, wohl ein geübter Handgriff, ein Stück Papier auf die Majo und deckt einen Abriss Alufolie über meinen Teller. Ich rufe ihm noch zu, er solle das nicht machen, ich wolle keinen Müll hinterlassen.

Da nimmt der Papier und Folie, sagt etwas erstaunt „Oh, Entschuldigung“, knüllt den Abfall zusammen und wirft ihn in den Mülleimer.

Fazit: Das Essen schmeckte, die Bedienung tat genau das, was der Kunde verlangte - aber der Koch hat es rein aus Gewohnheit verdaddelt.

Der abfallfreie Essen-zum-Mitnehmen-Service hat nur bedingt geklappt. Ich gehe mit meinem Teller in den Stadtgarten, esse auf der Bank am Gondelteich. Es schmeckt, aber ich bin hinterher nicht ganz satt. Und auch nicht ganz glücklich: Beim nächsten Mal muss ich wohl noch offensiver sagen, dass ich keinen Müll will.

Mittagessen to go: Selbstversuch bei drei Restaurants zeigt, dass es auch ohne Müll geht

Essen auf dem Teller mitnehmen: Beim Rhodos an der Bochumer Straße geht das. © Tobias Weckenbrock

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