In diesem Gebäude war mal die Neuapostolische Kirche von Habinghorst. Es war still darum geworden, was hier einmal passieren soll. Nun regten sich Moschee-Pläne und eine erwartbare Debatte darüber. © Tobias Weckenbrock
Habinghorster Markt

Moschee-Pläne: Anwohner sorgen sich ums Parken, Facebooker ums große Ganze

Die Ditib-Gemeinde aus Ickern würde gern nach Habinghorst umziehen. Die Pläne sorgen im Umfeld der einstigen Neuapostolischen Kirche für Verunsicherung und bei Facebook für wilde Kommentare.

Das hat wohl niemanden überrascht: Im Internet-Netzwerk Facebook ging es hoch her, als wir Anfang der Woche über die Pläne der Ickerner Ditib-Gemeinde Aya Sofya berichteten. Die türkisch-muslimische Gemeinde möchte ihre Hinterhof-Moschee an der Vinckestraße verlassen und nach Habinghorst in die ehemalige Neuapostolische Kirche umziehen.

Die steht seit mehr als drei Jahren leer. Und nun konnte die Gemeinde das Grundstück mitsamt der Immobilie von Privateigentümern kaufen, die 2018 beim Verkauf der Kirche noch andere Pläne hatten. Die ließen sich damals nicht verwirklichen – und so ganz einfach wird das auch mit der Moschee nicht.

Muslimische Fach-Juristin kümmert sich

Hintergründe erläuterte Aysel Cetin, Fach-Juristin in Baurechts-Fragen und selbst Mitglied der anderen Castrop-Rauxeler Ditib-Gemeinde auf Schwerin, gegenüber unserer Redaktion schon. Sie ist jetzt im Auftrag der Ickerner Gemeinde die Kümmerin, um alle baurechtlichen Fragen gegenüber der Stadtverwaltung korrekt in die Wege zu leiten.

Der Hof vor der ehemaligen Kirche: Hier ist zwar Platz, aber vielleicht nicht genug für Spitzenzeiten. Mit der baurechtlichen Prüfung von Stellplätzen an einem Gotteshaus wird sich aber die Stadtverwaltung beschäftigen, wenn es soweit ist.
Der Hof vor der ehemaligen Kirche: Hier ist zwar Platz, aber vielleicht nicht genug für Spitzenzeiten. Mit der baurechtlichen Prüfung von Stellplätzen an einem Gotteshaus wird sich aber die Stadtverwaltung beschäftigen, wenn es soweit ist. © Andrea Netz © Andrea Netz

Derweil gibt es nach der Veröffentlichung der Pläne durch unsere Redaktion Reaktionen aus der Bürgerschaft. Schon im Gerüchtemodus kursierte die Moschee-Idee zuvor durch Habinghorst. Hier, mitten im Wohnviertel, eine Moschee zu eröffnen, das stieß nicht unbedingt auf große Gegenliebe.

Eine direkte Anwohnerin spricht nun offen gegenüber unserer Redaktion ihre Vorbehalte aus: Andrea Netz wohnt am Habinghorster Markt, so der Name der direkt am Grundstück anliegenden Straße. „Mit der Moschee würden wir noch weniger parken können“, befürchtet sie. Die Stadt mache alles so, wie sie wolle, Umwelt und Klima sei da dann uninteressant und die Bürger seien „eh egal“.

Mit dem Marktplatz verschwand Parkraum

Der Marktplatz, der früher eine Option zum Parken gewesen sei: heute bebaut mit Senioren-Wohnungen. Die Parkplätze, die dazu gehören, sind manchmal sogar frei, werden aber von einer privaten Parkraum-Überwachungsfirma in Augenschein genommen. Die Parkdauer ist limitiert auf zwei Stunden. Für Anwohner wie Andrea Netz, die mit ihrem Mann hier lebt und zwei Fahrzeuge am Fahrbahnrand abstellen müsse, keine Option.

Dazu würden hier im Umfeld auch noch Transporter geparkt oder Fahrzeuge ohne Zulassung abgestellt. „Wenn uns hier niemand hilft, wird das Viertel noch weiter runter kommen, als es eh schon ist“, sagt Andrea Netz. Die gepflasterte Fläche, die zum Kirchengrundstück gehört, reiche bei weitem nicht.

In einem Hinterhof auf der Vinckestraße in Ickern ist die DiTiB-Moschee-Gemeinde seit Jahren zu Hause.
In einem Hinterhof auf der Vinckestraße in Ickern ist die DiTiB-Moschee-Gemeinde seit Jahren zu Hause. © Tobias Weckenbrock © Tobias Weckenbrock

Ähnliches berichte man ihr aus Ickern, wo zu Gebetszeiten an der Vinckestraße alles „wie wild zugeparkt“ sei. Das hätten ihr Anwohner aus dem Nachbar-Stadtteil berichtet. „Und die Polizei hat nichts gemacht, deswegen auch das Theater da“, mutmaßt Andrea Netz.

Ihr Fazit lautet: „Egal ob Kirche, Moschee oder sonst was: Wir haben dafür keine Kapazität.“

Facebook-Debatte über „Islamisierung“

Die Diskussion bei Facebook geht – erwartbar – in eine andere Richtung, erfährt dort aber viel Gegenwind. Allein 40 Kommentare zog unsere Recherche am Montag allein auf der Facebook-Seite unseres Medienhauses nach sich. Kritiker formulieren oft auch hohle Phrasen wie „Was wäre eigentlich, wenn wir eine Kirche in der Türkei bauen wollten?“. Andere meinen, die „Islamisierung des Abendlandes“ schreite damit voran. Und, Verwaltung und Politiker würden das absichtlich geheim halten.

Reichlich Gegenwind bekommen sie von vielen anderen Nutzern. Unter anderem mit dem Argument, es handele sich lediglich um einen geplanten Umzug einer ohnehin bestehenden Gemeinde im Stadtgebiet. Die Idee, ein leer stehendes, aber durchaus funktionales Gebäude mit neuem Leben zu füllen, bezeichnen einige Nutzer als charmant.

Die immobilie und die DiTiB

  • Im Herbst 2020 stand die Immobilie in Habinghorst bei Immobilienscout24 zum Verkauf: 480.000 Euro riefen die Eigentümer für den Bau auf, der über 430 Quadratmeter Wohnfläche und 1134 Quadratmeter Grundstück verfügt.
  • Das Gebäude stammt nach der Verkaufsanzeige von damals aus dem Jahr 1977 und wurde zuletzt im Jahr 2004 saniert. Es sei in einem gepflegten Zustand, hieß es, worauf die gut gepflegten Außenanlagen bis heute auch schließen lassen.
  • Die Gemeinde soll den Kauf aus eigenen Mitteln geschultert haben. Allerdings ist von DiTiB-Gemeinden bekannt, dass sie aus der Türkei bezuschusst werden. Das ist Ergebnis einer Ausarbeitung der Wissenschaftlichen Dienste des Deutschen Bundestages von Mai 2018.
  • Die Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion (Diyanet İşleri Türk İslam Birliği / kurz: DiTiB) ist ein eingetragener Verein in Deutschland, der 1984 in Köln gegründet wurde. Er untersteht dem staatlichen Präsidium für religiöse Angelegenheiten. Das wiederum ist dem türkischen Staatspräsidenten direkt unterstellt.
  • Die deutsche Bundesregierung stellte im Sommer 2018 Zuschüsse für die DiTiB ein. Auch eine Prüfung, ob die Kölner Zentrale ein Prüffall für den Verfassungsschutz sein müsse, wurde diskutiert und ist seit Herbst 2018 offen.
Über den Autor
Castrop-Rauxel und Dortmunder Westen
Gebürtiger Münsterländer, Jahrgang 1979. Redakteur bei Lensing Media seit 2007. Fußballfreund und fasziniert von den Entwicklungen in der Medienwelt der 2010er-Jahre.
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Tobias Weckenbrock