Mutter fälschte Unterschrift der Tochter für Einkauf im Supermarkt

rnEC-Karte heimlich eingesetzt

2015 kaufte die Mutter online mit der EC-Karte ihrer Tochter in einem Supermarkt ein. Die Tochter wusste nichts davon. Jetzt, knapp drei Jahre später, landete der Einkauf vor Gericht.

Castrop-Rauxel

, 31.07.2019, 04:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Mama, du hast meine Unterschrift gefälscht“, klagte die Tochter ihre Mutter im Zivilprozess am Amtsgericht an. Dort saß die junge Frau mit ihrer Anwältin als Beklagte, das klagende Inkassounternehmen war durch einen Anwalt vertreten.

Der Vorfall: Genau am 11. Dezember 2015 war in einem Netto-Laden im südlichen Münsterland ein Einkauf von rund 60 Euro mit ihrer EC-Karte bezahlt worden. Im Lastschriftverfahren gegen Unterschrift. Wie sich später herausstellen sollte, wurde die Zahlung von der Bank abgelehnt. Das Konto war nicht gedeckt.

Kein Geld, keinen Führerschein

Diesen Zeitraum wird die Tochter nie vergessen. Aber aus einem ganz anderen Grund: Sie hatte Ende November ihre Tochter geboren - und in den Folgewochen um deren Leben bangen müssen. „Ich hatte gar kein Geld damals, und auch keinen Führerschein, um zu dem genannten Geschäft zu kommen“, sagte sie.

Auf die abweichende Unterschrift wies ihre Anwältin hin. „Das A schreibt meine Mandantin ganz anders, die Unterschrift auf dem Beleg ist eine Fälschung.“ Das hatte die Mutter später in einer Mail auch zugegeben.

Mutter benutzte Identität der Tochter zum Online-Shopping

Die EC-Karte habe ihre Mutter nur einmal benutzt, sagte die Tochter aus, doch für Käufe im Internet habe sie häufiger die Identität ihrer Tochter benutzt, die zu jener Zeit noch im gemeinsamen Haushalt lebte. Sie ist sich sicher, dass die Mutter zu jener Zeit etliche Mahnbriefe abgefangen habe.

Die Mutter war als Zeugin geladen und gab zu, die Karte benutzt zu haben. „Ich wollte doch ein paar Lebensmittel Zuhause haben, wenn meine Tochter mit dem Baby kommt“, sagte sie. Sie lebe mit ihrem Mann von Hartz IV, hätte kein Geld.

Kannte die Mutter die PIN-Nummer?

Doch sie behauptete auch, dass ihr die Tochter die PIN-Nummer zur Karte genannt habe, als diese im Krankenhaus war und die Mutter gebeten hatte, ihr 20 Euro von Konto abzuheben. Ob das so war und warum die Karte nicht mit dem Geld zurückgegeben wurde, vermochte niemand mehr zu sagen.

Die Mutter war ratlos, die Tochter sagte, sie müsse erst mal auf das Konto schauen, ob da ein entsprechender Betrag abgebucht sei und der Richter zeigte sich über die Dimension, die das Verfahren plötzlich nahm, irritiert - driftete es doch Richtung Straftat.

Dieses Szenario wurde abgewendet, weil die Beklagtenseite den Einspruch gegenden Vollstreckungsbescheid zurücknahm und das Verfahren so beendete. Die geforderte Summe von 450 Euro - so hoch haben die diversen Mahnschreiben und der Aufwand des Inkassounternehmens die einst 60 Euro Schulden getrieben - wurden übrigens in der Zwischenzeit vom Mann der Zeugin bezahlt.

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