Für Alica gab’s erst keinen Platz in der Wunschschule und jetzt keinen in der Betreuung

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Für Alica (5) gab es keinen Platz an der Wilhelmschule. Nun das nächste Problem: Sie hat keinen Platz in der Betreuung der Elisabethschule. Ihre Mama Kerstin Marewski muss aufhören zu arbeiten.

Castrop-Rauxel

, 03.02.2020, 04:55 Uhr / Lesedauer: 3 min

Kerstin Marewski hat ein Problem. Um genau zu sein, hat sie sogar mehr als nur ein Problem. Sie und ihr Lebensgefährte wollten die gemeinsame Tochter Alica eigentlich zum kommenden Schuljahr als i-Männchen an die Wilhelmschule in Dorf Rauxel schicken. Die liegt nur 900 Meter von ihrem Haus am Habichtseck entfernt.

Hier fangen die Probleme an: Denn das Töchterchen, das bald 6 Jahre alt wird, hat an der Wilhelmschule keinen Platz bekommen. „An der Grundschule gab es so viele Anmeldungen, dass Kinder abgelehnt werden mussten. Leider auch meine Tochter“, sagt Kerstin Marewski.

Wilhelmschule hat diesmal nur zwei erste Klassen

Die Schule in Dorf Rauxel ist eigentlich dreizügig, verfügt dabei aber nur über elf Klassenräume. Daher muss die Schule alle vier Jahre einen zweizügigen Jahrgang einschieben, um die Raumkapazitäten nicht zu überfordern. Zum Ende dieses Schuljahres werden nun die Schülerinnen und Schüler von zwei vierten Klassen auf die weiterführenden Schulen gehen. Daher können zum Schuljahr 2020/21 nur zwei neue Eingangsklassen gebildet werden.

Wie die Stadtverwaltung bestätigt, mussten an der Wilhelmschule zum neuen Schuljahr aus diesem Grund viele Schüler abgelehnt werden. 56 Plätze konnten nur vergeben werden, es lagen aber nach dem Anmeldezeitraum Ende 2019 genau 76 Anmeldungen vor.

Für Alica gab’s erst keinen Platz in der Wunschschule und jetzt keinen in der Betreuung

Die Wilhelmschule in Dorf Rauxel hat nur elf Klassenräume. Darum muss sie im kommenden Schuljahr wieder einen nur zweizügigen ersten Jahrgang einschieben. © Anissa Sawatzki

Bei der dadurch notwendigen Auswahl werden Kriterien angelegt. So bekommen unter anderem Geschwisterkinder einen Bonus und ebenso Kinder, die zuvor Kindergärten im Umfeld der Schule besucht haben.

Nun hat Kerstin Marewski erst ein Kind. Und sie hat ihre Tochter in der Betriebs-Kita ihres Arbeitgebers, der Elisabethgruppe in Herne, untergebracht. „Das ist für uns einfach der beste Weg gewesen, das ist doch klar“, sagt die Mama. Dadurch hatte sie nun aber bei der Platzvergabe an der Wilhelmschule das Nachsehen.

Wahl fiel auf die Elisabethschule

Kerstin Marewski musste sich also kurzfristig eine andere Grundschule für ihr Kind suchen. Die Wahl fiel dabei auf die Elisabethschule in Obercastrop. Die ist ebenfalls dreizügig - durchgängig. „Dort wird Alica wohl auch einen Platz bekommen, das hat man uns quasi fest zugesagt“, erzählt die Mutter.

Die Probleme sind damit aber noch längst nicht ausgeräumt. Denn ihre Tochter bekommt zwar offenbar einen Schulplatz, aber keinen in der Übermittag-Betreuung der Elisabethschule. „In der 1. Klasse sei gar nichts zu machen, hat man uns gesagt. Und auch in der 2. Klasse könne es schwierig werden“, erzählt die frustrierte Mutter.

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Im Gegensatz zur Offenen Ganztagsschule, die in der Regel einen außerschulischen Träger und nur feste verbindliche Zeiten anbietet, gibt es an der konfessionellen Elisabethschule ein flexibles Betreuungsangebot. Das wäre Kerstin Marewski sehr entgegen gekommen. Träger ist der Förderverein der Elisabethschule.

Die Betreuung in der Elisabethschule ist wie alle Betreuungsangebote in der Stadt aber so gefragt, dass dort von 300 Schülern 135 Kinder untergebracht sind. Bedarf gibt es aber für viel mehr Plätze, sagt Christiane Heinze, die das Betreuungsteam leitet.

Ist die Stadt hier in der Pflicht?

Sie versteht das Problem von Kerstin Marewski sehr gut, hat auch hin und her überlegt, ob die Platzzahl noch zu erweitern sei. „Aber das geht einfach nicht, das geben unsere Kapazitäten nicht her. Es ist schon schlimm, dass man Eltern so im Regen stehen lassen muss.“

Den Schwarzen Peter sieht sie bei der Stadt: „Die ist doch eigentlich in der Pflicht, für alle Familien, die Betreuung brauchen, auch eine anzubieten.“ An den Offenen Ganztagsschulen versucht die Stadt das auch, die Elisabethschule ist aber durch die katholische Trägerschaft und den privaten Betreuungsverein ein anderer Fall.

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Kerstin Marewski macht der Elisabethschule keine Vorwürfe. „Wenn es keinen Platz gibt, können wir auch keinen haben, das ist klar. Wir sind aber eigentlich dringend auf Betreuung angewiesen. Mein Mann arbeitet in Wechselschicht und ich bin in Herne berufstätig. 30 Stunden, dazu die Fahrerei.“

Mutter muss wohl ihre Arbeit aufgeben

Die einzige Lösung sei, dass sie erst einmal ganz aufhöre zu arbeiten. Das müsse sie bald entscheiden, sie sehe aber keinen anderen Weg, um ihre kleine Tochter rechtzeitig von der Schule abholen zu können. „Das ist bitter, aber mir wird wohl sonst nichts bleiben. Ich kann nur hoffen, dass Alica wenigstens im zweiten Schuljahr einen Betreuungsplatz bekommt.“

Kerstin Marewski hat auch unsere Berichte über das Verkehrsproblem an der Elisabethschule gelesen, in dem es um das Parkverhalten der Eltern ging. „Das mag ja so alles richtig sein. Aber auch ich werde meine Tochter jetzt mit dem Auto zur Schule bringen müssen.“

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Sie hätte für Alica gern den kurzen Schulweg zur Wilhelmschule gehabt. „Aber nach Obercastrop kann sie ja nicht laufen. Da werden wir sie bringen und abholen müssen und werden dann auch zu den Auto-Eltern gehören“, sagt Kerstin Marewski.

Aus ihrer Sicht sei es daher nötig, im Bereich der Grundschulen Kurzzeitparkplätze einzurichten. „Darum sollte man sich als Stadt, Schule und Schulpflegschaft auch einmal kümmern und nicht nur über parkende Eltern schimpfen.“ Immerhin will die Stadt für die Elisabethschule jetzt wohl Elternhaltestellen einrichten. Wenigstens ein Problem weniger für Kerstin Marewski.

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