NaBeBa sollte eigentlich bald einmal „Centrum für Familien und Bildung“ heißen

rnKinderschutz-Forum

Der Natur- und Begegnungsbauernhof am Rapensweg in Ickern steht vor dem Aus. Dann trat ein bisher unbekannter Verein an, um den NaBeBa zu retten. Wer steckt hinterm Deutschen Kinderschutz-Forum?

Ickern-End

, 02.03.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Gemeinsam sollte ein „Centrum für Familien und Bildung“ entstehen: Das war das ausgegebene Ziel des „Deutschen Kinderschutz-Forums“, eines 2019 in Bochum gegründeten Vereins. Der verbreitete vergangene Woche (23.2.) die Nachricht, dass 200 Tiere und der komplette NaBeBa umziehen müssen. Aber was steckt eigentlich dahinter?

„Dieses Zentrum soll ein Bildungswerk für Kinder mit Behinderungen werden“, sagt Friedrich-Wilhelm von Krauss (60). Er ist einer der Gründer des Forums und 2. Vorsitzender. „Wir wollen sie in Fachpraktika einen Beruf erlernen lassen und mit ihnen therapeutisch arbeiten.“

Das tut der NaBeBa, der Natur- und Begegnungsbauernhof, seit 2007: Dorothee Zijp gründete ihn, um vor allem Kindern mit Behinderungen einen einfachen Zugang zur Natur und zu Tieren zu geben. Rund 200 Tiere leben auf dem Hof am Rapensweg, der nun allerdings wegen Anwohner-Beschwerden und aus baurechtlichen Gründen umziehen muss.

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„Wir haben uns überlegt, NaBeBa zu integrieren, weil sie so viele Tiere haben“, sagt der Bochumer von Krauss: „Wenn wir Kinder haben mit einem traumatischen Hintergrund, dann gibt es für sie Trigger, die das Trauma erneut auslösen können. Tiere haben diese Trigger nicht.“

Bei Gespräch mit der Stadtverwaltung mit am Tisch

Darum war er mit seinem Vorstandskollegen Pascal Schröer vor knapp drei Wochen bei einem Gespräch zwischen Dorothee und Klaas Zijp mit der Stadtverwaltung Waltrop dabei. Vorher hatte es schon intensive Absprachen mit dem Vorstand des NaBeBa e.V. gegeben.

Bei der Waltroper Bürgermeisterin ging es darum, auszuloten, bis wann der NaBeBa vom Rapensweg wegziehen kann. Eigentlich sollte das bis zum 1. März geschehen. Doch nun gab es Aufschub. 2020 muss das Thema aber vom Tisch sein. Und am Wochenende einen Bruch zwischen NaBeBa und dem DKF.

Zur Sache

Was steckt wirklich hinter dem neuen Verein?

Das „Deutsche Kinderschutzforum“ stehe in regem Kontakt zu einer Koblenzer Hochschule, habe eine Ausbildung für Kinderschutz-Fachkräfte konzipiert, sagt der 2. Vorsitzende Friedrich-Wilhelm von Krauss. Es leiste Präventionsarbeit gegen sexuelle Gewalt gegen Kinder, verdiene aber auch sein Geld mit Resilienz-Workshops in Unternehmen, so der Vorstand.

Aber wie kam überhaupt der Kontakt einst zustande? „Uns war bekannt, dass NaBeBa das Problem mit dem Standort hat. Wir haben gemeinsame Bekannte.“ Dann habe der NaBeBa e.V. das Forum mit seinem Problem konfrontiert.

Es gehe darum, ein neues Areal zu finden – eines für beide Einrichtungen. „Wir suchen zusammen, ihr mietet euch bei uns ein“, so lautete der Plan von Schröer und von Krauss. „Wir suchen im Umfeld von Bochum, Dortmund, Waltrop, Witten.“ Man habe diverse Möglichkeiten und Kontakte, sagt von Krauss. Und offenbar als zentrales Argument auch das nötige Geld dafür.

Am sinnvollsten erscheine ihm, einen Bauernhof zu kaufen. Oder ein größeres freies Grundstück. „Wir sind bereit, Geld dafür in die Hand zu nehmen, und haben auch verschiedene Möglichkeiten.“

Am Eingang zum NaBeBa am Rapensweg steht dieses Schild.

Am Eingang zum NaBeBa am Rapensweg steht dieses Schild. © Tobias Weckenbrock

Friedrich-Wilhelm von Krauss sagte am Freitag (28.2.) im Gespräch mit unserer Redaktion, er habe in Wirtschaftsunternehmen in verschiedenen Führungspositionen gearbeitet. Zudem habe er eine Heilpraktiker-Ausbildung für Psychotherapie absolviert, um Hintergrundwissen für seine Vereinsarbeit aufzubauen. Sein Kollege Pascal Schröer komme aus dem kinder- und jugendpsychologischen Bereich.

Eigener Bericht sorgte für große Aufregung

Schröer verfasste auch den Bericht auf der Homepage des Kinderschutz-Forums, der für Aufregung sorgte und der nun auch mitentscheidend war für den Bruch zwischen NaBeBa und DKF. Aufregung entstand wohl auch aufgrund eines Missverständnisses: Denn viele verstanden den Beitrag so, als wären 200 Tiere – Esel, Alpakas, Ziegen, Schafe, Hängebauchschweine, Hühner, Kaninchen und mehr – heimatlos und suchten woanders Unterschlupf.

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Was sollte der alarmistisch wirkende Aufsatz? „Die Information war mit Frau Zijp abgestimmt. Es gab sehr viele Gespräche, es gibt auch einen vorläufigen Kooperationsvertrag“, sagt von Krauss am Freitag. Dorothee Zijp dementiert das am Montag im Gespräch mit unserer Redaktion. „Ich hätte diesen Beitrag so nicht autorisiert“, sagt Zijp.

Mit dem Aufruf habe Schröer Aufmerksamkeit für das Projekt erzeugen wollen, sagt von Krauss. „Wir sind Vereine, wir leben von Spendengeldern“, so der 2. Vorsitzende des DKF am Freitag. Einen Umzug von 200 Tieren kriege man eben nicht mal eben mit 150 Euro gestemmt. Dafür bekomme man von einer Bank kein Geld geliehen.

Es sollen tatsächlich Spenden geflossen sein. An das DKF, nicht an NaBeBa. Der Verein habe sich in dem „professionell aufbereiteten Artikel“ aber mit fremden Federn geschmückt, sagt Dorothee Zijp. Am Montagabend (2.3., 17 Uhr) gab es eine Krisensitzung des NaBeBa-Vorstandes.

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