Kinder-und Jugendförderplan

Nach Rettung eines Castrop-Rauxeler Jugendtreffs stellt Träger Forderungen

Ein gefährdeter Jugendtreff kann weitermachen. Für die Politik in Castrop-Rauxel ist es ein Happy End. Der Träger spricht dagegen von einem „weinenden Auge“ und hat klare Forderungen.

Eine Überraschung war die Entscheidung im Jugendhilfeausschuss nicht: Der Kinder- und Jugendförderplan für die Jahr 2022 bis 2026 ist in der Sitzung am Dienstag in der Europahalle einstimmig verabschiedet worden. Nach einem ersten (gestoppten) Anlauf hatte die Stadt einen leicht veränderten Plan vorgelegt. Weitere Diskussionen sind aber programmiert. Auch die evangelische Paulus-Kirchengemeinde ist betroffen.

Ein Blick zurück: Nachdem CDU und FDP kritisiert hatten, dass für zwei offene Jugendtreffs die strukturelle Förderung nicht verlängert werden sollte, wurde die Verabschiedung des Plans im Juni von der Tagesordnung der Ratssitzung genommen. In der Zwischenzeit, sagte die Beigeordnete Regina Kleff, gab es Gespräche mit beiden Trägern, dem Evangelischen Kirchenkreis für den Meeting Point und den Falken für deren Offenen Treff.

Tom Roehl (FDP) sprach daraufhin im Ausschuss von einem Happy End. Friedhelm Libuschewski sprach für den Träger des Meeting Points an der Luisenstraße dagegen von „einem lachenden und einem weinenden Auge“. Denn an der Entscheidung, den Meeting Point aus der strukturellen Förderung zu nehmen (27.000 Euro jährlich) hat sich nichts geändert. Erreicht wurde allerdings, dass der offene Kinder- und Jugendtreff 2022 weiter machen kann, weil er von der Projektförderung aus dem Programm „Aufholen nach Corona“ profitieren wird.

Landespolitiker sollen sich für mehr strukturelle Förderung einsetzen

Das bedeutet aber, dass jedes Jahr wieder die Finanzierung neu gesichert werden muss. „Das ist nicht gut für die Mitarbeiter“, so Libuschewski. Sein Appell an die Politiker: Sie dürften das Thema jetzt nicht fünf Jahre ruhen lassen, sondern müssten bei ihren Landesvertretern in Düsseldorf aktiv werden. „In Projekte wird vom Land zurzeit viel Geld gepumpt, aber Strukturen brechen vielerorts weg“, sagte er. Irgendwann sei keiner mehr da, der die Projekte noch umsetzen könne.

Positioniert hatte sich im Vorfeld auch die Evangelische Paulus-Kirchengemeinde. Sie betreibt im gleichen Gebäude ihre kirchliche Kinder- und Jugendarbeit. Hätte der Meeting Point schließen müssen, wäre das Gebäude mit seinem großen Außenbereich weit weniger genutzt worden und hätte durchaus zur Diskussion stehen können.

Das Presbyterium hatte sich mit dem Thema auch vor dem Hintergrund beschäftigt, dass teure Arbeiten anstehen. „Die Fußbodenheizung ist kaputt, es muss eine komplett neue Heizungsanlage installiert werden“, erläutert Pfarrer Arno Wittekind auf Nachfrage unserer Redaktion. Kostenpunkt: rund 60.000 Euro. Die klare Aussage des Presbyteriums sei aber gewesen, die Heizung auch zu erneuern, wenn das Meeting Point nicht hätte weiter machen können.

Kirchenkreis erwartet, dass die Stadt den Treff neu bewertet

„Die Kinder- und Jugendarbeit ist uns so wichtig, dass wir das Haus, so lange es geht erhalten wollen, gerade auch mit dem großen Außengelände“, so Wittekind. Wegen der Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Jugend wolle man die Zukunft des Hauses nicht infrage stellen.

Das Presbyterium, so der Pfarrer weiter, setzt darauf, dass die Stadt im kommenden Sommer die Situation wie zugesagt neu bewerten werde und der Meeting Point dann wieder in die strukturelle Förderung aufgenommen werden könne. Man wolle bis dahin deutlich machen, dass man alle Kinder und Jugendlichen in dem schwierigen Sozialraum Rauxel-Süd-Nord erreichen könne.

Kommunikation zwischen Stadt und freien Trägern besser schon im Vorfeld

Frank Ronge, Vorsitzender des Stadtjugendrings in Castrop-Rauxel, mahnte als Vertreter der freien Träger in der Stadt, die Unterstützung für die Falken nicht zu vergessen. Allein mit dem Zuschuss von 2000 Euro für die verbandliche Arbeit könnten die Falken den Standort in der Marienschule nicht halten. Hier, so entgegnete Regina Kleff, habe es nach Gesprächen keine weitere Rückmeldung der Falken gegeben.

Zudem mahnte Frank Ronge eine bessere Kommunikation zwischen Stadt und Trägern an. So grundlegende Kritik, die jetzt zur Streichung der strukturelle Förderung geführt habe, müsse im Vorfeld besprochen werden.

Über die Autorin
Redakteurin für Castrop-Rauxel und den Dortmunder Westen