„Nazis töten.“ Provokantes Partei-Wahlplakat sorgt für Diskussionen

rnKommunalwahl 2020

Der Wahlkampf in Castrop-Rauxel ist in vollem Gange und im Stadtgebiet stapeln sich die Plakate der Parteien. Ein Plakat sticht besonders heraus und sorgt für Diskussionen. Wieder einmal.

Castrop-Rauxel

, 31.08.2020, 13:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Satire-Partei „Die Partei“ ist bekannt für ihre provokanten Wahl-Slogans. Doch hat sie es dieses Mal zu weit getrieben? Am Castroper Markt hängt das Plakat mit der Aufschrift „Nazis töten.“ und sorgt für Diskussionen sowohl bei den Passanten in der Innenstadt als auch im Internet.

Viele Castrop-Rauxeler empfinden Plakat als geschmacklos

„Das ist schon eine krasse Aussage, finde ich. Auch wenn Nazis unterste Schublade sind, weiß ich nicht, ob sowas auf ein Wahlplakat gehört“, sagt uns Frau Haas. Sie entdeckte das Plakat erstmals beim Einkaufen in der Altstadt.

Ebenso Thomas Altmann. Auch er war beim ersten Blick kurz erschrocken, wie er erzählt: „Ich musste zwei mal hinschauen, aber dann habe ich verstanden: Es handelt sich hierbei um ein Wortspiel.“ Damit liegt der 42-jährige Castrop-Rauxeler wohl ganz richtig.

Wie auch ein Facebook-Leser erklärt, steht hinter der Aussage „Nazis töten“ ein Punkt und kein Ausrufezeichen. Somit handele es sich um keine Aufforderung, Nazis zu töten, sondern um die Aussage, dass Nazis töten.

Viele Castrop-Rauxeler erkennen das aber nicht auf den ersten Blick. „Jetzt, wo Sie es sagen und ich nochmal genauer lese... Stimmt. Aber ganz ehrlich, auch das finde ich eine ziemlich heftige Aussage auf dem Plakat. Aber so bekommt man natürlich die Aufmerksamkeit der Bürger. Clever, aber provokant“, sagt Passant Marco. Seine Freundin Fabienne ergänzt: „Trotzdem nicht okay. Ob von einer rechten oder linken Partei oder wem ganz anders, ich finde, solche Aussagen sorgen für Verwirrung und es gibt immer Leute, die so etwas falsch verstehen. Das kann auch zu Problemen führen.“

In einer Castrop-Rauxeler Facebook-Gruppe sind die Meinungen deutlich radikal-negativer. Kommentare wie „Die Zweideutigkeit ist geschmacklos und unangebracht und einfach nur peinlich“ oder „Für mich ist das Plakat keine Feststellung, vielmehr eine Aufforderung“ prägen dort die Diskussion

Das Gericht hat entschieden: Plakat darf hängen bleiben

Schon in einigen Städten hat das Plakat für Aufruhr gesorgt und landete deshalb bereits im März vor dem Bielefelder Amtsgericht. Der doppeldeutige Slogan wird zwar vielfach als Aufruf empfunden, wie auch bei vielen Castrop-Rauxelern, das Gericht erkannte jedoch auch, dass der Spruch ebenso eine Beschreibung sein könne, wobei das Wort „Nazis“ in diesem Fall als Subjekt und nicht als Objekt verwendet werde.

Somit wurde entschieden, dass das Plakat hängen bleiben dürfe. Nun hängt es auch in Castrop-Rauxel.

Jetzt lesen

Lesen Sie jetzt