Neue Corona-Statistik des Kreises RE gibt tiefe Einblicke in die Krise

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Zahlen, Zahlen, Zahlen: Der Kreis Recklinghausen hat am Montag ein Dashboard im Internet veröffentlicht, das noch mehr Details zur Corona-Krise offenbart. Die vier interessantesten Erkenntnisse.

Kreis Recklinghausen

, 02.11.2020, 18:54 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es erkranken inzwischen zahlreiche Menschen am Coronavirus. Man erwartet, dass die Kliniken bald an ihre Kapazitätsgrenzen stoßen. Aber warum? Und wieso ist es jetzt noch nicht so, wo das Virus Sars-CoV-2 doch dauernd als so gefährlich dargestellt wird? Neue Einblicke in die Statistik des Gesundheitsamtes nach über einem halben Jahr Corona-Pandemie geben Aufschlüsse und Antworten auf so manche Frage. Wir erläutern die vier vielleicht interessantesten Erkenntnisse:

? (1) Wie hoch ist eigentlich die Zahl der Tests?

Kritiker behaupten oft, dass die Zahl der Infiziertenmeldungen nur deshalb so hoch ist, weil es heute viel mehr Tests gibt. Dass es mehr Tests gibt, beweisen die neuen Veröffentlichungen eindrucksvoll. Ein Beispiel vom 28.10.: 242 Abstriche wurden an den beiden Testzentren des Kreises (Prosper-Krankenhaus RE, Paracelsus-Klinik Marl) genommen. 127 nahm das mobile Abstrich-Team. 164 Abstriche wurden in Kitas und Schulen genommen. In Summe waren das über 530 Tests an einem Tag.
Im gesamten März betrug die Zahl der Testungen 1442, im April, also mitten in der ersten Welle, 4600. Im ganzen Monat. Im Oktober erreichte der Kreis RE fast die Marke von 10.000 Tests, also mehr als doppelt so viele. Allein 4000 waren es in Schulen, Kitas, Pflegeheimen und Sportvereinen.

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? (2) Wie hoch ist die Zahl der Covid-19-Patienten in Kliniken aktuell wirklich?

Das DIVI-Intensivregister hilft schon länger mit einem Einblick in die Krankenhaus-Situation. Aber es fehlt eine entscheidende Angabe: Wie viele Menschen liegen mit Covid-19-Symptomen in Krankenhäusern? Mit Stand vom 1.11. waren das 120 von insgesamt 1920 akut infiziert gemeldeten Personen. Das sind vier weniger als noch zwei Tage zuvor, aber 20 mehr als am 25.10., 60 mehr als am 18.10.
Es gibt also derzeit zwar keine wöchentliche Verdopplung, aber doch einen starken Zuwachs. Die Quote der in Krankenhäusern behandelten Fälle lag am 1.11. bei 6,3 Prozent. Eine Woche zuvor lag sie bei fast neun Prozent. Knapp 90 Prozent der akuten Krankenhaus-Patienten mit Covid-19 sind übrigens 60 Jahre oder älter. Auf Intensivstationen liegen derzeit aber „nur“ 16 Personen. Darum sind im DIVI-Register noch über 50 freie Betten angegeben.

Das neue Dashboard des Kreises Recklinghausen.

Das neue Dashboard des Kreises Recklinghausen. © Kreis Recklinghausen

? (3) Wie viele positiv getestete Menschen sind wirklich krank?

Die Quote der „symptomatischen Personen“ liegt am 1.11. bei 57,2 Prozent: Von den 1920 gemeldeten Akutfällen sind das 1099 Personen. Die anderen 42,8 Prozent sind symptomfrei. Die Symptomatik-Quote schwankte in den vergangenen drei Wochen zwischen 55 und 64 Prozent. Bei den Unter-Zehnjährigen ist der Anteil der symptomfreien Infizierten übrigens mit zwei Dritteln besonders hoch.

? (4) Welche Altersgruppe erkrankt aktuell am stärksten?

In den vergangenen sieben Tagen wurden 240 Menschen zwischen 20 und 29 Jahren im Kreis Recklinghausen als infiziert gemeldet. Damit ist diese Alterskohorte die am stärksten vom Coronavirus betroffene Gruppe. Es sind also weder die Alten noch die Schüler. Die 50- bis 59-Jährigen folgen recht dicht darauf (219 Personen). Die Alterskohorten 40 bis 49, 30 bis 39 und 10 bis 19 folgen mit 170 bis 190 Infiziertenmeldungen in den vergangenen sieben Tagen.

Die besonders zu schützenden Älteren erkranken vergleichsweise selten: 181 Personen von 60 Jahren oder älter sind erkrankt. Klar ist aber auch: Von denen erkranken erfahrungsgemäß verhältnismäßig viele Menschen schwer. Fast alle Todesfälle kommen aus diesem Altersspektrum.

Dr. Richard Schröder, Fachbereichsleiter Gesundheit und Bildung des Kreises Recklinghausen, sagt: „Im Sommer hatten wir vielleicht 30, 35 akute Fälle im Kreisgebiet. Da hätten wir die Zahlen in dieser Tiefe gar nicht zeigen können, weil sie nachverfolgbar gewesen wären.“ Bei den hohen Zahlen nun sei ihm allerdings wichtig, dass die Bürger einen tieferen Einblick nehmen können.

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