Neue Ekelfunde: Jetzt auch Witten betroffen

Gammel-Lebensmittel

Fünfter Ekel-Fund innerhalb weniger Tage: Nach Castrop-Rauxel, Schwerte, Haltern und Sprockhövel haben unbekannte Täter jetzt auch in Witten kiloweise ranzige Lebensmittel abgeladen. Elf 120-Liter-Tonnen wurden an einem Wanderparkplatz gefunden. Ein Zusammenhang liegt nahe.

CASTROP-RAUXEL/HALTERN/SCHWERTE

, 22.06.2016, 11:55 Uhr / Lesedauer: 3 min

Schwerte, Castrop-Rauxel, Haltern am See, Sprockhövel, Witten: Innerhalb weniger Tage wurden in diesen fünf Städten Mülltonnen mit faulenden Lebensmitteln abgeladen. Die Tatorte ähneln sich, immer es handelt sich um schlecht einsehbare, abgelegene Plätze, die von der Autobahn schnell erreichbar sind. Der Eindruck, dass dieselben Täter für alle Fälle verantwortlich sind, drängt sich auf. Doch Gewissheit gibt es (noch) nicht. Auch in zwei kleinen Gemeinden im nördlichen Rheinland-Pfalz wurden Dutzende Mülltonnen abgeladen. Betroffen sind entlegene Stellen in Puderbach und Selters. 

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Das Ausmaß der "Umweltsauerei" ist jedenfalls beachtlich, an allen sieben Orten. Michael Pillipp von der Polizei im Kreis Recklinghausen sagte: „Unser für Umweltdelikte zuständiges KK 11 ermittelt mit Hochdruck. Es liegt die Vermutung nahe, dass es einen Zusammenhang mit weiteren Fällen in der Region gibt. Wir ermitteln in alle Richtungen und hoffen natürlich auf Zeugenhinweise. Es gibt immer mal wieder illegale Müllentsorgung im Kreis, zum Beispiel Altreifen oder Bauschutt, aber Entsorgungen von Bioabfällen in dieser Größenordnung sind uns neu. Ein vergleichbarer Fall ist mir in meiner bisherigen Dienstzeit hier im Kreis jedenfalls in der Vergangenheit noch nicht untergekommen.“ 

Die Fundorte

SCHWERTE: Am oder vor dem 15. Juni haben Unbekannte mehr als 15 Mülltonnen, prall gefüllt mit ranzigen Lebensmittel-Resten, nahe einer Autobahnabfahrt in Schwerte-Ergste abgeladen. Ein Spaziergänger hatte das Ordnungsamt informiert. Am 17. Juni wurde der Fund von einem Serviceunternehmen entfernt und kurz darauf in der Müllverbrennungsanlage in Hamm verbrannt. Zwei anonyme Hinweise auf den oder die Täter sind eingegangen. 

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CASTROP-RAUXEL: 35 Mülltonnen mit einem faulenden Lebensmittelgemisch wurden an einem Wirtschaftsweg in Bladenhorst gefunden. Wann sie dort abgeladen wurden, ist unklar. Eventuell schon vor dem 12. Juni. Am Mittwoch (22.6.) stand die Beseitigung durch ein Spezialunternehmen an. Details hier.

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HALTERN AM SEE: Das gleiche Muster, eine andere Stadt im Kreis Recklinghausen: Auf einem Wanderparkplatz an der Granatstraße/Ecke Rekener Straße entdeckte eine Spaziergängerin am 17. Juni elf 120-Liter-Tonnen mit faulenden Lebensmitteln. Am 22. Juni wurde der Fund von der Stadt öffentlich gemacht. 

SPROCKHÖVEL: Auch in Sprockhövel an der Grenze zu Witten wurden 14 Tonnen mit gammeligen Lebensmitteln gefunden, sagte ein Sprecher des Ennepe-Ruhr-Kreises am Mittwoch. Am Donnerstagmorgen haben Mitarbeiter des zuständigen Entsorgers sich die Sauerei genauer angesehen: Bei den Abfällen handelt es sich um Gemüse, aber auch verpacktes Fleisch ist dabei. Da die Tonnen auf einem privaten Grundstück abgeladen worden sind, muss der Eigentümer die Entsorgung anleiern. Auch die Kosten muss er zunächst übernehmen. Das zuständige Umweltamt prüft nach Informationen von Donnerstag, eine Anzeige gegen Unbekannt bei der Polizei zu erstatten.

WITTEN: Am Donnerstagmorgen wurde ein weiterer Fall bekannt: In Stockum haben die Täter zehn Tonnen mit ranzigem Fleisch und alten Lebensmitteln abgekippt. 

Rätselraten: Wer ist für die Taten verantwortlich?

Vermutlich gibt es einen Zusammenhang zwischen den Taten. Doch sicher ist das noch nicht. Polizei und Ordnungsämter ermitteln, auch der Entsorgungsbetrieb EUV in Castrop-Rauxel bietet seine Hilfe an. Laut EUV hätten die Fabrikationsnummern an den Mülltonnen zu den Verursachern führen können - doch die sind offenbar nicht mehr lesbar.

Juristisch handele es sich - unabhängig davon, wie hoch die Entsorgungskosten ausfallen werden - bei jeder Tat wahrscheinlich "nur" um eine Ordnungswidrigkeit, sagte ein Sprecher der Polizei im Kreis Unna. 

Aufgrund der schieren Masse an Müll ist davon auszugehen, dass mehrere Täter beteiligt sind. 

Spezial-Team mit Schutzanzügen entfernt gammelige Lebensmittel

In Castrop-Rauxel entfernten am Mittwoch Mitarbeiter des Ickerner Abfall-Entsorgers Lobbe die ranzigen Speisereste. Die Bergung gestaltete sich wegen der extremen Hanglange, an der die Ekel-Ladung hinunter geworfen worden war, als sehr schwierig. „Das ist hier schon extrem“, räumte Niederlassungsleiter Willibald Hering vor Ort im Gespräch mit unserer Redaktion ein.

Die mit Ganzkörperschutzanzügen, Mundschutz und Handschuhen ausgerüsteten Arbeiter füllten die Ekelmasse wieder in die ausgekippten Tonnen  ein und zogen diese dann mit Hilfe eines Kunststoffseiles, wie es Bergsteiger benutzen, den Abhang hoch. Anschließend wurden die 240-Liter-Gefäße in einen bereitstehenden Containerwagen verbracht.  Nach Angaben von Hering wird das Material nach der Bergung zum auf die Lebensmittelentsorgung spezialisierten Recklinghäuser Unternehmen Bolz gebracht. Einen solchen Auftrag hat Willibald Hering noch nie in seiner Berufslaufbahn erledigen müssen: „Das ist eine schlimme Arbeit hier“, zog er Bilanz. Sie sollte noch im Laufe des Tages beendet sein.

Auf dieser interaktiven Karte haben wir die Fundorte eingezeichnet.

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