Nokia: "Weiter Druck von oben"

CASTROP-RAUXEL Die Stückzahl muss nach wie vor stimmen bei Nokia. "Druck von oben gibt es immer noch", sagt Kerstin S. (Name geändert). "Woher aber", fragt die 39-Jährige, "soll man die Motivation noch nehmen?" Lesen Sie hier.

von Von Peter Wulle

, 08.02.2008, 18:29 Uhr / Lesedauer: 1 min
So bunt wie der Schichtplan, so flexibel muss Kerstin S. sein. Wechselschichten sind für die Montiererin selbstverständlich. Dennoch geht Nokia bald nach Rumänien.

So bunt wie der Schichtplan, so flexibel muss Kerstin S. sein. Wechselschichten sind für die Montiererin selbstverständlich. Dennoch geht Nokia bald nach Rumänien.

Schicht für Schicht bestückt sie 3000 Leiterplatten. Das sind die elektronischen Kernstücke eines Handys. Im Sommer, darauf ist die Montiererin gefasst, ist damit Schluss. Nokia schließt das Werk und sie wird mit 83 anderen Castrop-Rauxelern arbeitslos. Mit Namen möchte sie dennoch nicht in der Zeitung stehen. "Einen klitzekleinen Funken Hoffnung, dass es doch noch weitergeht, hat man ja", sagt sie.

Seit 1994 ist Kerstin S. Nokianerin. 2000 Euro netto bringt sie nach Hause. Im Wesentlichen ist es dieses Geld, von dem ihre vierköpfige Familie lebt. Dafür arbeitet die Mutter von zwei Kindern in Wechselschichten und macht an Wochenenden Sonderdienste. "Seit Jahren", berichtet Kerstin S., "arbeiten wir sehr flexibel, was für viele Mütter schwierig ist. Die Familie muss schon zurückstehen.""Das war ein Riesengeheule"

Klaglos hat Kerstin S. das neue Schichtmodell vor vier Jahren hingenommen. Die Dauernachtschicht, die sie bis dato machte, war dem Unternehmen angeblich zu teuer geworden. Umso entsetzter war sie, als die Nokia-Führung trotz einer engagierten Belegschaft und riesiger Gewinne die Werkschließung verkündete: "Das war ein Riesengeheule."

Noch hat sie keine Kündigung bekommen. Im März aber, so fürchtet Kerstin S., wird es wohl so weit sein. In Castrop, sagt sie, werde sie wohl nicht bleiben können. "Ich hab ja keinen gelernten Beruf, da wird's im Ruhrgebiet schwierig, etwas Neues zu finden." Vielleicht geht etwas in Holland. Jedenfalls überlegt sie, mit ihrer Familie an die Grenze zu ziehen. Vorher aber wird Kerstin S. noch etliche tausend Nokia-Handys mit fertigen.

Lesen Sie jetzt