Zufall oder Kalkül? Direkt vor der Wahl kommen die guten Nachrichten

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Kurz vor der Bürgermeister-Stichwahl in Castrop-Rauxel gibt es mehrere Nachrichten, die dem amtierenden Bürgermeister Rajko Kravanja gut zu Gesicht stehen. Kalkül oder Zufall? Ein Kommentar.

Castrop-Rauxel

, 26.09.2020, 14:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Ende der Woche hatte für Rajko Kravanja und die Pressestelle der Stadtverwaltung ein Füllhorn an spektakulären Nachrichten parat: Der amtierende Bürgermeister, der am Sonntag in der Stichwahl um sein Amt gegen Oliver Lind (CDU) antritt, konnte sich bei zwei Terminen und einer Nachricht aus der Verwaltung in hellem Lichte sonnen.

Die Tartanbahn am Sportplatz Uferstraße ist wieder intakt: Sie wurde erneuert, nachdem es dort große Abnutzungsschäden gegeben hatte. Kravanja ließ sich bei der symbolischen Freigabe fotografieren wie ein Leichtathlet kurz dem Start des Sprints. Mit Vollgas ins Vergnügen: Bahn frei, liebe Sportler!

Und dann waren da noch die Millionen-Projekte: Zum einen entsteht auf der Freifläche zwischen B235 und EvK der Gesundheitscampus, der mindestens 130, vielleicht bis zu 250 neue Arbeitsplätze nach Castrop-Rauxel bringen soll. Ein Investor baut hier für 50 Millionen Euro. Donnerstag traf sich Kravanja mit ihm und dem EvK-Chef auf der Baustelle. Es entstand ein Foto mit schönen Plänen.

Zum anderen kam die Nachricht, dass die Stadt die große Freifläche ein paar Hundert Meter weiter nördlich an der Ecke Klöcknerstraße gekauft hat. Bei einem Bieter-Wettstreit bekam sie den Zuschlag. Kravanja schwebt vor, hier einen Kunstrasen-Fußballplatz für drei Vereine, einen zentral gelegenen Recyclinghof und eine Haupt-Feuerwache zu bauen. Das nächste Zig-Millionen-Zukunfts-Projekt. Eines, das mit vielen Hoffnungen vieler Sportler und Feuerwehrleute verbunden ist.

Eigentlich sind Bauen und Stadtentwicklung die Stärke von CDU-Kandidat Oliver Lind. Er war der Mann mit dem Bauhelm auf den Wahlplakaten. Er spielte bei diesen Terminen und Verlautbarungen aber keine Rolle. Ist ein Schuft, wer Rajko Kravanja unterstellt, dass diese Termine genau so und genau jetzt kamen?

Verhalten ist nicht illegal

Klar ist: Dass der Bürgermeister sich so in Szene setzt, ist nicht illegal. Es ist die Stadtverwaltung, die die Sanierung des Platzes an der Uferstraße zu verantworten hat. Es ist die Stadt, die das Gelände an der Klöcknerstraße kauft. Und der erste Repräsentant der Stadt ist Rajko Kravanja als amtierender Bürgermeister – übrigens auch über die Stichwahl hinaus bis zur Einführung des neuen (oder alten) Stadtoberhaupts.

Genauso bleibt aber ein Beigeschmack. Denn natürlich gibt es zum einen vergleichbare Projekte, die ebenfalls schon vor der Wahl hätten beendet sein sollen, bei denen es die Stadt aber eben nicht rechtzeitig geschafft hat, sie zu einem guten Ende zu bringen – ein Beispiel ist die Renovierung der Sporthalle des Adalbert-Stifter-Gymnasiums. Auf die Baustelle dort hat sich Rajko Kravanja in der Woche vor der Wahl nicht gestellt.

PR-Termine wären nicht nötig gewesen

Zum anderen: Zumindest auf den künftigen Gesundheitscampus hätte sich Kravanja auch schon vor Wochen stellen können, um über dessen Zukunftsaussichten zu sprechen – aber vielleicht hätten die Wählerinnen und Wähler das dann eher vergessen.

Was bleibt? Rajko Kravanja hätte es nicht nötig gehabt, diese PR-Termine noch kurz vor der Stichwahl zu organisieren. Aufrichtiger wäre es gewesen, erst kommende Woche an die Öffentlichkeit zu gehen. Nach dem Motto: Seht her, wir haben was erreicht, und ich musste es eben nicht vor der Wahl erzählen.

Die Castrop-Rauxelerinnen und Castrop-Rauxeler können sich nämlich so oder so freuen. Sie werden mehrheitlich von den guten Nachrichten profitieren oder zumindest keinen Nachteil erleiden. Egal, ob sie die Nachricht gestern oder kommende Woche erhalten hätten.

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