Die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf den Weltmarkt bekommt Jens Reiter schon länger zu spüren. Seit Mitte diesen Jahres hat er mit Lieferverzögerungen zu kämpfen. © Carlotta Vogelpohl
Rohstoffmangel

Ob Schuhe oder Winterkleidung: Lieferengpässe bei Castrop-Rauxeler Händlern

Den Textil- und Schuhgeschäften geht in Deutschland die Ware aus. Auch Castrop-Rauxeler Modegeschäfte beklagen Lieferengpässe. Und das kurz vor dem Weihnachtsgeschäft.

Kurz vor dem wichtigen Weihnachtsgeschäft sehen sich Teile des deutschen Markts mit Lieferengpässen, Rohstoffmangel und Preiserhöhungen konfrontiert. Auch die Modebranche leidet und klagt über fehlende Ware. Auch in Castrop-Rauxel.

Verspätungen von bis zu zwei Monaten

Um kurz nach 10 Uhr an diesem Freitagmorgen (22.10.) schleppt ein Postbote ein großes Paket in den Laden von Jens Reiter. „Das sind wahrscheinlich die Damen-Winterjacken“, erklärt der Inhaber von Reiter Fashion. Doch richtig erfreut scheint Reiter über die Bestellung nicht zu sein. Die Ware komme zwei Monate zu spät und vollständig sei sie wahrscheinlich auch nicht, erklärt er.

Lieferengpässe dieser Art bekommt Jens Reiter schon seit einigen Monaten zu spüren. Es sei zunehmend schwer, Ware bis zum Ende des Jahres nachzubestellen oder gar überhaupt etwas von der Saisonkleidung zu ergattern. Auch einfache Polo-Hemden, die es auf dem Markt sonst immer im Überfluss gebe, seien plötzlich nicht mehr erhältlich, beklagt der Ladeninhaber.

Dem Geschäft Grosse-Kreul ergeht es ähnlich. „Es fehlt an allen Ecken und Enden“, beschwert sich Inhaber Jens Grosse-Kreul. Auch seine Ware komme aktuell erst immer um die zwei Monate später an, so der Inhaber.

Sneaker werden knapp

Die Schuh-Produktion sei besonders von den aktuellen Bedingungen des Weltmarkts betroffen. „Aktuell habe ich überhaupt keine neuen Sneaker im Laden, berichtet Jens Reiter. Grund dafür ist der Herstellungsort.

Ein Großteil der Turnschuhe wird nämlich in Südvietnam hergestellt. Dort sind die Corona-Zahlen aktuell hoch, aber die Impfquote ist gering. Deshalb hat die Regierung dort viele Fabriken geschlossen oder die Anzahl der Arbeitskräfte stark reduziert.

Auch der Handelsverband Textil (BTE) begründet Lieferengpässe anderer Waren mit dem Produktionsort. So sei insbesondere der Niedrigpreisbereich von Lieferengpässen betroffen, da die Ware in Fernost produziert würde.

Lieferengpässe betrifft Mehrheit der Branche

Von der Mangelwirtschaft sind nahezu alle Textil, Schuh und Lederwarengeschäfte in Deutschland betroffen. Eine Branchenumfrage der Handelsverbände Textil, Schuhe und Lederwaren hat ergeben, dass lediglich fünf Prozent der Unternehmen keinerlei Ausfälle oder Verzögerungen bei Herbst- und Winterware registrieren. „Bei einem Viertel der Textil-, Schuh- und Lederwarenhändler fehlen aktuell sogar 20 bis 40 Prozent der Herbst- und Winterware“, berichtet BTE- Sprecher Axel Augustin.

In der Konsequenz hätten die Betriebe teilweise mit Umsatzausfällen zu kämpfen. „Mehr als ein Viertel der Unternehmen verzeichnet sogar zweistellige Einbußen“, so Augustin. Fast die Hälfte meldet Umsatzrückgänge von bis zu 10 Prozent. Nur rund ein Viertel der Textil-, Schuh- und Lederwarenhändler registriere aktuell keine Einbußen, weil die Kunden andere Produkte kaufen.

Preissteigerungen im Weihnachtsgeschäft?

Im Gegensatz zu anderen Branchen sind die Preise im Modegeschäft weiterhin weitestgehend stabil. „Denn ein Großteil der aktuell angebotenen Ware wurde bereits im Frühjahr 2021 bestellt, so dass die derzeitigen Preiserhöhungen im weltweiten Beschaffungsmarkt noch keine oder nur geringe Auswirkungen haben“, erklärt Augustin.

Frühzeitig Geschenke kaufen, sollten die Kunden der beiden Modegeschäfte aber trotzdem, finden die Ladeninhaber. Im Angesicht der Warenknappheit und Lieferverzögerungen sei das aktuell nur sinnvoll.