Unter Gestrüpp und umgestürzten Baken verbirgt sich ein Baumstumpf. Gleich zwei große Bäume waren an dieser Straßenecke in Obercastrop umgekippt, als Sturmtief Bernd über die Stadt hinwegfegte. © Rebekka Wölky
Sturm Bernd

Obercastroper ärgern sich über Zustände: Seit dem Tornado nichts passiert

Obercastrop sehe schäbig aus, beschweren sich Anwohner. Sturmtief Bernd habe den Zustand der Gegend um die Kreuzstraße noch verschlechtert. Die Schäden sind immer noch nicht ganz behoben.

Drei Monate ist es her, dass Sturmtief Bernd und mit ihm ein kleiner Tornado über Obercastrop hinwegfegten. An der Kreuzstraße riss der Sturm mehrere Bäume um, an der Gabelung zum Grünen Weg sind von zwei riesigen Exemplaren noch flache Stümpfe übrig.

Die Kronen und der Großteil der Stämme wurden kurz nach dem Sturm entfernt. Seitdem sei an dieser Stelle aber nichts mehr passiert, erzählt ein Anwohner, der nicht namentlich genannt werden möchte. Er berichtet, dass die Windhose am Abend des 14. Juli nur 150 Meter von seinem Haus entfernt gewütet habe.

Sie beschädigte Autos und Dächer. Mülltonnen wirbelten über die Straße. Ein Dach wurde so aufgerissen, dass die darunterliegende Wohnung vorerst nicht mehr bewohnbar war.

Absperrung ragt auf die Straße

Die zwei Baumstümpfe an der Kreuzstraße – ein Andenken an diesen Schrecken – sind heute von Gras und Gestrüpp überwuchert. Es wächst ungebremst in den Baumscheiben, die ziemlich weiträumig mit rot-weißen Baustellenbaken abgesperrt sind.

Den Kreuzungsbereich Kreuzstraße / Grüner Weg in Castrop-Rauxel kann man wegen der Absperrung und eines versetzten Kleidercontainers nicht mehr gut einsehen.
Den Kreuzungsbereich Kreuzstraße / Grüner Weg kann man wegen der Absperrung und eines versetzten Kleidercontainers nicht mehr gut einsehen. © Rebekka Wölky © Rebekka Wölky

Die Baken stehen teils auf dem Gehweg, teils im Kreuzungsbereich der Straßen. Am Dienstagvormittag (12.10.) waren außerdem mehrere umgestürzt. „Mit einem Kinderwagen kommt man an dem Wildwucher nicht vorbei. Und verkehrssicher ist es für Autofahrer auch nicht“, sagt ein weiterer Anwohner, der namentlich auch nicht genannt werden möchte.

Weil die Baken auf dem Gehweg so viel Platz einnehmen, musste ein Kleidercontainer versetzt werde. Er steht jetzt direkt neben dem Straßenschild an der Kreuzung. Beim Rechtsabbiegen in den Grünen Weg ist die Sicht stark eingeschränkt.

„Obercastrop ist in schlechtem Zustand“

Niklas Hünnemeyer, ebenfalls Anwohner der Kreuzstraße, spricht auch davon, dass der durch die umgekippten Bäume angehobene Bürgersteig bis heute nicht repariert ist. Er sieht im Zustand der Kreuzstraße ein grundsätzliches Problem.

„Seit Jahren verkommt der Stadtteil Obercastrop immer mehr. Früher war es nur das unbewohnte Problemhaus, mittlerweile sieht der ganze Bereich schäbig aus, was die Windhose vor einigen Monaten noch deutlich verschlimmert hat“, sagt er.

Bei dem „unbewohnten Problemhaus“, von dem er spricht, handelt es sich um das seit Jahrzehnten verfallende Mehrfamilienhaus an der Kreuzstraße 54. Direkt gegenüber der abgesperrten Baumscheiben.

„Was soll hier passieren? Und wann?“, fragen sich die Obercastroper, mit denen wir sprachen. Ob die Baumscheiben neu bepflanzt werden sollen, wissen sie nicht. „Man darf doch erwarten, dass die Sturmschäden vernünftig behoben werden“, meint der Anwohner, der anonym bleiben möchte. Er zahle schließlich seine Steuern.

Die Bäume werden ersetzt

Eine Anfrage bei der Stadt Castrop-Rauxel ergibt: Beide Baumscheiben sind in städtischem Besitz. Zuständig sei der Bereich Stadtgrün und Friedhofswesen der Stadtverwaltung, erklärt Stadt-Pressesprecherin Maresa Hilleringmann. Und so chaotisch, wie es jetzt ist, soll es an der Kreuzung nicht mehr lange bleiben.

Die Baumscheiben würden noch ordentlich ausgefräst, außerdem wolle der Bereich Stadtgrün an beiden Stellen neue Bäume pflanzen, sagt Hilleringmann. Bis es soweit ist, müssen Anwohner von Kreuzstraße und Grünem Weg aber noch den Winter abwarten. Gepflanzt werde erst etwa im Frühjahr.

Über die Autorin
1997 in Dortmund geboren. Dort seit 2017 für die Ruhr Nachrichten im Einsatz. Habe die Stadt dabei neu kennen und lieben gelernt. Mag die großen und kleinen Geschichten um mich herum, Bücher, schreiben und fotografieren.
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Rebekka Antonia Wölky