OGS-Regelung in Frohlinde sorgt für Ärger

Lindenschule

Der Erlass des NRW-Schulministeriums zum Offenen Ganztag (OGS) besagt, dass Kinder an fünf Tagen verpflichtend teilnehmen müssen – Wahlmöglichkeiten für Eltern gibt es nicht. Doch die Lindenschule in Castrop-Rauxel macht eine Ausnahme. Das schmeckt nicht allen Beteiligten.

CASTROP-RAUXEL

, 04.02.2017, 06:22 Uhr / Lesedauer: 2 min
OGS-Regelung in Frohlinde sorgt für Ärger

Der OGS-Betrieb der Lindenschule sorgt für Ärger

95 OGS-Plätze bietet die Lindenschule im Castrop-Rauxeler Ortsteil Frohlinde an. Wer sein Kind dort anmeldet, kann wählen, ob es vier oder fünf Tage die Woche die OGS besucht. Das bestätigt OGS-Leiter Timo Drescher auf Anfrage unserer Redaktion.

„So kommt die Stadt den Eltern ein Stück entgegen“, sagt Drescher. Einmal in der Woche dürfe das Kind schon um 14 Uhr abgeholt werden oder gar nicht kommen. „Bei der Anmeldung muss das geklärt werden,“ sagt Drescher. „Alleine schon wegen der Essensplanung.“ Dass die Kinder die restlichen Tage bis 15 Uhr bleiben, egal ob an vier oder fünf Tagen die Woche, sehen die Verträge aber vor.

Der Stadt als Träger der OGS ist das Vorgehen nicht bekannt. „Die Stadt Castrop-Rauxel schließt ausschließlich Verträge über fünf Tage ab“, sagt Stadtsprecherin Nicole Fulgenzi auf Anfrage. „Bei anstehenden Arztbesuchen oder ähnlichem kann ein Kind im Einzelfall natürlich früher abgeholt werden.“

Entscheidungen im Einzelfall

An der Waldschule in Rauxel wird der Erlass strikt umgesetzt. „Die Formulierung im Erlass ‚In der Regel‘ hört sich flexibel an, ist aber auch durch weitere Vorgaben konkretisiert“, sagt Schulleiterin Elfi Streicher. „Jede Ausnahme für die Nichteinhaltung der Besuchsdauer muss im Einzelfall entschieden werden, und darf auch nicht bedeuten, dass ein Kind regelmäßig an einem Tag der Woche die OGS gar nicht besucht.“

Dass die Lindenschule eine Ausnahme gewährt, bezeichnet Streicher als unfair. Es ginge da nicht nur um den finanziellen Nachteil, durch eventuelle Kürzung der Landesmittel, sondern auch um den Arbeitsaufwand. „Wenn von 100 Kindern einige nur vier Tage die Woche kommen, würde ich mich als OGS-Kraft an einer anderen Schule benachteiligt fühlen“, so Streicher.

Auch die Junge Union (JU) kritisiert den Erlass des Schulministeriums. „Der Offene Ganztag ist für viele Eltern eine wichtige Option und sollte ihnen Flexibilität ermöglichen, sowie dabei helfen, Berufs- und Familienleben zu vereinen“, sagt Robin Mainz, Castrop-Rauxeler Vorsitzender der JU. Er appelliert an die Stadtverwaltung, mehr auf die Landes- und Bezirksregierung einzuwirken, um eine „Lösung mit dem Elternwunsch im Mittelpunkt zu erzielen“. Denn nur so könne „die Balance zwischen Schulalltag und dem ebenfalls für die Entwicklung des Kindes wichtigen Familienleben erhalten bleiben“, ergänzt die stellvertretende Vorsitzende Yasemin Dittrich.

Alternativen

Schulleiterin Elfi Streicher widerspricht dem. Die OGS sei schließlich so konzipiert, dass es nicht um die reine Betreuung der Kinder ginge, sondern „das nachmittägliche Angebot die schulische Arbeit am Vormittag ergänzen soll“. So soll eine „möglichst umfassende, individuelle Förderung der Kinder gewährleistet werden.“ Dafür sei es unumgänglich, dass die Kinder zuverlässig anwesend seien.

Dass Flexibilität möglich ist, zeigt laut Willi Bols die Elisabethschule. Die folgt nicht dem OGS-Modell, sondern dem Programm „acht bis eins“. „Was die anderen sich wünschen, bietet die Elisabethschule“, sagt Bols. „Die Kinder können (nach Absprache) individuell gebracht und abgeholt werden.“ Seine drei Kinder gingen selbst auf die Elisabethschule. „Wenn ich mal früher frei hatte, konnte ich die Kinder auch früher abholen, und die Freizeit mit ihnen verbringen“, sagt Bols. Dass das ein ziemlich hoher Aufwand sei, sei ihm bewusst. „Aber die machen es, und es funktioniert.“ 

Die OGS- und Schulleitungen in dieser Stadt beklagen unterdessen auch die finanzielle Ausstattung der Offenen Ganztagsschule „Die räumlichen und personellen Ressourcen sind völlig unzureichend“, sagt Elfi Streicher.
Das bestätigt auch Karin Gaudigs, kommissarische Leiterin der Grundschule Alter Garten. „Die Räumlichkeiten sind nicht für 130 Kinder angelegt, also zu klein und es gibt zu wenig Personal.“
Denn der Bedarf an Nachmittagsbetreuung steigt. „Er ist regelmäßig höher als das Angebot“, so Streicher. In diesem Jahr musste die OGS 18 Eltern eine Absage erteilen.

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