Ohne die Europäische Union könnten Landwirte in Castrop-Rauxel nicht wirtschaften

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34 Castrop-Rauxeler haben 2017 Geld aus dem EU-Agrarfonds bekommen. Wer wie viel Geld überwiesen bekommt, ist einsehbar. Wir erläutern, wer am meisten bekommt und wofür im Einzelnen.

Ickern

, 17.05.2019, 11:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Vor wenigen Tagen musste der Antrag fertig sein, für viele ist es eine Wissenschaft und ein großer Verwaltungsaufwand ihn auszufüllen. Die Belohnung gibt es Ende des Jahres, wenn die Europäische Union die Förderung aus dem EU-Agrarfonds überweist.

Die europäische Landwirtschaft wird gefördert, damit sie ihre vielfältigen, über die Nahrungsmittel- und Rohstoffproduktion hinausgehenden Aufgaben für die Gesellschaft unter Weltmarktbedingungen erfüllen kann. Die Fördergelder bieten den Landwirten Sicherheit, um Unwägbarkeiten, wie beispielsweise der Dürre im vergangenen Jahr, und schwankenden Preisen bei den Erzeugnissen standzuhalten.

Alut und Gert Brinkmann vom Biohof Heidbauer haben im Jahr 2017, laut Datenbank der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung, rund 46.000 Euro bekommen - Spitzenreiter in Castrop-Rauxel. Alut Brinkmann zieht im Gespräch im unserer Redaktion diese Zahlen zwar in Zweifel und sagt: „2017 hat man uns 30 Prozent abgezogen und wir haben keine Öko-Prämie bekommen.“ Aber sind bis ins Detail auf der Hompage der Bundesanstalt einsehbar. Die Europäische Union kommt so ihrer Pflicht zur Transparenz nach. Entscheidend ist unter anderem die Fläche - der Biohof Heidbauer umfasst 52 Hektar Fläche und auch die Haltung von „vom Aussterben bedrohter Haustierarten“.

Denn die Brinkmanns halten 250 Ziegen, darunter die bedrohte bunte und weiße deutsche Edelziege.

„Ohne Prämien geht es nicht“

Brinkmanns nehmen außerdem am Reproduktionsprojekt und dem Vertragsnaturschutz teil, auch dafür gibt es Prämien, genauso wie für den Betrieb als Biobauernhof. Die Vergabe der Prämien und die damit zusammenhängende Bürokratie sind verzwickt. Alut Brinkmann: „Wir würden gerne ohne die Prämien klarkommen, das geht aber nicht.“ Das Geld bräuchten sie auf jeden Fall, um wirtschaften zu können.

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Damit das Geld auch wirklich fließt muss aber auch alles seiner geordneten Wege gehen. Neben der Jahreskontrolle veranlasst das Landesamt für Natur- Umwelt- und Verbraucherschutz zwischendurch auch Stichproben. Brinkmann: „Da gibt es immer wieder Beanstandungen.“

Einmal sei der Misthaufen nicht in Ordnung gewesen, einmal hätten die Hühner angeblich nicht genügend Auslauf gehabt, einmal seien die Tierarztkosten zu hoch gewesen. Werden die Dinge nicht in Ordnung gebracht, wird der Geldhahn umgehend zugedreht, beziehungsweise das Geld muss zurückgezahlt werden.

Carl-Enno zu Knyphausen ist Schlusslicht

Alut Brinkmann findet, dass man viel investieren müsse - nicht nur auf bürokratischer, sondern auch auf wirtschaftlicher Ebene, um die Förderungen zu kriegen. Sie wünscht sich ein vereinfachtes Verfahren mit weniger Auflagen und weniger Bürokratie.

Die Landwirte in Castrop-Rauxel bekommen alle unterschiedliche Summen aus dem EU-Agrarfonds. Rund 16.000 Euro gingen 2017 an den Dingebauern, 3000 Euro an Klöckers. Am wenigsten hat 2017 Freiherr Carl-Enno zu Knyphausen mit 2965 Euro bekommen.

Mit seinen Waldflächen profitiert er vom „Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums“. In der Erklärung heißt es: „Mit dieser Maßnahme wird die Aufforstung wie auch der standortgerechte Waldumbau zur Stärkung der Widerstandsfähigkeit und Steigerung des ökologischen Wertes von Wäldern - auch als Beitrag zur Eindämmung des Klimawandels - gefördert. Darüber hinaus wird die Vorbeugung von Schäden durch Waldbrände und Naturkatastrophen wie auch deren Schadensbeseitigung unterstützt.“

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