Ole Jüttners Profession ist das Arbeiten mit Menschen mit Behinderung

Kindergarten Regenbogenhaus

Ole Jüttner ist gerade einmal 21 Jahre alt. Trotzdem hat er sich schon um mehrere Menschen mit Behinderung gekümmert. In Nordirland, in den USA und jetzt auch in Castrop-Rauxel.

Schwerin

, 23.04.2019, 09:00 Uhr / Lesedauer: 3 min
Ole Jüttners Profession ist das Arbeiten mit Menschen mit Behinderung

Ole Jüttner arbeitet als FSJler im Kindergarten Regenbogenhaus. Das Arbeiten mit Menschen mit Behinderung ist seine Profession. © Patrick Radtke

Der erste Kontakt mit Menschen mit körperlicher oder geistiger Behinderung erfordert das Überwinden einer Hürde. Unsicherheit und Unwissenheit führen oft dazu, dass dieser Kontakt gar nicht erst eingegangen wird. Für Ole Jüttner (21) war das nie eine Option.

Denn schon früh in seinem Leben kommt er mit Menschen mit Behinderung in Kontakt. Sein Fachabitur macht Jüttner an der Hiberniaschule in Herne. Um für das Abitur zugelassen zu werden, ist ein Praktikum Pflicht. Das führt ihn in die USA. Sieben Wochen lebt er in New Hampshire, in der Nähe von Boston. „Dort habe ich das erste mal mit Erwachsenen mit geistiger Behinderung zusammengearbeitet“, so Jüttner. Sein Interesse ist geweckt.

Nach der Schule studiert Jüttner Soziale Arbeit, verbringt durch ein weiteres Praktikum fünf Wochen in Nordirland, bricht das Studium aber nach drei Semestern ab. Der theoretische Teil hat ihm nicht so gefallen, in dem Bereich wollte er aber bleiben. „Ich wollte es auf jeden Fall zu meiner Profession machen. Also habe ich gesagt, ich mache lieber eine Ausbildung zum Heilerziehungspfleger“, sagt er. Um dazu aber zugelassen zu werden, braucht er ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ), beziehungsweise 900 Stunden Arbeit in dem Bereich als Qualifikation. „Und deswegen bin ich jetzt hier“.

27 Stunden die Woche, zehn Monate lang im FSJ

„Hier“, das ist der Kindergarten Regenbogenhaus der Evangelischen Gemeinde Schwerin-Frohlinde. Über eine Therapeutin von Clara Wiemann kommt der Kontakt zustande. Die Vierjährige hat eine körperliche Behinderung, sitzt im Rollstuhl und braucht einen Integrativhelfer.

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„Ich habe direkt gesagt, dass ich es machen würde. Und dann ging es schnell“, erinnert sich Jüttner. Nach einer zweitägigen Visitation sagt er zu. Nun findet sein Alltag im Kindergarten statt, 27 Stunden die Woche, zehn Monate lang. Mehr Zeit wurde nicht bewilligt. Danach soll ihn der Weg zum Johanneswerk in Bochum für die Heilerziehungspfleger-Ausbildung führen.

Vielfältige Aufgaben

Oles Tag mit Clara ist vollgepackt. Um acht Uhr geht es los, manchmal auch um sieben. Wenn die Vierjährige angekommen ist, frühstücken die beiden gemeinsam. Das klingt erst einmal entspannt. „Aber ich schaue, dass Clara sich das Frühstück möglichst selbstständig heranholt. Sie soll es versuchen, aber auch selbst fragen, wenn sie merkt, dass sie es nicht schafft. Häufig versucht sie es immer weiter und weiter“, erzählt Jüttner.

Ole Jüttners Profession ist das Arbeiten mit Menschen mit Behinderung

Ole Jüttner und Clara sind ein eingeschworenes Team, obwohl sie erst seit dem 1. April miteinander arbeiten. © privat

Danach geht es in die Bildungsräume. Allerdings sind die in der zweiten Etage. Und richtig gehen kann Clara nicht. Vor allem beim Treppensteigen braucht sie Hilfe. „Ich muss ihr assistieren, das Bein zu setzen und das Knie gerade zu halten, weil es oft einknickt. Da bin ich bei ihr, sie hält sich am Geländer fest und wir gehen zusammen die Treppe hoch“, erklärt der FSJler. Wichtig ist auch, darauf zu achten, dass Clara ihre Füße gerade auf den Boden setzt. Um Clara das Leben zu erleichtern, sammelt der Kindergarten aktuell aber auch für einen Treppenlift für Clara.

In den Bildungsräumen ist Jüttner ebenfalls zur Stelle, wenn Clara Hilfe braucht. „Aber ich lasse sie ganz viel erst einmal ausprobieren und lass sie machen, wie bei jedem anderen Kind auch.“ Manchmal muss Clara auch getragen werden, zum Beispiel wenn es schnell gehen muss, „aber wir wollen dahin kommen, dass sie jeden Weg einmal selbst gehen soll“, so Jüttner.

Spendensammlung

  • Clara Wiemann braucht einen Treppenlift im Kindergarten. Der kostet aber 14.140 Euro, Spenden werden benötigt.
  • Wer spenden möchte, kann dies hier tun:
  • Überweisung mit dem Spendenzweck ev. Regenbogenhaus - Clara
  • IBAN: DE42441600146324018300
  • BIC: GENODEM1DOR

Man sehe schon beim Anheben des Fußes, ob die Vierjährige wieder einsackt oder gerade bleibt. „Auch toll ist es, ihr an der Treppe zu zeigen, wie viel sie geschafft hat und ihre Freude zu sehen. Oder nach einer Phase, in der sie sehr geduldig sein musste, einfach mit ihr Faxen zu machen.“

„Dann ist das einfach schön“

Nicht nur Clara hat sich Ziele gesetzt, auch Jüttner ist ehrgeizig. Clara soll irgendwann so selbstständig wie möglich sein. „Es ist cool, die Erfolge zu sehen. Wie zum Beispiel, wenn sie ein paar Schritte hintereinander richtig gut macht“, freut sich der Herner. „Manchmal ist Clara bockig und hat keine Lust. Aber dann gibt es auch Phasen, in denen sie richtig gut ist.“ Das zu sehen, ist „dann einfach schön“, so Jüttner.

Jüttner gibt Clara das Gefühl, dass es gut ist, was sie macht. Und Clara gibt Ole dieses Gefühl zurück.

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