Organspende: Castrop-Rauxeler Ärztesprecher ist für Aufklärung beim Hausarzt

Organspende

Deutschland braucht dringend mehr Organspender. Wichtig sei es, den Menschen die Angst zu nehmen, sagt Ärztesprecher Dr. Alexander Senge aus Castrop-Rauxel. Wo man einen Spenderausweis bekommen kann.

Castrop-Rauxel

, 13.02.2020, 13:55 Uhr / Lesedauer: 2 min
Organspende: Castrop-Rauxeler Ärztesprecher ist für Aufklärung beim Hausarzt

In Deutschland müssen Personen zu Lebzeiten ausdrücklich zustimmen, wenn sie Organe oder Gewebe nach ihrem Tod spenden wollen. Bald soll es zu einer Veränderung kommen. © picture alliance/dpa

Wer in Deutschland Organe oder Gewebe spenden will, muss dem ausdrücklich zustimmen und dies in einem Organspendeausweis festhalten. Ist dies nicht der Fall, müssen die nächsten Angehörigen die Entscheidung treffen.

Viel mehr Menschen sind bereit Organe zu spenden

Zwar haben laut einer Befragung von der offiziellen Homepage zur Organspende 84 Prozent der Deutschen eine positive Einstellung zur Organspende, jedoch lediglich 39 Prozent haben diese auch dokumentiert.

Damit die mehr als 9500 Patienten, die derzeit auf der Warteliste für Organe stehen, größere Chancen auf eine Transplantation haben, forderte Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) die doppelte Widerspruchslösung.

Demnach wäre jeder Deutsche nach der Geburt automatisch Organspender, es sei denn er widerspreche ausdrücklich.

Bundestag stimmt gegen die doppelte Widerspuchslösung

Der Bundestag debattierte am 16. Januar über die Zukunft der Organspende in Deutschland. Allerdings lehnte er mit 379 zu 292 Stimmen den Antrag des Gesundheitsministers ab.

Organspende: Castrop-Rauxeler Ärztesprecher ist für Aufklärung beim Hausarzt

Die Abgeordneten nehmen an der 140. Sitzung des Bundestages teil. Wichtigstes Thema der Sitzung ist die Abstimmung über neue Organspende-Regeln. © dpa

Der Ansatz des Entwurfs von Jens Spahn sei durchaus gut gewesen, erklärt Ärztesprecher Dr. Alexander Senge aus Castrop-Rauxel. Noch wichtiger sei es aber, den Menschen die Angst zu nehmen, dass ihnen die Organe einfach weggenommen werden.

„Eine generelle Aufklärung ist wichtig. Nur weil jemand beispielsweise für hirntot erklärt wird, würde demjenigen nicht sofort ein Organ für jemand anderen entnommen werden. Da gibt es noch zahlreiche Kontrollen.“

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Im vergangen Jahr ging die Zahl der Spender von 955 in ganz Deutschland etwas zurück und sank auf 923. Dr. Senge vermutet, das komme durch diverse Transplantationsskandale. „Das ist natürlich eine Schande, dadurch kommt Organspende absolut in den Verruf. Sowas darf einfach nicht sein“, erklärt er.

Allerdings könnte sich in Zukunft trotzdem etwas ändern. Eine Gruppe um Grünen-Chefin Annalena Baerbock und die Linke-Vorsitzende Katja Kipping hat einen neuen Vorschlag eingebracht.

Hausärzte sollen über Organspende aufklären

Zukünftig sollen die Ämter mindestens alle zehn Jahre, beispielsweise beim Erstellen eines Personalausweises oder ähnlicher Dokumente, über die Organspende aufklären und auf das Erstellen eines Organspendeausweises hinweisen.

Darüber hinaus sollen auch Hausärzte mindestens alle zwei Jahre ihre Patienten zu diesem Thema informieren. „Hausärzte sind die richtigen Ansprechpartner, das ist absolut richtig“, sagt Alexander Senge. „Sie sind in direktem Kontakt und haben in der Regel eine gute Vertrauensbasis zu ihren Patienten.“

Präventive Maßnahmen an Schulen

Von der Aufklärung durch Behörden und Ämter ist der Ärztesprecher jedoch nicht begeistert. Die Mitarbeiter dort seien kein medizinisch geschultes Personal und hätten auch nicht die nötige Zeit für dieses Thema. „Die Rahmenbedingungen müssen dabei auch passen“, so Senge. Vielmehr seien es die Krankenkassen, die noch einen Teil dazu beitragen können.

Der Castrop-Rauxeler Arzt findet: „Diese neuen Marketingkonzepte mit Prämien, wenn man zum Beispiel Sport betreibt oder regelmäßig zum Zahnarzt geht, sind eine gute Sache. Darüber kann man auch über Organspende aufklären.“

Außerdem seien präventive Maßnahmen an Schule eine gute Idee, um möglichst früh über das Thema Organspende aufzuklären und die Jugendlichen für dieses Thema zu sensibilisieren und aufzuklären.

Organspendeausweis im Rathaus

Unter anderem können die Bürgerinnen und Bürger im Rathaus einen Organspendeausweis bekommen. Dort liegen an mehreren Stellen Broschüren inklusive Ausweis aus, wie eine Sprecherin der Stadt Castrop-Rauxel erklärt.

Außerdem liegen in vielen Arztpraxen Broschüren mit einem Ausweis zum selbstausfüllen aus.

Online ist der Organspendeausweis auf der offiziellen Homepage Organspende-Info.de erhältlich.

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