Die junge Frau, die vor ihm fuhr, war ihm zu langsam. Also bedrängte ein 69-jähriger Pädagoge sie mit seinem Auto und beschimpfte sie auch noch unflätig. Jetzt stand er vor Gericht,

Castrop-Rauxel

, 03.12.2018, 11:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Als die 38-Jährige mit ihrer sieben Monate alten Tochter im März die Bahnhofstraße Richtung Stadtzentrum befuhr, fühlte sie sich von einem anderen Auto arg bedrängt. Obwohl sie vorschriftsmäßig fuhr: 30 Stundenkilometer in den entsprechenden Zonen, ansonsten 50. Weil der Wagen über mehrere Kilometer sehr dicht auffuhr, fühlte sie sich genötigt. An einer roten Ampel soll der Drängler sie zudem mit dem Worten: „Halt die Schnauze, du blöde Kuh“, beleidigt haben, als sie ihn zur Rede stellen wollte. Sie erstattete Anzeige.

Angeklagter gibt die Beleidigung zu

Der Drängler: Ein 69-jähriger promovierter Pädagoge, ein Lehrer. Der die Beleidigung sogar zugab, weil er in Rage gewesen sei ob der Worte, die ihm die Frau an den Kopf geworfen haben soll Altersdiskriminierung sei das gewesen. Die Fahrweise der Zeugin hatte er als Schleichen empfunden. „So 10 bis 15“, meinte er. Und führte als Grund an, dass die Frau ständig mit ihrem Handy beschäftigt gewesen sei, ihn gefilmt habe.

„Stimmt nicht“, sagte die Zeugin, sie habe nur einmal am Engelsburgplatz das Auto des Angeklagten im Rückspiegel fotografiert, um der Polizei gegenüber die Nötigung belegen zu können. Den Besuch der Polizisten, die aufgrund der Anzeige die Personalien des Fahrzeughalters ermittelten und deshalb abends an der Anschrift des Angeklagten erschienen, schilderte dieser wortreich. Empörte sich über deren ruppiges Verhalten.

Polizisten mussten Befragung des Mannes fast abbrechen

Den Beamten erschien dagegen das Verhalten des Angeklagten mehr als merkwürdig. Er habe keinen Ausweis zeigen wollen, nach einem Anwalt oder der Gegenwart von Nachbarn verlangt, auch behauptet, im Besitz von Waffen zu sein. Für den 69-Jährigen Anlass, gegen die Beamten Anzeige zu erstatten. Als die Strafanzeige abgelehnt wurde, klagte er auf Schmerzensgeld, wegen physischer und psychischer Schmerzen. Der Polizist erinnerte sich im Zeugenstand an den Besuch als einen Einsatz, der beinahe abgebrochen werden musste, weil man keine Ruhe ins Gespräch bekam.

Mit Ruhe und Umsicht betrachteten Staatsanwaltschaft und Richter die Vorfälle. Sie unterbreiteten dem ehemaligen Lehrer und seinem Anwalt einen Vorschlag zur Güte: Einstellung des Verfahrens gegen eine moderate Geldbuße: 300 Euro für das Kinderhospiz in Datteln. Verbunden mit der Auflage, Anzeige und Schmerzensgeldforderung zurückzuziehen.

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