Parabelkirche - kindgerecht erklärt

Katakomben, Sakristei, Orgel, Turm, Gewölbe und Glockenstuhl - wer sonntags in St. Antonius zur Messe geht, bekommt das nicht zu sehen. Wer Pfarrer Zbigniew Szarata bei einer Ferienführung begleitet, schon. Und das kindgerecht.

06.07.2007, 19:56 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ickern Sobald er von «seiner» Kirche zu erzählen beginnt, gerät Zbigniew Szarata ins Schwärmen. «Sie ist eine Parabelkirche», erklärt er seinen kleinen Zuhörern. Mit dem Begriff können diese aber nur wenig anfangen.

«Oh, das lernt Ihr schon noch in Mathematik», redet der Pfarrer munter weiter und vereinfacht: «Alles ist halb rund gefasst. Merkt Euch das für Günther Jauch.» Der Architekt habe den Baustil konsequent umgesetzt. «So eine Kirche gibt es nur noch in Gelsenkirchen und im Ausland», weiß Zbigniew Szarata.

Kirche ist jünger als der Kölner Dom

Dass die Parabelkirche 1923 bis 1925 erbaut wurde, erfahren die Kinder als Nächstes. Aber der Pfarrer ordnet ein: «Damit ist sie noch jung, der Kölner Dom ist über 750 Jahre alt.» Dass sich die Ickerner Kirche in 80 Jahren verändert hat, zeigt er anhand der Chronik: «Die muss jeder Pfarrer weiterschreiben.»

Genug Vorgeschichte. Im Inneren sieht nun jeder, was mit Parabelform gemeint ist. Hier ist alles halb rund: Fenster, Decke, Bögen. Nachteil des Ganzen ist die schlechte Akustik, berichtet Zbigniew Szarata und singt ein paar Töne. «Alles hallt lange nach und wenn man dann auch noch so schnell spricht wie ich, überschlägt sich die Stimme.» Die Gruppe nickt, das mit der Akustik hat nun jeder verstanden. Dass es vor der ursprünglichen Decke mal ein zweite aus Holz gab auch. Denn wenn der Pfarrer sagt, dass manchmal Holzstückchen von der Decke fielen, weil Holzwürmer sich durchfraßen, dann war das wohl so.

Kinder dürfen Messgwänder und Monstranz sehen

In der Sakristei zieht Zbigniew Szarata schließlich alle Register, zeigt bunte Gewänder und sogar die Monstranz. Nebenan führen ein paar Stufen zu den Katakomben. Toiletten gibt es dort. Einen Heizungsanlage und genügend Stauraum. Zum Beispiel für die Christbaumständer.

Von ganz unten geht es nach ganz oben. Auf der Orgelbühne wird noch einmal Luft geholt und über die Zahl der Pfeifen gegrübelt. 120? 400? «Nein, 2390», sagt der Pfarrer stolz. Vorher hat er erklärt, dass in der Kirche aus Rücksicht auf das teure Instrument immer zwischen 14 und 16 Grad sind.

Schwindelfreie vor! Über Wendeltreppen geht es in die Spitze des 47 Meter hohen Turms. Denn dort warten vier Schwergewichte auf die kleinen Besucher. Bei aller Bewunderung halten diese sich aber schnell die Ohren zu: Dass die Glocken bei leichter Berührung auch leise klingen können, mag zunächst keiner so recht glauben... Julia Grunschel

 

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