Zwei Facebook-Seiten von Parteien in Castrop-Rauxel sind Fakes

rnKommunalwahl 2020

Die Castrop-Rauxeler Parteien nutzen das soziale Netzwerk Facebook zur Kommunalwahl-Werbung. Die meisten Seiten sind seriös. Manche Suche bringt jedoch irreführende Ergebnisse.

Castrop-Rauxel

, 28.08.2020, 11:55 Uhr / Lesedauer: 3 min

Der Kommunalwahlkampf 2020 steht zweifelsohne unter besonderen Vorzeichen. Da ist zum einen die Corona-Krise, die den klassischen Wahlkampf in Sälen, auf Plätzen und an den Haustüren schwer macht. Und da ist zum anderen die Digitalisierung, bei der Parteien ihre Programme, Themen und Thesen auf Internetseiten und Social Media Kanälen kommunizieren.

Vor allem bei jüngeren Wählern spielen die digitalen Plattformen eine entscheidende Rolle, wenn sie sich über Inhalte und Positionen informieren. Das war schon bei der Bundestagswahl vor drei Jahren so, wie eine Studie der Universität Hohenheim belegt.

Welchen Stellenwert Online- oder Social-Media-Kampagnen haben, zeigt der Blick über den Atlantik. Bei den Präsidentschaftswahlen in den Vereinigten Staaten investieren Kandidaten, Parteien und ihre Sponsoren riesige Summen in diese Digital-Kampagnen. Aus den USA kommen in dem Zusammenhang auch immer wieder Meldungen über so genannte „Fake News“ – also zumeist bewusste Falsch-Informationen.

Suchfunktion führt zu den Seiten der Parteien

Nun ist Castrop-Rauxel von den USA weit entfernt. Und gleiches gilt wohl für die finanziellen Dimensionen. Aber auch die Parteien und Initiativen, die für Stadtrat und Kreistag kandidieren, nutzen Social Media – vor allem Facebook, das reichweitenstärkste Netzwerk.

Jetzt lesen

Facebook-Nutzer werden über das Suchfenster schnell fündig. Wer den Namen der jeweiligen Partei und „Castrop-Rauxel“ eingibt, dem öffnet sich eine Liste mit Seiten und einzelnen Einträgen.

Bei den bundesweit agierenden Parteien ist die Sache eindeutig: Wer nach SPD, CDU, Grüne, FDP oder Linken sucht, findet Facebook-Seiten der jeweiligen Stadtverbände. Sie sind durch ein Impressum und Kontaktdaten eindeutig zu verifizieren. Gleiches gilt für die lokal auftretende Freie Wähler Initiative (FWI).

Das User-Interesse reicht von 24 Likes (Die Linke) über 200 (FDP) bis zu 604 (SPD). In diesem Spektrum bewegen sich CDU (427), Grüne (195) und FWI (36).

Stadtverband der UBP hat keine eigene Facebook-Seite

Anders ist das bei der Unabhängigen Bürger-Partei (UBP). Wer „UBP Castrop“ in die Facebook-Suchfunktion eintippt, erhält als ersten Listeneintrag „UBP Castrop-Rauxel“ und als zweiten „Unabhängige-Bürger-Partei“ – ohne den Ortsvermerk.

Jetzt lesen

Dieser zweite Eintrag verweist auf die Seite des UBP-Kreisverbandes – und ist der richtige, um sich über Themen und Thesen des Castrop-Rauxeler Stadtverbandes zu informieren. „Wir haben keine eigene Facebook-Seite“, erklärt Thomas Schmidt, UBP-Fraktionsvorsitzender im Castrop-Rauxeler Stadtrat. „Wir machen nebenberuflich Politik, da hat keiner die Zeit, sich um Social Media zu kümmern.“

19 Likes zählt jene Facebook-Seite, die sich „UBP Castrop-Rauxel“ nennt. Auf den ersten Blick ähneln Farbe und Schrift der Wort-Bild-Marke der Partei. Aber es ist eben doch eine Fake-Seite, wie sich beim Anklicken des Links herausstellt. Denn dann wird der volle Name der vermeintlichen UBP sichtbar: „Unglaublich besoffene Politik“, steht da – nicht „Unabhängige Bürger-Partei“.

Das Suchergebnis auf Facebook nach "UBP Castrop": Es zeigt die gefakte Seite auf den Positionen 1 und 3, die Seite des Kreisverbandes auf der Position 2.

Das Suchergebnis auf Facebook nach "UBP Castrop": Es zeigt die gefakte Seite auf den Positionen 1 und 3, die Seite des Kreisverbandes auf der Position 2. © Screenshot

In der Seiteninfo heißt es „Die UBP trinkt sehr gerne und ist gerade auf unklarem Kurs.“ Das war auch in der Suchergebnis-Liste lesbar. Aber, wer achtet da schon so genau drauf? Die User finden auf der gefakten Seite wenige Posts. „Die AfD tritt nicht an. Damit sind wir die einzige, legitime, rechtsradikale Alternative!“, lautet etwa einer vom 23. Juli.

Fake-Seite hat wenig Inhalte

Thomas Schmidt sagt: „Ich bin da relativ schmerzfrei. So etwas zu ignorieren bringt im Zweifelsfall mehr. Soll ich dafür einen Anwalt einschalten?“ Er vermutet hinter der Seite eine gezielte Absicht von Gegnern der UBP. „Fakes sind das eine, persönliche Beleidigungen sind dagegen schon krass“, sagt er.

Nun hat die Fake-Seite nur wenige Freunde und Inhalte. Gefährlicher im Sinne politischer Meinungsbildung wird es, wenn der Betreiber der Seite auf anderen öffentlichen Seiten Kommentare schreibt. Die werden der vermeintlichen „UBP“ zugeschrieben – überziehen aber selbst die polarisierenden und häufig populistischen Positionen der Unabhängigen Bürger Partei.

Ganz anders gelagert ist der Fall bei der Partei „Die Partei“. Auch hier finden sich auf Facebook zwei Listeneinträge. Beide sind kein Fake. Allerdings ist die reichweitenstärkere Seite veraltet und wird nicht mehr gepflegt. 428 Likes hat die Seite „Die Partei Castrop-Rauxel“.

Die Partei macht Wahlkampf auf neuer Facebook-Seite

Sie hat ein Impressum und verweist auf den Ortsverband. Den gibt es derzeit aber gar nicht. „Der Ortsverband ist wegen Nicht-Tätigkeit vom Landesparteitag aufgelöst worden“, erklärt Spitzenkandidat Andreas Kemna auf Anfrage. „Die Seite ist stehen geblieben und auf meine Anfragen bekomme ich keine Antworten.“

Andreas Kemna ist Spitzenkandidat der "Partei" in Castrop-Rauxel.

Andreas Kemna ist Spitzenkandidat der "Partei" in Castrop-Rauxel. © Kemna

Kemna ist Mitglied im Kreisverband Recklinghausen. Ein Ortsverband soll nach der Kommunalwahl neu gegründet werden. Wahlkampf betreibt „Die Partei“ in Castrop-Rauxel derweil über eine neue Facebook-Seite. Sie trägt den gleichen Namen wie die bisherige.

Bei der Suche nach "Die Partei Castrop" zeigt Facebook die aktuelle und die alte Seite der örtlichen Partei sowie die Seite des Stadtverbandes aus Dortmund.

Bei der Suche nach "Die Partei Castrop" zeigt Facebook die aktuelle und die alte Seite der örtlichen Partei sowie die Seite des Stadtverbandes aus Dortmund. © Screenshot

Die Seite mit 85 Likes zeigt als Profilbild in den Stadtfarben das Muster des Strategiespiels „Drei gewinnt“ – auch als „Tic-Tac-Toe“ bekannt. Ganz im üblichen Duktus ihrer politischen Thesen heißt es in der Seiteninfo: „Für die endgültige Teilung von Castrop und Rauxel!“ Satire gepaart mit ernsthaften politischen Statements – aber kein Fake.

Lesen Sie jetzt