Pensionärin als Volunteer bei EM in Wien dabei

CASTROP „Ich kann überall helfen, nur nicht dort, wo Blut fließt.“ Ursula Scholz ist 70 Jahre alt und bei der Fußball-EM in Wien im Einsatz. Im Sicherheitsdienst. Blut soll dort angeblich nicht fließen.

von Von Christoph Witte

, 05.06.2008, 06:58 Uhr / Lesedauer: 2 min
Ursula Scholz und Goleo bei der WM 2006. Die damals 68-Jährige ist Volunteer bei der EM 2008 in Wien.

Ursula Scholz und Goleo bei der WM 2006. Die damals 68-Jährige ist Volunteer bei der EM 2008 in Wien.

Persönlich schrieb die Castroperin einen Brief an Dr. Theo Zwanziger, DFB-Präsident, und bot sich als Volunteer, als freiwillige Helferin, für die Europameisterschaft an.

 „Ich sagte, dass ich gerne mit jungen Leute arbeite und trotz meines Alters noch fit bin und auf keinen Fall als Faktotum auf dem Platz stehen will.“ Beim DFB erinnerte man sich an die rüstige Pensionärin, die schon bei der WM 2006 Tickets am Stadion kontrollierte, und setzte sie auf die Helferliste.

„Ich freue mich jetzt riesig auf die Zeit in Wien. Die Zeit bei der WM hat mich so beflügelt, dass ich unbedingt auch bei der EM dabei sein wollte“, sagt Ursula Scholz. Am Freitag fährt sie mit dem Zug in die österreichische Hauptstadt.

Am Samstag werden die Helfer im Ernst-Happel-Stadion akkreditiert und instruiert, und am Sonntag steht auch schon das erste Spiel zwischen Österreich und Kroatien an.

Keine Angst vor betrunkenen Fans

Nun fährt Ursula Scholz jeden Tag 18 Kilometer Rad, trainiert für das Sportabzeichen und war Feldhandballspielerin, aber im Sicherheitsdienst Aug‘ in Aug‘ mit angetrunkenen Fußballfans, hat sie da keine Angst? „Ach Quatsch, ich bin immer freundlich, aber bestimmt. Außerdem tut einer älteren Dame so schnell niemand etwas.“

Hinzu kommt: Ursula Scholz ist nie allein, sondern hat immer einen Kollegen zur Seite, der die Leibesvisitation vornimmt, während sie Tickets auf ihre Echtheit überprüft. „Körperkontakt habe ich eigentlich nicht, aber schon im Vorfeld der WM habe ich gelernt, wie ich auf die Menschen zugehen soll.“

Wien selber kennt die ehemalige Fachlehrerin für Kurzschrift und Maschinenschreiben „wie meine Westentasche“. War ihre Mutter doch gebürtige Österreicherin. Deswegen nutzt Ursula Scholz den EM-Einsatz auch zum Verwandtenbesuch.

 „So kann ich bei meinen Cousinen unterkommen. Hätte ich in ein teures Hotel gemusst, dann hätte ich mir den Spaß vielleicht noch einmal überlegt.“ Nun wird Ursula Scholz aber beim Finale am 29. Juni erst Karten abreißen und dann vielleicht dem deutschen Team die Daumen drücken.

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