Pläne für Bahnübergang an der Oberen Münsterstraße feiern 40. Geburtstag

rnVerkehrsführung

Er ist seit Ewigkeiten ein Streitpunkt zwischen Stadt und Bahn: der Bahnübergang an der Oberen Münsterstraße. Der muss bekanntermaßen geschlossen werden. Aber schon seit über 40 Jahren.

Castrop

, 09.03.2019, 11:50 Uhr / Lesedauer: 3 min

Ursprünglich beschlossen wurde das bereits mit einer Vereinbarung zwischen Stadt und Deutscher Bundesbahn im Jahr 1974, also vor gut 45 Jahren. Der Ausbau des Altstadtrings sollte von der Deutschen Bahn mitfinanziert werden. Zwei Bahnübergänge, am Wasserwerk und an der Münsterstraße, sollten geschlossen werden.

Vor 40 Jahren dann, am 10. März 1979, stellte man das Projekt „Brücke S-Bahn“ vor. Es sah vor, die Thomasstraße auszubauen und mit einer Brücke über die Gleise der Emschertalbahn mit der Straße am Bennertor zu verbinden.

Gleise hoch, Straße runter

So sollten Autos in die Altstadt kommen, titelte unsere Zeitung an diesem Tag. Zeitgleich war vorgesehen, den Bahnübergang an Oberen Münsterstraße zu schließen, die Bahngleise im Zuge des S-Bahn-Ausbaus um 3 Meter anzuheben. Die Unterführung an der Münsterstraße sollte nur noch für Fußgänger zu nutzen sein. Abgerundet werden sollte das Konzept mit Neubauten am Münsterplatz und an der Oberen Münsterstraße.

Ein Modell aus dem Jahr 1979. Die Thomasstraße (links) und die Straße Am Bennertor sollten über eine Brücke verbunden und zum Einfallstor in die Stadt werden. Das Gebäude am unteren rechten Bildrand ist die Lutherkirche.

Ein Modell aus dem Jahr 1979. Die Thomasstraße (links) und die Straße Am Bennertor sollten über eine Brücke verbunden und zum Einfallstor in die Stadt werden. Das Gebäude am unteren rechten Bildrand ist die Lutherkirche. © Repro: Weckenbrock

Die Gebäude am Münsterplatz sind, den Plänen des Modells von 1979 ähnelnd, errichtet worden. Eine Brücke für den Autoverkehr, die die Thomasstraße mit der Straße Am Bennertor verbindet, sucht der Verkehrsteilnehmer aber genauso vergeblich wie Bahngleise, die über einer Fußgängerunterführung zur Oberen Münsterstraße entlang verlaufen.

Das Bild des Modells aus dem Jahr 1979 zeigt, wie die Planer sich das Projekt S-Bahn-Brücke an der Oberen Münsterstraße vorgestellt hatten. Umgesetzt wurde es nicht.

Das Bild des Modells aus dem Jahr 1979 zeigt, wie die Planer sich das Projekt S-Bahn-Brücke an der Oberen Münsterstraße vorgestellt hatten. Umgesetzt wurde es nicht. © Rerpro Weckenbrock

Die vereinbarte Schließung des Bahnübergangs am Bahnhof Castrop-Süd hat es, trotz vielfältiger und mitunter kreativer Planungen, bisher nicht gegeben. Denn auch die Idee, die S4 durch Castrop-Rauxel fahren zu lassen, hat sich nicht durchsetzen können. Demnach gibt es auch keine S-Bahn-Brücke. Zeitweise war selbst der Fortbestand der Linie der Emschertalbahn ungewiss.

Bundesverwaltungsgericht entschied gegen die Stadt

Was es aber gegeben hat, sind Gerichtsprozesse. Denn die Deutsche Bahn besteht bis heute auf der Vereinbarung, dass der Bahnübergang an der Oberen Münsterstraße geschlossen werden muss. Die Stadt konnte dem Sicherheitsaspekt der Trennung von Schienen- und Straßenverkehr folgen, städtplanerisch wäre die Schließung der Oberen Münsterstraße aber unsinnig gewesen. Castrop-Rauxel versuchte, die verordnete Schließung des Bahnübergangs gerichtlich kippen zu lassen, scheiterte damit letztendlich 2008 vor dem Bundesverwaltungsgericht. Kurzum: Der Bahnübergang an der Oberen Münsterstraße muss weg.

Bundesverwaltungsgericht

Urteilsbegründung zum online nachlesen

Das Urteil des Bundesverwaltungsgericht vom 13. September 2009 beendete den jahrelangen Rechtsstreit zwischen Bahn und Stadt. Zugunsten der Deutschen Bahn. Die komplette Urteilsbegründung umfasst 50 Punkte und kann auf der Internetseite des Bundesverwaltungsgerichtes nachgelesen werden.

Ohne Anhebung der Schienen um die ursprünglich angedachten drei Meter, die Aufgrund des Widerstandes von Anwohnern 1996 von der Bahn endgültig ad acta gelegt wurde, musste eine neue Lösung her. Eine, bei der Schiene und Straße getrennt werden. Es gab zwischenzeitlich verschiedene Konzepte für einen Tunnel unter der Bahnstrecke hindurch.

„Gaga-Idee“ mit spanischer Treppe

So war im ersten Jahrzehnt nach der Jahrtausendwende eine Lösung mit 26 Treppenstufen in der Art einer Spanischen Treppe und langen Rampen für Gehbehinderte Menschen im Gespräch. Sie war auch immer wieder in der Kritik. Von einer „Gaga-Idee“ sprach Ludger Vollmer als Kaufmann an der Oberen Münsterstraße im Jahr 2004. Der damalige CDU-Chef Hilmar Claus nannte die Lösung zwar „optisch (...) ansprechend“, aber „für ältere und behinderte Mitbürger kaum oder nicht zumutbar.“

Nach der Niederlage vor Gericht und weiterer Jahre, die ins Land zogen, gab es einen neuen Vorschlag. Eine Planungsskizze, die auch im Bürgerinformationssystem der Stadt zu finden ist, datiert auf das Jahr 2012. Auf diese Planung verweist auch Heiko Dobrindt, Technischer Beigeordneter der Stadt, wenn man nach dem Stand der Dinge am Bahnübergang Münsterstraße fragt. Anstatt mit Rampen und Treppen, sollen Aufzüge den Durchgang von Münsterplatz zur Oberen Münsterstraße barrierefrei machen.

Eine Planungsskizze der der Stadt aus dem Jahr 2012 umreißt, wie es an der Oberen Münsterstraße später aussehen soll.

Eine Fotomontage der Ruhr Nachrichten aus dem Jahr 2003 zeigt, wie die Bahnunterführung vielleicht hätte aussehen können. Man kopierte die Fußgängerunterführung des Altstadtringes, die nur einige hundert Meter entfernt liegt, unter den Bahnübergang an der Oberen Münsterstraße. © Stadt Castrop-Rauxel


Apropros barrierefrei: Die Situation am Haltepunkt Süd ist bekanntermaßen problematisch dadurch, dass der Bahnsteig vor Ort dringend zu sanieren ist - oder besser: umzubauen. Der allgemeine desolate Zustand, die für Menschen mit Gehbehinderung unüberwindbaren Treppenstufen am Steig in Richtung Dortmund und die zu geringe Höhe des Bahnsteiges selbst sind das Problem, verschärft durch die neuen Züge. Die Einstiegshöhe ist stellenweise kaum zu meistern, vor allem für weniger mobile Fahrgäste. Auch das ist nicht neu, sondern seit mindestens zehn Jahren schon bekannt. Hier ist als Eigentümerin die DB Service & Netz gefragt, ein Tochterunternehmen der Deutschen Bahn, die wiederum mit Stadt und Bund zu je einem Drittel für die Schließung des Bahnübergangs aufkommen muss. Der Anteil der Stadt kann dabei vom Land gefördert werden.

Planung bis Mitte der 20er-Jahre

Immerhin: Einen neuen Zeitplan soll es jetzt geben. Für den Umbau der Bahnsteige, bzw. die Verlegung des Bahnsteigs in Richtung Dortmund auf die andere Seite der Oberen Münsterstraße, den barrierefreien Ausbau und die Schließung des Bahnübergangs nebst Tunnelausbau. Ziel ist, bis 2025/26 mit dem Bau fertig zu werden. Kontinuierlich gebe es jetzt Termine, um Planung und Finanzierung voranzutreiben. „Wenn es nach mir ginge, könnte der Umbau mit den Bahnsteigen ruhig vorgezogen werden“, sagt Heiko Dobrindt dazu.

Lesen Sie jetzt