Original und ausgestelltes Werk in der Bürgerhaus-Galerie: Siebdruck und Aquarell sind unterschiedliche Techniken; die Farben gleichen sich auch nicht 1:1. Aber Ähnlichkeiten sind nicht abzustreiten. © Redaktion
Kunstausstellung

Plagiat oder erlaubtes Abmalen? Ausstellung zeigt Werk, das es schon gibt

Ausstellungen wechseln in der Castroper Bürgerhaus-Galerie etwa quartalsweise. Zurzeit sind Werke von Künstlern aus dem Umfeld der Galerie ArtoMondo zu sehen. Ein Bild scheint abgemalt zu sein.

Alex Katz wurde 1927 in New York geboren. Er malt im Siebdruckverfahren im Stile von Pop-Art und modernem Realismus. Vor allem Porträts. 1990 erschien ein Werk in einer Porträt-Reihe zu Ada, seiner Frau. „Ada in White Hat“ heißt das Bild aus 38 Farben, 91×64 Zentimeter groß. Es wurde 2020 über das Auktionshaus Sotheby‘s versteigert. Es hat als eines von acht Bildern in seinem Set einen Marktwert von über 35.000 Euro.

In der Galerie des Bürgerhauses hängen seit Mitte Oktober Werke von Hobby-Künstlern. „Licht und Schatten“ heißt die Ausstellung. Acryle auf Leinwand, Öl- und Wachsgemälde und Aquarelle. Eines heißt „Frau mit Hut“. Es ist 40×50 Zentimeter groß, gerahmtes Aquarell, und wird für 225 Euro angeboten.

Es ist entstanden in einem der Künstler-Kurse des Ateliers ArtoMondo an der Oberen Münsterstraße, Ecke Thomasstraße. Es zeigt eine Frau, die der „Ada“ von Alex Katz verblüffend ähnlich sieht.

Quelle und Inspiration oder Vorlage für eine Kopie?

Katz lebt mit 94 Jahren noch heute in New York. Vermutlich wird es ihn heute nicht (mehr) kratzen, aber doch muss die Frage erlaubt sein: Ist das ein Plagiat, eine Kopie, oder war es nur eine Quelle und Inspiration? Wie viel darf man als Hobby-Künstler vom Werk eines anderen abmalen, wann ist es hinreichend abgewandelt? Und: Was darf man ausstellen und bei Interesse auch verkaufen, was kann man sich selbst in die Wohnung hängen?

Ein Leser, dem das Bild aufgefallen ist, meint gegenüber unserer Redaktion: „Ich denke, diese Inspiration wäre eine Erwähnung im Kontext der Ausstellung wert gewesen. Zumal im Atelier-Schaufenster im ‚Haus Nattmann‘ das Copyright und die Verwertungsgesellschaft Bild-Kunst sehr betont wird.“

Auf der Website des Künstlers heißt es: „If you would like to reproduce any of Alex Katz’s works for any purpose, please contact his copyright and licensing representative.“ Auf Deutsch: Wenn Sie eine der Arbeiten zu irgendeinem Zwecke reproduzieren möchten, kontaktieren Sie bitte seine Vertreter für Lizensierungsfragen. Die Adresse, Telefonnummer, E-Mailadresse sind angegeben.

Was sagt Mary Erzmanneit dazu? Sie betreibt das Atelier und gibt dort nach eigenen Angaben 34 Hobbykünstlern die Möglichkeit, sich unter Anleitung und in Begleitung eines Dozenten einmal in der Woche drei Stunden lang im Atelier zu betätigen und bei der Kunst zu entspannen.

„Das ist nicht üblich“, sagt sie, als sie von uns mit den Bildern konfrontiert wird. „Wir weisen die Teilnehmer immer wieder darauf hin, dass sie nicht abmalen dürfen und sichern unsere Werke selbst über die VG Bild-Kunst ab.“

„Abmalen und kopieren ist verboten!“

Ein Bild müsse, wenn man ein Vorbild benutze, zu 68 Prozent verändert werden, es sei denn, der Künstler sei seit 70 Jahren tot. „Abmalen und kopieren ist verboten!“, so Erzmanneit.

Beim Betrachten der beiden Bilder stellt sie allerdings signifikante Unterschiede heraus: Das eine ein Aquarell, das andere ein Siebdruck. Eher beige und schwarz als weiß und schwarz. „Aber die Gesichtszüge sind eindeutig übernommen, Auge, Nase, Mund. Wenngleich die Proportionen nicht ganz gleich sind, der Hintergrund, die Haare, der Hut auch nicht“, sagt Mandy Erzmanneit. „Eine reine Kopie ist es nicht, aber es ist so auch nicht in Ordnung.“

Bis zum 8./9. November seien die Bilder in der Ausstellung zu sehen. Das eine „Frau mit Hut“ aber wolle sie am Donnerstag (27.10.), wenn das Bürgerhaus wieder geöffnet ist, abnehmen.

Man schule in Farben- und Materiallehre, man spreche aber auch über Kopieren und Plagiate. „Das werde ich meinen Schülern nun aber noch mal sagen und es künftig von allen Schülern unterschreiben lassen: Wenn sie etwas von alten Meisten kopieren, dann nur für den Hausgebrauch.“

Über den Autor
Castrop-Rauxel und Dortmunder Westen
Gebürtiger Münsterländer, Jahrgang 1979. Redakteur bei Lensing Media seit 2007. Fußballfreund und fasziniert von den Entwicklungen in der Medienwelt der 2010er-Jahre.
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Tobias Weckenbrock