Politik ist keine Frage des Alters: So ticken die jüngsten Rats-Kandidaten

rnKommunalwahl 2020

Bei der Kommunalwahl wollen 19-Jährige in den Rat einziehen. Was denken die jüngsten Ratskandidaten? Was wollen sie verändern? Auf diese Fragen haben wir von fünf Jungpolitikern Antworten bekommen.

Castrop-Rauxel

, 20.08.2020, 20:30 Uhr / Lesedauer: 4 min

Im Zuge der Kommunalwahlen wollten wir mit den jüngsten Ratskandidaten der Parteien sprechen. Wir haben sie gefragt, warum sie sich politisch engagieren und welche Themen für sie entscheidend sind. Von den acht Parteien, die sich an der Kommunalwahl beteiligen, haben fünf unsere Fragen beantwortet.

Zur Person:

Fabian Abitz (SPD): 25 Jahre, Stadtinspektor im Stadtplanungs- und Bauordnungsamt Dortmund (Beamter des gehobenen nichttechnischen Dienstes).

Timo Eismann (Die Grünen): 19 Jahre, Student an Universität Duisburg-Essen, Medizinische Biologie. Nebenbei beim Kinder- und Jugendparlament als Projektbetreuer tätig.
Robin Mainz (CDU): 21 Jahre, Fraktionsmitarbeiter der CDU im Rat der Stadt Recklinghausen.
Tom-Jonas Roehl (FDP): 19 Jahre, studiert Jura an der Ruhr-Uni Bochum
Demis Theodorakis (UBP): 27 Jahre, abgeschlossene Lehre als KfZ-Mechatroniker. „Dann entdeckte ich meine soziale Ader und bin seitdem Altenpfleger.“

Demis Theodorakis (UBP)

Demis Theodorakis (UBP) © Demis Theodorakis


Warum geht es den Castrop-Rauxelern besser, wenn Sie im Rat sitzen?

Abitz (SPD): Ich möchte meinen Beitrag dazu leisten, dass C-R die attraktivste und familienfreundlichste Stadt in der Region wird. Wir als SPD haben viele innovative Ideen, z.B. das Bürgerbudget oder das Spielplatzprogramm.

Eismann (Die Grünen): Weil durch mich im Stadtrat auch Jugendliche und junge Erwachsene in meinem Alter vertreten sind und ihre Meinung angehört werden kann.
Mainz (CDU): Ich höre den Menschen zu, verinnerliche das Gehörte und setze mich für einen Dialog zwischen allen Stadtteilen und Generationen ein.
Roehl (FDP): Ich kann die Interessen der jungen Leute vertreten, da ich ja selbst noch jung bin. Der Stadtrat ist insgesamt zu alt, um das qualifiziert tun können. Dort sehe ich meine Stärke.
Theodorakis (UBP): Die UBP ist die konstruktive, sachliche & zukunftsorientierte Partei der „wahren Mitte“. Durch meinen Werdegang kann ich viel zum Profil beitragen

Timo Eismann (Die Grünen)

Timo Eismann (Die Grünen) © Timo Eismann


Was sind im Wahlkampf die entscheidenden Themen für Jugendliche und junge Erwachsene?
Abitz (SPD): Das wichtigste ist, dass sie eine zeitgemäße (auch digitale) Bildung in gut ausgestatteten Schulen genießen können. Zudem muss jede*r einen vernünftigen Ausbildungsplatz erhalten
Eismann (Die Grünen): Das sind ganz klar Zukunftsthemen wie Klima- und Bildungspolitik. Die junge Generation lebt am längsten mit der jetzt beschlossenen Politik.
Mainz (CDU): Ich bin überzeugt, es gilt mehr denn je, junge Menschen davon zu überzeugen, weshalb es attraktiv ist, ihren Lebensweg in Castrop-Rauxel zu beginnen.
Roehl (FDP): Der Ausbau des ÖPNV-Netzes, um das Klima zu schützen und eine gute Alternative zum Auto zu bieten und die Modernisierung und Digitalisierung unserer Bildungseinrichtungen.
Theodorakis (UBP): Die Verschuldung unserer Stadt in den Griff bekommen, um langfristig handlungsfähig zu bleiben. Zudem muss die Integrationspolitik verbessert werden.
Fabian Abitz (SPD)

Fabian Abitz (SPD) © Fabian Abitz


Wie sind Sie zur Politik gekommen? Wann haben Sie angefangen sich für Politik zu interessieren?

Abitz (SPD): Ich bin seit März 17 in der SPD und bin seit der Schulzeit politisch interessiert. Ich habe mich immer mit den Werten und Idealen der SPD identifiziert. Der aufkeimende Rechtspopulismus sorgte dafür, selbst aktiv zu werden.
Eismann (Die Grünen): Ich bin früh im KiJuPa gewesen und auch über mein Engagement bei Fridays For Future bin ich letztlich zu den Grünen gelangt.
Mainz (CDU): Die Chance, Lebensrealitäten zu verbessern, hat mich schon immer begeistert – und genau das ist Politik. Darum engagiere ich mich seit fünf Jahren.
Roehl (FDP): Ich habe schon sehr lange politisches Interesse und bin dann im Frühjahr 2017 in die FDP und die JuLis eingetreten. Das erste Mal engagiert habe ich mich im Bundestagswahlkampf 2017.
Theodorakis (UBP): Für Politik interessierte ich mich schon seit meiner Jugend. Mit 16 trat ich der UBP bei, da ich hier meine Vorstellungen am besten einbringen konnte.

Tom Roehl

Tom Roehl (FDP) © Tom Roehl


Könnten Sie sich vorstellen, hauptberuflich Politiker zu werden?

Abitz (SPD): Eher nein. Es ist schön, die umgesetzten Maßnahmen vor Ort direkt sehen zu können und die Rückmeldungen der Bürger*innen zu erhalten.
Eismann (Die Grünen): Das wäre schwierig, da ich noch keine abgeschlossene Ausbildung / kein Studium habe und somit gar keine Alternative. Prinzipiell ist es natürlich möglich.
Mainz (CDU): Zwar erscheinen mit 21 Jahren noch viele Lebenswege möglich, allerdings habe ich keine konkreten Planungen in diese Richtung.
Roehl (FDP): Ja, weil mir diese Tätigkeit Freude bereitet und weil ich fest daran glaube, in der Politik etwas verändern zu können.
Theodorakis (UBP): Nein. „Berufspolitiker“ machen sich abhängig und erpressbar, wir waren und sind unabhängige Bürger und wollen dieses auch bleiben.
Robin Mainz (CDU)

Robin Mainz (CDU) © Robin Mainz


Mit welchem Ziel ihrer Partei stimmen Sie am wenigsten überein?
Abitz (SPD): Mich stört, dass in der GroKo unsere Ideen durch CDU/CSU verwässert werden oder gar der Union zugeschrieben werden. Wir müssen standhafter bleiben und unsere Erfolge besser vermarkten.
Eismann (Die Grünen): Insgesamt fühle ich mich bei den Grünen wohl. Wenn ich mal nicht einverstanden bin, dann nur mit kleineren Details. Das mache ich dann aber auch deutlich!
Mainz (CDU): Ich glaube es gibt Momente, in denen meine Partei für das eine oder andere digitale Thema noch aufgeschlossener sein könnte.
Roehl (FDP): Die Legalisierung von Cannabis.
Theodorakis (UBP): Im Detail gibt es mal kleine(re) Meinungsunterschiede, aber grundsätzlich stehe ich zu allen Forderungen unserer Partei, die ich z.T. mitentwickelte.

Was entgegnen Sie, wenn Ihnen jemand am Wahlstand sagt: „Sie sind doch noch viel zu jung“?
Abitz (SPD): Politik ist keine Frage des Alters, sondern ein Wettbewerb um die besten Ideen. Ich habe Ideen und bin überzeugt, dass wir das beste Angebot bieten.
Eismann (Die Grünen): Es können kommunal ja auch 16-Jährige schon wählen, wieso sollte man mit 19 Jahren zu jung sein, um ein politisches Mandat auf kommunaler Ebene zu tragen.
Mainz (CDU): Es gibt kein zu jung oder zu alt. Wer das passive Wahlrecht innehat, ist im perfekten Alter für eine Kandidatur.
Roehl (FDP): Jeder fängt bei Null an, egal wie alt. Außerdem habe ich mittlerweile seit fast zwei Jahren als sachkundiger Bürger in diversen Ausschüssen fungiert. Daher traue ich mir dieses Amt durchaus zu.
Theodorakis (UBP): Unser Vorsitzender (Thomas Schmidt, jetzt 40) sitzt im Stadtrat, seit er 24 ist, ich habe 10 Jahre Erfahrung in verschiedenen Ausschüssen gesammelt.

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