Polizei-Taucher stochern im Dunkeln auf der Suche nach der Tatwaffe der Tankstellen-Räuber

rnAbgetaucht im Kanal

Es waren widrige Umstände für die Polizei-Taucher: Die Temperatur lag nahe am Gefrierpunkt, es war stockduster im Wasser, ein Tauchanzug war beschädigt. Es ging um eine Waffen-Suchaktion im Kanal.

Henrichenburg

, 31.01.2020, 16:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Zwei Taucher der Polizei stehen am Steg des Rhein-Herne-Kanals, unmittelbar unter der Brücke am Restaurant Riad Mediterrane in Henrichenburg. Sie sind umgeben von zehn Einsatzkräften, darunter Kriminalkommissare, Polizisten und Sanitäter.

Die zwei Taucher stehen im Mittelpunkt. Um 10.30 Uhr springen sie ins Wasser. Ihr Ziel: Waffen zu finden, mit denen mutmaßlich sechs Raubüberfalle in Castrop-Rauxel und Umgebung begangen wurden.

Das Wassertemperatur liegt bei 4 Grad.

Das Wassertemperatur liegt bei 4 Grad. © Rezek

Die drei verdächtigen Täter, die 20, 23, und 24 Jahre alt sind, sitzen in Untersuchungshaft. Mindestens einer soll ziemlich präzise ausgesagt haben, wo sich die Tatwaffen im Rhein-Herne-Kanal befinden, so Michael Franz. Er ist der Polizeisprecher des Kreises Recklinghausen.

Die Taucher haben mit widrigen Bedingungen zu kämpfen

Der Suchradius ist von den mutmaßlichen Tätern auf zehn Meter eingegrenzt worden. Franz stuft deren Aussagen als glaubwürdig ein, weil es sich um dringend Tatverdächtige handelt.

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Selbst wenn sie tatsächlich die Wahrheit gesagt haben sollten, ist das aber immer noch keine Garantie, dass die Waffen gefunden werden. Denn die Taucher haben mit ziemlich widrigen Bedingungen zu kämpfen.

Der Rhein-Herne-Kanal wird regelmäßig von Schiffen befahren. „Wenn sich eine Schiffsschraube in Waffennähe gedreht haben sollte, könnte die Waffen weggespült worden sein“, sagt Franz.

Die Wassertemperatur ist nah am Gefrierpunkt

Während der Waffensuche wird der Schiffsverkehr nicht gestoppt, aber die vorbeifahrenden Schiffe sind angehalten, langsam zu fahren und ausreichend Abstand zu den Tauchern zu halten. Kontrolliert wird das von der Wasserschutzpolizei in Datteln.

Die Wasserschutzpolizei beobachtet beim Einsatz den Schiffsverkehr.

Die Wasserschutzpolizei beobachtet beim Einsatz den Schiffsverkehr. © Rezek

Die Wassertemperatur liegt bei 4 Grad, während die Außentemperatur 10 Grad beträgt. Eigentlich sollten spezielle Anzüge die Polizei-Taucher weitgehend vor der Kälte schützen. Aber zu allem Überfluss ist einer der beiden Tauchanzüge beschädigt. „Dadurch sickert etwas Wasser hinein, und die warme Luft wird nicht isoliert“, sagt Andre Kunnemeyer, Leiter der Tauchergruppe.

Bei den Temperaturen könnten Taucher maximal 90 Minuten im Wasser bleiben, erklärt er. Aber die Witterung ist nicht einmal die größte Herausforderung an diesem Morgen.

Die Taucher sind unter Wasser blind

Das Wasser ist so schmutzig, dass beide Taucher praktisch blind am Grund tauchen. „Es ist so, als würden sie mit verbundenen Augen nach etwas suchen“, sagt Kunnemeyer und fügt hinzu: „Der Rhein-Herne-Kanal ist eigentlich sauber, aber die Bauarbeiten in der Umgebung führen zur Verunreinigung.“

Die Tauch-Ausrüstung wiegt etwa 45 Kilogramm. Im Wasser neutralisiert sich das Gewicht.

Die Tauch-Ausrüstung wiegt etwa 45 Kilogramm. Im Wasser neutralisiert sich das Gewicht. © Rezek

Aufgrund der Dunkelheit tasten sich die Taucher anhand von Orientierungsleinen von Helfern oberhalb der Spundwand vor. Jeder Bereich wird von den Tauchern zwei Mal abgesucht. Außerdem sind die Taucher per Funk mit den Einsatzkräften am Ufer verbunden.

Die Gefahr schwimmt mit

Gleichwohl ist der Einsatz nicht ungefährlich: „Es könnte sein, dass sich einer der Taucher an einem Fahrrad stößt und dadurch eine Blutvergiftung erleidet. Das ist alles schon einmal passiert“, sagt Kunnemeyer.

Am Freitag gibt es keine Verletzungen. Es ist 11.55 Uhr. Der Einsatz ist nach fast 90 Minuten beendet. Mit ernüchterndem Ergebnis: „Die Taucher haben nichts polizeirelevantes gefunden“, bilanziert Polizeisprecher Michael Franz.

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Ob ein weiteres Mal nach den Waffen gesucht werden soll, steht unmittelbar nach dem Tauchgang noch nicht fest. Dies müsse mit der Staatsanwaltschaft besprochen werden.

So geht es mit dem Verfahren weiter

Zum Verfahrensstand sagt er: „Erst wenn die Ermittlungen abgeschlossen sind, kann eine Anklageschrift verfasst werden und der Fall landet vor Gericht.“ Es bestehe nach wie vor dringender Tatverdacht. Sofern die Waffen bei einem möglichen zweiten Tauchgang gefunden würden, könnte dies bei der Strafbemessung berücksichtigt werden, so Franz. Dies entscheiden in letzter Konsequenz die Richter.

Es sei zwar nicht damit zu rechnen, dass Fingerabdrücke gefunden werden, aber es könnte festgestellt werden, ob es sich um eine scharfe oder eine Schreckschusswaffe handelte. Der Waffenfund wäre ein Puzzleteil im gesamtem Verfahren.

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