Polizeikamera zeichnet Verfolgungsjagd durch Castroper Altstadt auf

Betrunken gefahren

Der Frau fehlt jegliche Erinnerung. Sie kann sich an die Verfolgungsjagd durch die Polizei, als sie unter anderem den Biesenkamp falsch herum passierte, nicht erinnern. Sie hatte 2,5 Promille.

Castrop-Rauxel

, 30.08.2020, 11:55 Uhr / Lesedauer: 2 min
Die stark betrunkene Fahrerin des Kleinwagens fuhr falsch herum durch die Einbahnstraße am Biesenkamp. Sie wird bis mindestens Frühjahr/Sommer 2021 nicht mehr am Steuer eines Autos sitzen.

Die stark betrunkene Fahrerin des Kleinwagens fuhr falsch herum durch die Einbahnstraße am Biesenkamp. Sie wird bis mindestens Frühjahr/Sommer 2021 nicht mehr am Steuer eines Autos sitzen. © Schlehenkamp

Verfolgungsjagd im Gericht: Der Beamer strahlt eine nächtliche Szene aus der Altstadt auf die weiße Wand im Verhandlungssaal. Zu sehen ist ein VW Polo, der durch von Laternen erhellte Straßen saust und dann in den Biesenkamp einschwenkt. Falsch herum in die Einbahnstraße. Aufgenommen von einer Polizeikamera, die dem Pkw folgt. Der wird gestoppt, als ein zweiter Polizeiwagen den Biesenkamp richtig herum befährt und den Weg blockiert.

Am Steuer sitzt eine zierliche Mittvierzigerin. In den folgenden Minuten liefert sie gleich mehrfach Anlass für eine Anzeige: Trunkenheit am Steuer, Beleidigung sowie tätlicher Angriff auf Vollstreckungsbeamte.

Aggressives Verhalten

Die Fahrerin gebärdete sich am Tag des Geschehens äußerst aggressiv, beschimpfte die Beamten mit derben Ausdrücken, widersetzte sich vehement der Kontrolle und wegen ihres wehrigen Verhaltens dem Anlegen der Handschellen. Den Grund lieferte später die Blutprobe: Sie hatte zu diesem Zeitpunkt 2,5 Promille im Blut.

Die Autofahrerin konnte zu diesen Szenen nichts sagen. „Filmriss“, erklärte sie. Sie wisse nur, wie sie die Stunden davor verbracht hatte. Sie war nach einem Pflegschaftsabend in der Schule eines ihrer Kinder mit anderen Müttern eingekehrt. Bier und Schnaps habe es gegeben.

Sie rühre seither keinen Alkohol mehr an, lasse sogar ihr Blut regelmäßig testen, um das belegen zu können, sagte sie nun vor Gericht.

Renitent zum Kneipenschluss

Konkretere Erinnerungen hatte eine Polizeibeamtin, die die Angeklagte am fraglichen Abend gleich zweimal traf. Der erste Einsatz führte in eine Kneipe in der Altstadt. Man wollte schließen, die 44-Jährige aber war nicht zum Verlassen der Gaststätte zu bewegen. „Wir haben sie aufgefordert zu gehen, wollten ihr auch ein Taxi rufen, doch das hat sie abgelehnt“, so die Beamtin. Weil die Frau durchaus ansprechbar war, habe es keinen Anlass gegeben, sie zu begleiten.

Kurz darauf kam es zur eingangs geschilderten zweiten Begegnung auf der Straße. Ob die Frau zwischenzeitlich weiter Alkohol konsumiert hatte, war nicht herauszufinden.

Der hohe Wert von 2,5 Promille, festgestellt durch die Blutprobe kurz nach dem Vorfall, gaben für Staatsanwaltschaft und Richter aber Anlass, eine verminderte Schuldfähigkeit zu berücksichtigen. „Eigentlich hätte es sogar eine Freiheitsstrafe sein können“, so der Richter. Doch er schloss sich mit seinem Urteil der Staatsanwaltschaft an, verhängte gegen die bislang unbescholtene Frau eine Geldstrafe über 130 Tagessätze zu je 15 Euro.

Ans Steuer kann sich die Angeklagte, die angab, seit Februar kein Auto mehr gefahren zu haben, die nächsten acht Monate nicht setzen. Erst danach darf sie sich um eine erneute Zulassung bemühen.

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