Die beiden Angeklagten beim Prozessauftakt neben ihren Verteidigern. © Jörn Hartwich
Landgericht Bochum

Polizist schildert A42-Verfolgungsjagd: „Haben uns komplett ignoriert“

Hautnah war ein Polizist im April bei einer kilometerlangen Verfolgungsjagd bis nach Castrop-Rauxel dabei - die „Dash-Cam“ im Streifenwagen filmte alles mit. Nun erinnerte sich der Beamte.

Im Prozess um eine wilde Verfolgungsfahrt bis zum Autobahnreuz Castrop-Rauxel-Ost (A42/A45) hat ein Polizeibeamter am Montag (25.10.) vor dem Landgericht Bochum atemberaubende Szenen geschildert. Das angeklagte Flucht-Duo (32 und 33 Jahre alt) sei im Schneegestöber teils mit Tempo 150 vor einem Streifenwagen davongerast. Zum Schluss habe nicht mal ein Warnschuss die Männer beeindruckt.

Die Verfolgungsjagd hatte in der Nacht auf den 7. April mit einem Blitzeinbruch in einen Tabakladen in Herten ihren Anfang genommen. Beute laut Anklage: Zigaretten im Wert von rund 10.000 Euro. Kurz vor der Auffahrt auf die A43 hatte sich ein Funkstreifenwagen an den Flucht-Mercedes geheftet. „Beide Insassen hatten Sturmhauben aufgesetzt“, erinnerte sich der Polizist am Montag am Bochumer Landgericht.

In Herne sei der Wagen von der A43 abgefahren und in einem Wahnsinnstempo über mehrere rote Ampeln und teilweise auch als Geisterfahrer über die Straßen gerast, so der Beamte. Erst zahlreiche Kilometer später sei die Blaulicht-Fahrt am A42/A45-Kreuz Castrop-Rauxel-Ost geendet, weil der Fluchtwagen in den damals tief schneebedeckten „Grünstreifen“ geschleudert war.

Dass er und sein Kollege sich mit gezogenen Waffen dem gestrandeten Fahrzeug genähert hätten, hätten die Insassen „komplett ignoriert“. Erst nach dem Einsatz von Pfefferspray sei es gelungen, die Männer festzunehmen. Der Prozess wird fortgesetzt.