Post verärgert Castrop-Rauxeler Kunden mit komplizierter Portoreform

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Die Post macht es den Menschen gerade wieder schwer. Angesichts gestiegener Portogebühren und nicht verfügbarer Marken verlieren viele Menschen den Überblick und die Lust auf den Brief.

von Nico Dreier und Thomas Schroeter

Castrop-Rauxel

, 07.07.2019 / Lesedauer: 3 min

Werner Golob, der an der Schlenkestraße eine Mehrfachagentur für Versicherungen betreibt, hat in den letzten Tagen ein Problem bekommen. Die Post hat bekanntlich das Briefporto zu Wochenbeginn von 70 Cent auf 80 Cent angehoben.

Nun muss Werner Golob reichlich Post verschicken und hat daher auch einen Vorrat an Briefmarken im Geschäft. Um nun die Geschäftspost auf den Weg zu bringen, wollte er 10-Cent-Briefmarken kaufen, um die neben die vorhandenen 70-Cent-Marken kleben zu können. Also ab zur Poststelle an der Dortmunder Straße. Fehlanzeige. Also weiter zu einer Poststelle im Edeka in Herne. Fehlanzeige. „Sind nicht vorhanden“, lautete die Auskunft, so Werner Golob.

Höchste Erhöhung in diesem Jahrtausend

Die Portoerhöhung zum 1. Juli ist nun schon die fünfte Preiserhöhung binnen sieben Jahren. Und die Erhöhung von 70 auf gleich 80 Cent für den Versand eines Standardbriefes ist die höchste Preiserhöhung seit dem letzten Jahrtausend.

Die Post rechtfertigte das mit dem Verweis auf mehr Qualität und besseren Löhne für die Mitarbeiter. Gleichzeitig sind die Preiserhöhungen eine Reaktion des Konzerns auf stetig sinkende Mengen an versandten Briefen in Deutschland. Um wirtschaftlich zu bleiben, müsse man den Preis erhöhen, heißt es vom Ex-Staatsmonopolisten. Die Bundesnetzagentur wolle kontrollieren, ob die Deutsche Post im Gegenzug 5000 neue Mitarbeiter einsetze, um die Qualität der Zustellung nachhaltig zu verbessern.

Wer falsch klebt, bekommt den Brief zurück

Ein Standardbrief der Deutschen Post kostet seit Montag 80 Cent, eine Postkarte im Inland 60 Cent. Auch das Porto für Kompaktbrief, Großbrief und Maxibrief stiegen ab 1. Juli um jeweils zehn Cent.

Nach der Einführung des höheren Portos wirft die Deutsche Post ab sofort nur noch ausreichend frankierte Sendungen in den Briefkasten des Empfängers. Sollte also ein Standardbrief nur mit 70 Cent statt der nötigen 80 Cent frankiert sein, würde er zurückgeschickt oder der Adressat müsste Nachporto bezahlen, sagte ein Post-Sprecher am Donnerstag in Bonn.

10-Cent-Marken waren kaum zu bekommen

Die neuen Preise gelten seit Montag, in den ersten Tagen war die Post aber kulant und stellte auch Sendungen zu, die nur das alte Porto hatten. „Ab sofort akzeptieren wir nur noch die korrekt frankierten Briefe“, sagte der Sprecher.

Zurück zur gewünschten, aber nicht verfügbaren 10-Cent-Marke: Werner Golob ist selbst ehemaliger Postbeamter. „Aber das hätte es früher nicht gegeben“, meint er. Nur in der Hauptstelle der Deutschen Post am Münsterplatz waren die zu haben, und dort auch nur in sehr begrenzten Maße. In Bochum gab es die 10-Cent-Briefmarken offenbar nicht einmal bei der Post in der Innenstadt. Und wenn die Briefmarken ausverkauft sind, müssen sie erst einmal wieder in den Vorrat der Filiale gelangen – und das kann dauern.

Automat ist in der Sonne quasi unbedienbar

Am Münsterplatz kann man Marken aus dem Selbstbedienungsautomaten ziehen. Auch 10-Cent-Marken. Wenn man den Automaten denn bedienen kann. Bei unserem Selbstversuch mittags stand die pralle Sonne auf dem Automatendisplay, die Funktionsweise konnte man nur erahnen. Es ist aber der einzige Automat in ganz Castrop-Rauxel. Service sieht dann doch anders aus.

Aber: Die Post-Kunden wie Werner Golob hätte es noch schlimmer treffen können: Prognosen aus dem Frühjahr gingen von einer Preiserhöhung des Briefportos auf sogar 85 oder 90 Cent aus...

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