Proberäume vor dem Abriss: Ort für 300 Jugendliche

Fotos vom Rundgang

50 Bands sind von einem möglichen Abriss der Proberäume an der Wartburgstraße in Castrop-Rauxel betroffen - das sind grob 300 Jugendliche . Ein Investor plant dort einen Discounter. Wir haben mit dem Eigentümer gesprochen, der das Gebäude 1998 gekauft hat. Unseren Rundgang haben wir in einer Fotostrecke festgehalten.

CASTROP-RAUXEL

, 01.04.2017 / Lesedauer: 3 min
Proberäume vor dem Abriss: Ort für 300 Jugendliche

Die Proberäume an der Wartburgstraße sind für viele Musikbegeisterte ein zweites Zuhause.

Dieter Trudewig sagt, dass er das Gebäude 1998 von der Firma Klöckner gekauft hat. Davor war er aber schon im Haus mit seiner Firma tätig, der Ferroinspect Werkstoffprüfungen + Ultraschallmesstechnik GmbH. So ganz genau hat er die Daten nicht mehr im Kopf. Er leitete eine Firma mit bis zu 35 Mitarbeitern an dieser Stelle, die Ultraschallprüfungen machte.

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So sieht es in den Proberäumen in Castrop-Rauxel aus

Nach Jahrzehnten Rockmusik droht den Proberäumen an der Wartburgstraße 69 das Aus. Der jetzige Inhaber des Gebäudes will verkaufen. Ende der Achtziger soll hier die erste Band eingezogen sein. Wir waren vor Ort und haben Aufnahmen von dem Gebäude und diversen Proberäumen gemacht.
31.03.2017
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So sieht es vor den Proberäumen aus. Ein Investor plant dort einen Discounter.© Foto: Tobias Weckenbrock
Die Adresse zum Rocken: Proberäume Ferroinspect, Wartburgstraße 69.© Foto: Tobias Weckenbrock
Das sogenannte "Stuio Remzo Sound" im Gebäude Ferroinspect, Wartburgstraße 69.© Foto: Tobias Weckenbrock
Neben krachenden Verstärkern, ein Muss für jede Rockgruppe: Ein markanter Sticker mit Bandname.© Foto: Tobias Weckenbrock
Auch hier sind mit Sicherheit schon viele Songs entstanden.© Foto: Tobias Weckenbrock
"Castrock" in Castrop. Nun soll das Zuhause von vielen Rockbands verkauft werden.© Foto: Tobias Weckenbrock
Eine Aufnahme von den hinteren Räumen des Gebäudes.© Foto: Tobias Weckenbrock
Eine Tür rechts im Eingangsgebäude. Ipek Abali, die Sängerin von Gun-Fire, will um die Castrop-Rauxeler Proberäume kämpfen. Momentan ist sie mit ihrer Band dabei, auszuräumen.© Foto: Tobias Weckenbrock
Viele Proberäume sind sehr individuell hergerichtet.© Foto: Tobias Weckenbrock
Dieter Trudewig und seine Frau sind Besitzer der Immobilie Wartburgstraße 69. Er sagt auch: "Hier sind 300 Jugendliche gebunden". © Foto: Tobias Weckenbrock
Auch in diesem Proberaum ging wohl schon die Post ab...© Foto: Tobias Weckenbrock
...fühlte sich wohl diese Band in einem Proberaum an der Wartburgstraße 39.© Foto: Tobias Weckenbrock
Ein Durchgang im Proberaumkomplex. Im Keller sind alle Räume durchnummeriert. © Foto: Tobias Weckenbrock
Eine weitere Aufnahme von den Proberäumen Ferroinspect, Wartburgstraße 69© Foto: Tobias Weckenbrock
Hier haben sich schon einige Bands mit Stickern ein Denkmal gebaut.© Foto: Tobias Weckenbrock
Die Proberäume Wartburgstraße 69 sind ein Paradies für Rockmusiker. Der Besitzer will aber nun verkaufen.© Foto: Tobias Weckenbrock
Hier sind Räume selten nicht besetzt.© Foto: Tobias Weckenbrock
Die Musiker genießen viel Freiheit, doch das hier ist Regel: Nur wer im Ferroinspect probt, darf auch vor den Proberäumen parken.© Foto: Tobias Weckenbrock
Den Musikern würden die Proberäume sicherlich fehlen.© Foto: Tobias Weckenbrock
Musikfans fühlen sich in den Studioräumlichkeiten wohl.© Foto: Tobias Weckenbrock
Draußen vor den Proberäumen.© Foto: Tobias Weckenbrock
Fussballfahnen dürfen bei der Ausstattung natürlich auch nicht fehlen.© Foto: Tobias Weckenbrock
Die Firma des Gebäudeinhabers heißt: Ferroinspect Werkstoffprüfungen + Ultraschallmesstechnik GmbH.© Foto: Tobias Weckenbrock
Die Sticker verraten es: Hier wird Rock gespielt.© Foto: Tobias Weckenbrock
Ende der 80er-Jahre soll hier die erste Band eingezogen sein.© Foto: Tobias Weckenbrock
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 Davor war er beim TÜV - dann habe er sich selbstständig gemacht. Die Gesellschaft mietete sich in das Gebäude ein, teilte es sich aber mit anderen. Der Trödelmarkt Unger war hier einige Jahre zu Hause, im Keller waren in den 90-er Jahren Bestände der Deutschen Bank eingelagert, als sie in einer Nachbarstadt umbaute.

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Ende der 80-er Jahre ging es dann los: 1988 oder 1989 sei in die Räume von Dieter Trudewig dann die erste Band gezogen. Das Thema habe sich herumgesprochen, erinnert sich der Eigentümer. In Keller 1 - die Räume sind alle durchnummeriert - sei heute noch eine Band untergebracht, die schon seit 1991 Mieterin ist. Es kamen immer mehr dazu: Trudwig/Küper teilten die Räume, um so kleinere Einheiten zu bekommen

 Rund 12.000 Euro im Monat kam durch die Vermietung rein. "Die Mieten werden verlässlich gezahlt", sagt Trudewig. "Nur etwa zehn Prozent müssen wir ab und zu hinterher laufen." Lohnen tut sich das Geschäft aber nicht wirklich.

Kein krasser Gewinn

Er taxiert die Ausgaben für Hausmeisterei, Gebühren und Abgaben, Reparaturen, regelmäßige Verluste bei den Stromkosten und alles andere auf etwa 11.000 Euro im Monat. "Über die Jahre war das sogar etwa Plus-Minus-Null", gesteht er. Da spielt auch die Finanzierung des Darlehens zum Kauf 1998 eine Rolle. Der Tilgungsanteil gehört zu seinem Einkommen und musste deshalb versteht werden. 

Trudewig erklärt: "Ich werde 71 Jahre alt. Meinen Sie nicht, dass es dann irgendwann genug ist?", fragt er. Aber er sagt auch: "Hier sind 300 Jugendliche gebunden". Im Sinne von aufgehoben. Sie seien Teil seines Lebens geworden.

Eskimo Callboy etwa starten von hier auf ihre internationalen Tourneen. Die führen sogar bis nach Japan. So weit hat es sonst niemand.

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