Prognose sieht Schwabe (SPD) vor Breilmann (CDU)

Bundestagswahl 2017

Noch gut vier Wochen bis zur Bundestagswahl: Eine aktuelle Prognose sieht für Castrop-Rauxel ein Kopf-an-Kopf-Rennen voraus. Demnach liegt der SPD-Kandidat Frank Schwabe zur Zeit vor Michael Breilmann (CDU). Wie verlässlich ist die Prognose - und was sagen die Kandidaten dazu?

CASTROP-RAUXEL

, 25.08.2017, 05:30 Uhr / Lesedauer: 3 min
Prognose sieht Schwabe (SPD) vor Breilmann (CDU)

Noch gut vier Wochen bis zur Bundestagswahl. Im Wahlkreis Recklinghausen I (121), zu dem Recklinghausen, Waltrop und Castrop-Rauxel gehören, hat der SPD-Kandidat und Bundestagsabgeordnete Frank Schwabe derzeit einen Vorsprung. Das sagt eine Wahlkreisprognose des Hamburger Datenanalytikers Matthias Moehl.

Sein Unternehmen election.de sieht den Sozialdemokraten bei 43 Prozent der Erststimmen, seinen Konkurrenten Michael Breilmann (CDU) bei 34 Prozent. Auf Rang drei liegt Steffen Michel Sigmar Christ (AfD) mit 8 Prozent, knapp vor Erich Karl Burmeister (Die Linke) mit 6 Prozent und Jan Matzoll (Grüne) mit 5 Prozent der Erststimmen. Anne Krüger (FDP) wird laut der Prognose von election.de auf 3 Prozent kommen.

43 zu 34 – für den Statistiker ist diese Vorhersage nur ein „Vorsprung“. Die „Unschärfe“ liege für jede Prognose „bei plusminus 3 oder 3,5 Prozentpunkten“, so Moehl. Heißt also: Das Erststimmen-Rennen im Wahlkreis 121 ist noch nicht gelaufen, wenn auch Frank Schwabe relativ sicher im Sattel in Berlin sitzt.

Wer steckt hinter election.de?

Matthias Moehl (50) ist Diplom-Informatiker. Seit 2002 arbeitet er als Politikberater und Wahlanalyst. Unter dem Firmennamen election.de bietet er Erststimmen-Vorhersagen für jeden der 299 Bundestagswahlkreise an. Der Hamburger füllt damit eine Nische, die die großen Meinungsforschungsinstitute nicht besetzen. Die müssten, um eine Prognose abgeben zu können, im jeweiligen Wahlkreis Umfragen durchführen. Der Aufwand käme zu teuer.

Moehl macht es günstiger und ist folglich gut im Geschäft. Die Liste seiner Referenzen reicht von den im Bundestag vertretenen Parteien über Rundfunk und Fernsehen bis hin zu den Redaktionen von The Economist, Der Spiegel oder den Ruhr Nachrichten.

Worauf stützt sich die Prognose?

Die Erststimmen-Prognosen von election.de beruhen nicht auf eigenen Umfragen. Moehl ist kein Meinungsforscher. Er ist das, was man neudeutsch „Data-Miner“ nennt: einer, der in Datenbergen buddelt mit dem Ziel, neue Querverbindungen und verborgene Zusammenhänge zu entdecken.

Der Datenberg, den Moehl mit seinem Algorithmus durchforstet, besteht aus den Ergebnissen bisheriger Bundestags-, Landtags- und Europawahlen im jeweiligen Wahlkreis, aus den aktuellen Ergebnissen von repräsentativen Wählerbefragungen der großen Demoskopie-Institute, aus Daten über die zur Wahl stehenden Kandidaten und den Zuschnitt des jeweiligen Wahlkreises sowie aus Erkenntnissen über Stimmen-Splitting (unterschiedliche Abgabe von Erst- und Zweitstimmen) und Wählerwanderungen.

Welche Bedeutung haben die Kandidaten?

So ernüchternd das für den Einzelnen sei: „Der Faktor Individuum ist sehr überschaubar. Nur bis zu fünf Prozentpunkte kann ein Kandidat selbst bewegen.“ Das heißt: Wenn die SPD in einem Wahlkreis 30 Prozent der Zweitstimmen bekommt, schafft ein sehr guter Bewerber vielleicht 34 Prozent der Erststimmen, ein eher schwacher Kandidat muss sich mit 27 Prozent begnügen.

Was ist die Prognose wert?

Kritiker monieren, das Umrechnen bundesweiter Zweitstimmen-Trends auf Erststimmen in einzelnen Wahlkreisen könne nur mit Unsicherheiten behaftet sein. Matthias Moehl kontert mit dem Hinweis auf eine hohe Treffsicherheit. Bei der Bundestagswahl 2013 sagte election.de das Erststimmen-Ergebnis in 279 der 299 Wahlkreise richtig voraus – eine Quote von 93 Prozent. Vor der Landtagswahl in NRW am 14. Mai 2017 hat der Hamburger Daten-Experte in 117 der 128 Wahlkreise den Sieger korrekt vorhergesagt. Das entspricht einer Quote von 91 Prozent. Seine NRW-Prognose, brüstet sich Moehl, habe näher am Wahlergebnis gelegen „als alle Umfragen, die vor der Wahl von den großen Instituten veröffentlicht wurden“.

Was sagen die Kandidaten zur Prognose?

FDP-Kandidatin Anne Krüger glaubt, dass die Prognose bedingt durch die Ferienzeit ist, lässt sich ihren Mut aber nicht nehmen. „Wir starten am Samstag mit den Aktionsständen, bei denen ich jede Gelegenheit nutzen werde, um in persönlichen Kontakt zu unseren Wählern zu treten. Frank Schwabe (SPD) sagt: „Was ich bei den bisherigen Gesprächen lerne ist, dass wir noch stärker zuspitzen müssen. Genauere Zahlen statt Sprüche müssen auf die Plakate und die Flugblätter.“ Der Wahlkampf, der auf Begegnungen mit vielen Menschen setze, bleibe auch weiterhin das wichtigste.

CDU-Kandidat Michael Breilmann zeigt sich zuversichtlich, den Wahlkreis noch direkt gewinnen zu können. „Der Abstand bei den Erststimmen zwischen den Kandidaten von SPD und CDU ist im Vergleich zu den letzten Wahlergebnissen auf einen historischen Tiefstand geschrumpft“, so Breilmann. „Das ist ein deutliches Indiz dafür, dass wir mit unserer Strategie richtigliegen und sie daher konsequent fortgesetzt wird.“ Er wolle den Wahlkampf jetzt noch intensivieren.

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