Prozess nach Pfarrhaus-Einbruch in Henrichenburg: Angeklagtes Trio schweigt

rnLandgericht Bochum

Sieben Monate nach einem dreisten Tresor-Diebstahl in Henrichenburg stehen drei mutmaßliche Mitglieder der sogenannten „Pfarrhaus-Bande“ vor Gericht. Zum Auftakt herrschte Schweigen.

Henrichenburg

, 28.02.2019, 16:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Herzlos, gewissenlos und teilweise unheimlich brutal: Vor dem Bochumer Landgericht hat der Prozess um eine Serie von Einbrüchen und Raubüberfällen in Pfarrhäusern begonnen.

Angeklagt sind zwei Männer (28/44) und eine Frau (47), die zwischen September 2017 und August 2018 mehr als 30 Einbrüche verübt haben sollen. Am Sonntag, 15. Juli 2018, hatte das Trio laut Anklage auch im Pfarrhaus der St. Lambertus-Gemeinde in Henrichenburg zugeschlagen - und dabei einen kompletten Tresor mit Kirchenbüchern und Schlüsseln aus der Wandverankerung gehebelt.

Angeklagte soll nach Weihwasser gefragt haben?

Nachdem die angeklagte Frau gegen 10.20 Uhr mehrfach an der Haustür des Pfarrbüros geklopft hatte und ihr die Tür geöffnet worden war, soll sie den Pfarrer nach „Weihwasser“ gefragt haben. Der Geistliche soll ihr daraufhin mitgeteilt haben, dass um 11 Uhr die Sonntagsmesse stattfinde und sie in der Kirche Weihwasser bekommen könne.

Danach sollen die drei Angeklagten im Tatfahrzeug gewartet haben, bis der Pfarrer die Kirche betritt. Dann sollen sie ein Fenster zum Pfarrhaus aufgehebelt und in das Gebäude eingedrungen sein.

Laut Anklage durchsuchten die Täter anschließend seelenruhig die Räumlichkeiten, ehe sie schließlich einen Möbeltresor mit Kirchenbüchern, Schlüsselkarten und Schlüsseln aus der Verankerung hebelten. Um den Tresor leichter abtransportieren zu können, sollen sie danach extra noch das Tor zum Garten aufgebrochen haben und mit ihrem Auto direkt zum Einladen vor das Pfarrhaus gefahren sein.

Gesamtschaden von fast 6000 Euro

Durch den Einbruch entstand laut Staatsanwaltschaft ein Sachschaden in Höhe von 2300 Euro. Die Kosten für die Neuanschaffung des Tresors, der Kirchenbücher und der Schlüssel werden in der Anklageschrift mit zusätzlichen 3.500 Euro beziffert.

Den zwei Männern und einer Frau werden 32 Einbrüche und Raubüberfälle unter anderem in Haltern, Recklinghausen, Datteln und Umgebung zur Last gelegt. Bei ihren Beutezügen sollen sie sich neben Einfamilienhäusern, insbesondere bewohnt von älteren Damen, vor allem auf Pfarrhäuser und Gemeindebüros in kleineren Gemeinden in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen spezialisiert haben. Weitere Tatorte: Witten, Duisburg, Mülheim und Wuppertal.

Auch Tauf- und Sterberegister gehörten zur Beute

Seit Ende 2017 sollen die Täter meistens sonntags in Pfarrheime und Gemeindebüros eingebrochen sein, während die jeweiligen Pfarrer gerade die Gottesdienste feierten. In Haltern und Dortmund sollen die Täter jeweils einen Geistlichen niedergeschlagen haben. Der Halterner Seelsorger soll sogar noch mit verbundenen Augen in den Heizungskeller gebracht, mit abgetrennten Kabeln von einem Bügeleisen und Kühlschränken an Händen und Füßen gefesselt und mit seiner Jacke über dem Kopf im Heizungskeller eingesperrt worden sein.

Den Schlüssel sollen die Täter in die Toilette geworfen und dann seelenruhig ihre Suche nach Diebesgut fortgesetzt haben.

Die Beute des Trios soll insgesamt weit über 100.000 Euro betragen haben. In Datteln sollen die Täter im Pfarrbüro der St. Amandus Gemeinde unter anderem auch das Tauregister ab 1992, das Eheregister und das Sterberegister ab 2010 mitgehen lassen haben – außerdem das Siegel des Kirchenvorstandes.

Zeugenhinweis brachte die Ermittler auf die Spur

Die Polizei war der sogenannten „Pfarrhaus-Bande“ nach einem Zeugenhinweis auf die Spur gekommen. Nach ihrer Festnahme Mitte August 2018 war bei den Durchsuchungen ihrer Wohnungen in Gelsenkirchen mögliches Diebesgut, unter anderem Uhren und Schmuck mit christlichen Symbolen.

Weil die Angeklagten zum Prozessauftakt weder etwas zu ihren Lebensläufen noch zu den Vorwürfen sagen wollen, stellen sich die Richter der 7. Strafkammer auf eine lange und aufwendige Verhandlung ein. "Wir werden nun in den nächsten Wochen im Wesentlichen die Geschädigten vernehmen", blickte Richter Josef Große Feldhaus voraus.

Für den Prozess sind derzeit 32 weitere Verhandlungstage bis zum 26. September 2019 anberaumt.

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