Psychotherapeuten in Castrop-Rauxel sind trotz Coronavirus im Einsatz – live oder per Video

rnCoronavirus

Auch die Pflege der geistigen Gesundheit zählt zur medizinischen Grundversorgung. Ein Psychotherapeut aus Castrop-Rauxel erzählt, wie er und seine Kollegen in Zeiten des Coronavirus arbeiten.

Castrop-Rauxel

, 26.03.2020, 20:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Psychotherapeuten-Kammer NRW hat eine Praxis-Information (Stand 23.3.) für hiesige Psychotherapeuten veröffentlicht, die stetig aktualisiert werden soll. Sie enthält Leitlinien im Umgang mit dem Coronavirus.

Wer auf die dort niedergeschriebenen Hygiene-Empfehlungen wie den Verzicht auf das Hände-Schütteln und regelmäßiges Lüften achtet, darf und soll seine Praxis weiter öffnen. Zudem sollen möglichst keine Gruppentherapien mehr stattfinden.

„Das heißt in meinem Fall, dass keine Angehörigen mehr bei der Therapie dabei sind“, sagt Olaf Maletzki, Kinder- und Jugendpsychotherapeut aus Frohlinde. „Ich arbeite nur noch getrennt mit den Kindern und Jugendlichen oder ihren Erziehungsberechtigten und Bezugspersonen.“

Umsatteln auf Video- und Telefontherapie

Es gebe aber auch viele Patienten, die die Therapie-Termine aus Angst vor einer Infektion absagen. Derzeit entfallen so circa 20 Prozent der Stunden von Olaf Maletzki. Neuanmeldungen, von denen es normalerweise ein bis zwei pro Woche gebe, gibt es aktuell nicht.

Als Alternative zur Therapie in der Praxis empfiehlt die Psychotherapeuten-Kammer NRW Video- und Telefonsprechstunden. So können auch am Coronavirus oder sonstwie erkrankte Patienten versorgt werden oder zur Risikogruppe gehörende Psychotherapeuten weiter arbeiten.

Allerdings seien gerade Videosprechstunden oft problematisch, so Olaf Maletzki. „Ein Großteil der Kollegen versucht gerade, auf diese Art der Sprechstunden umzusteigen – entsprechend überlastet sind die Programme, die wir dafür nutzen“, erklärt er.

Häufig stocke das Video oder breche sogar komplett ab. Allerdings sei die Videosprechstunde für manche Therapeuten unumgänglich. Wer zur Risikogruppe gehört oder anderweitig gefährdet ist, soll seine Praxis schließen, so die Empfehlung der Psychotherapeuten-Kammer.

Noch mehr Hygiene in der Praxis

Olaf Maletzki und einige andere Therapeuten bieten aber auch weiterhin persönliche Therapie-Termine an. „Ich empfange die Patienten an der Tür, schüttle ihnen nicht die Hand und sie gehen direkt selbstständig ins Therapiezimmer“, erklärt Olaf Maletzki.

Praxen für Psychotherapie sollen in Zeiten des Coronavirus nur im Notfall schließen.

Praxen für Psychotherapie sollen in Zeiten des Coronavirus nur im Notfall schließen. © picture alliance/dpa

Die Möbel in dem Raum habe er so umgestellt, dass er nun drei bis vier Meter von seinen Patienten entfernt sitze. „Das ist schon komisch, aber Sicherheit geht vor.“ Zudem gehe er häufig mit seinen Patienten spazieren – mit einem Abstand von circa zwei Metern.

„Ich gehe ohnehin gerne raus, weil da doch manchmal Knoten platzen, die drinnen zu bleiben“, sagt er. „Mit dem Abstand sieht das jetzt vielleicht komisch aus, hat aber weiterhin den gleichen Effekt.“

Hygiene sei in seiner Praxis immer schon wichtig gewesen. Derzeit habe er aber beispielsweise zusätzlich alle Kissen von den Sitzmöbeln entfernt, achte darauf, ob jemand das Bad benutzt und säubere es anschließend direkt. Zudem reinige er Türklinken häufiger als früher und bitte Patienten, so wenig wie möglich zu berühren.

„Wir würden auf hohem Niveau jammern“

Olaf Maletzki bleibt mit Kollegen in Castrop-Rauxel und Umgebung im Gespräch. Derzeit seien alle motiviert, die Therapien so gut wie möglich weiterzuführen. Nur, wer vorerkrankt sei, stelle auf Videosprechstunden um oder arbeite derzeit gar nicht.

„Eine Kollegin leidet an einer Lungenkrankheit und musste ihre Praxis schließen.“ Der Austausch mit Kollegen helfe jedoch, die aktuelle Situation besser zu meistern. „Wir tauschen uns beispielsweise aus, welches Videoprogramm gerade am reibungslosesten funktioniert.“

Trotz der Einschränkungen bleibe die Arbeit der Psychotherapeuten recht normal. „Wir würden auf hohem Niveau jammern, deshalb jammern wir nicht“, sagt Olaf Maletzki. „In den Osterferien habe ich Urlaub, da ist meine Praxis zu. Ich bin gespannt, wie es danach weitergeht.“

Lesen Sie jetzt