Puppentheater-Verbot? Ein Aufsteller bei Edeka Lasarz in Ickern wirbt um Spenden. Die Rede ist von Berufsverbot. Aber stimmt das? © Tobias Weckenbrock
Schausteller

Puppenbühne mit „Berufsverbot“? Spenden-Plakat in Ickern macht stutzig

Im Edeka am Ickerner Marktplatz wirbt eine Puppenbühne um Spenden. Der Grund: „Berufsverbot“. Das gibt es aber laut Coronaschutzverordnung gar nicht mehr. Die Schausteller erklären sich.

Ein gelber Aufsteller aus Pappe ist im Eingang zum Edeka Lasarz am Ickerner Marktplatz aufgetaucht. Aufgestellt hat ihn die Puppenbühne Sternenlicht. Mit einer Kette und einem großen Schloss ist eine Spendendose daran befestigt. Auf der gelben Pappe klebt ein blaues Plakat. Es wirbt für „Die schönsten Märchen der Gebrüder Grimm“, aufgeführt von den Schaustellern der Puppenbühne.

Ein Datum für die Aufführung ist nicht angegeben. Denn das Plakat kündigt hier gar kein Puppenspiel an. Stattdessen ist darauf zu lesen: „Das Puppentheater hat noch immer Berufsverbot! Helfen Sie uns mit Ihrer Spende.“ Darunter ist eine Handynummer angegeben.

Coronaschutzverordnung verbietet Puppentheater nicht

Der Ausdruck „Berufsverbot“ macht an dieser Stelle stutzig. Denn ein coronabedingtes Spielverbot für Puppenbühnen ist in der aktuellen Coronaschutzverordnung des Landes NRW gar nicht mehr vorgesehen. „Es gibt schon länger keine Berufsverbote in der Form mehr“, bestätigt auch Maresa Hilleringmann, Pressesprecherin der Stadt Castrop-Rauxel.

Ein Telefonat mit der Puppenspielerin Gina Frank von der Puppenbühne Sternenlicht bringt etwas Klarheit. „Ein offizielles Verbot gibt es nicht mehr, das stimmt“, räumt sie ein. „Aber wir bekommen trotzdem noch immer keine Auftritte.“ Die Puppenbühne Sternenlicht, ein Familienunternehmen aus Berlin, habe zuletzt im Dezember 2019 ein Kasperletheater aufgeführt.

Angst vor Ansteckung

„Während der Lockdowns konnten wir natürlich nicht auftreten, aber auch jetzt werden uns keine Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt“, sagt Gina Frank. In Pfarrzentren, Kindergärten und Bürgerhäusern sei Sternenlicht sonst zu Gast gewesen.

„Viele Leute haben noch Angst, sich beim Puppentheater mit Corona anzustecken“, vermutet Gina Frank. Ob es besser laufen würde, wenn man Outdoor-Veranstaltungen anbieten würde, weiß die Schaustellerin nicht: „Dazu kann ich nichts sagen, weil wir immer in einem Theaterzelt arbeiten.“

Auftritte mit Hygienekonzept

Schon im Juli war auf der Wiese vor der Europahalle aber das Puppentheater Matz mit den Abenteuern des „Rabe Socke“ zu Gast – ebenfalls mit Theaterzelt. Einige Gruppen treten also wieder auf.

Die Auftritte sind allerdings nur mit Hygienekonzept erlaubt. „Bei einer reisenden Puppenbühne wären das zum Beispiel Einlasskontrollen und Abstand“, erklärt Maresa Hilleringmann.

Die Puppenbühne Sternenlicht habe ein solches Konzept, beteuert Gina Frank. „Es wird aber immer wieder abgelehnt.“ Dass die Zeiten während Corona für Schausteller schwer waren, ist allgemein bekannt. Auch bei anderen Puppenbühnen hört man von Problemen. So hatte zum Beispiel „Josef Tränklers Puppenbühne“, sehr bekannt in der Region, erst am 8. Oktober ihren ersten Auftritt seit Beginn der Pandemie. Allerdings nicht in Castrop-Rauxel, sondern in Haltern am See.

Die Puppenbühne Sternenlicht werde sich weiterhin um Auftritte bemühen, sagt Gina Frank. Auch in Castrop-Rauxel, wo sie in der Vergangenheit schon Aufführungen gespielt habe. „Bis dahin sind wir aber jedem dankbar, der uns unterstützen möchte. Besonders dringend brauchen wir Heizöl und Gas.“

In der Corona-Zeit hätten Spender auch Teile der Versicherung für die Puppenbühne bezahlt. Informationen zur konkreten Verwendung der Spenden gibt Gina Frank telefonisch unter der Nummer 0157/84242931.

Über die Autorin
1997 in Dortmund geboren. Dort seit 2017 für die Ruhr Nachrichten im Einsatz. Habe die Stadt dabei neu kennen und lieben gelernt. Mag die großen und kleinen Geschichten um mich herum, Bücher, schreiben und fotografieren.
Zur Autorenseite
Rebekka Antonia Wölky