Rajko Kravanja triumphiert in der Stichwahl und bleibt Bürgermeister

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Keine Überraschung hat es bei der Stichwahl um das Bürgermeister-Amt in Castrop-Rauxel gegeben. Bemerkenswerte Worte fand Wahlsieger Rajko Kravanja zur niedrigen Wahlbeteiligung

Castrop-Rauxel

, 28.09.2020, 04:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Als am Sonntag um 19.33 Uhr die Ergebnisse aus dem letzten Wahllokal gemeldet waren, stand fest, woran alle Beobachter seit zwei Wochen nicht mehr gezweifelt hatten: SPD-Kandidat Rajko Kravanja bleibt für die kommenden fünf Jahre Bürgermeister von Castrop-Rauxel.

Am Ende fiel das Ergebnis sehr deutlich aus. Kravanja holte 66,5 Prozent der Stimmen und damit noch einmal 17 Prozentpunkte mehr als im ersten Wahlgang vor zwei Wochen. CDU-Herausforderer Dr. Oliver Lind kam auf 33,5 Prozent und damit auf rund 8 Prozentpunkte mehr als am 13. September.

„Ich freue mich riesig über das Vertrauen, das mir die Menschen entgegen gebracht haben“, sagte Kravanja in einer ersten Reaktion im Kulturzentrum Agora in Ickern. Er habe schon nicht damit gerechnet, mit einem so großen Vorsprung in die Stichwahl zu gehen. Die Menschen wollten „einen Kümmerer haben, der zuhört, der die Probleme auch unterwegs anpackt“.

Kravanja: Nun geht es um Organisation von Mehrheiten im Rat

Politisch gehe es nun darum, Mehrheiten im Rat zu organisieren und zu schauen, mit wem man auf welchen Themenfeldern zusammenarbeiten wolle. „Die Arbeit geht weiter, aber morgen ein bisschen später“, erklärte Kravanja. Zunächst einmal werde er feiern. Außerdem seien in den vergangenen Wochen seine beiden Kinder und seine Frau „ein bisschen zu kurz gekommen“.

Bevor die Feier richtig losging, äußerte sich Kravanja aber noch zur schlechten Wahlbeteiligung von 29,4 Prozent. Die Ursachen stünden zwar noch nicht fest, aber: „Das ist schon erschreckend“, sagte der alte und neue Bürgermeister. „Das finde ich sehr, sehr schade.“

Kravanja zu Wahlbeteiligung: Entfernen uns immer mehr von den Menschen

Die niedrige Beteiligung zeige, „dass wir uns alle gemeinsam immer mehr entfernen von den Menschen.“ Es sei seine Aufgabe als Bürgermeister, parteiübergreifend dafür zu sorgen, den Menschen zu vermitteln, dass Parteien und Fraktionen dafür da seien, um zu helfen.

„Wir haben unterschiedliche Meinungen darüber, was das Beste für die Stadt ist, aber keiner will was Schlechtes und alle hören zu und alle sind da“, sagte Kravanja.

Umarmung zur Gratulation

Oliver Lind kam zum Gratulieren in die Agora, noch während in den letzten Wahllokalen gezählt wurde. Er gratulierte Kravanja, beide nahmen sich sogar in den Arm. Vorher hatte Lind sich in der Geschäftsstelle der CDU gegenüber unserer Redaktion in einem knappen Statement geäußert. Er werde Kravanja als Ratsmitglied anbieten, „an den Herausforderungen, die wir als Stadt Castrop-Rauxel haben, konstruktiv mitzuwirken“.

Zur Gratulation umarmte CDU-Kandidat Oliver Lind (verdeckt) den alten und neuen Bürgermeister Rajko Kravanja.

Zur Gratulation umarmte CDU-Kandidat Oliver Lind (verdeckt) den alten und neuen Bürgermeister Rajko Kravanja. © Matthias Langrock

Lind erklärte außerdem, er wolle sich bedanken bei allen, „die mir ihre Stimme geschenkt haben, insbesondere bedanken bei meinem Team“. Es sei „ein tolles Erlebnis gewesen, festzustellen, wie viele Leute in ihrer Freizeit für mich noch gekämpft haben“.

Der alte und neue Bürgermeister kann sich im 53-köpfigen Rat der Stadt künftig auf eine 20-köpfige SPD-Fraktion stützen. Mit fünf der sieben anderen Parteien im Rat haben die Sozialdemokraten Gespräche angekündigt: mit der CDU, den Grünen, der FWI, den Linken und der FDP. Theoretisch gäbe es zwar eine rot-grüne Mehrheit, allerdings sind sich beide Parteien nicht auf allen Feldern einig. Die Grünen hatten deshalb im Vorfeld auch keine Empfehlung für Kravanja oder Lind abgegeben.

Haushoher Favorit nach dem ersten Wahlgang

Kravanja war nach dem ersten Wahlgang als haushoher Favorit ins Rennen gegangen. Am 13. September hatte er 49,3 Prozent der Stimmen geholt, Lind nur 25,1 Prozent. Nachdem auch noch FDP-Bürgermeisterkandidat Nils Bettinger sich im Vorfeld für Kravanjas Wahl ausgesprochen hatte, hätte Lind im Grunde nur auf eines hoffen können: dass viele Sozialdemokraten in Erwartung eines sicheren Kravanja-Sieges am Sonntag zu Hause bleiben.

Solange die Auszählung lief, ging der Blick von Bürgermeister Rajko Kravanja (3.v.r.) vor allem aufs iPad.

Solange die Auszählung lief, ging der Blick von Bürgermeister Rajko Kravanja (3.v.r.) vor allem aufs iPad. © Volker Engel

Bei der Wahl des Landrates lag die SPD in Castrop-Rauxel ebenfalls vor der CDU.

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