Raser in der Spielstraße: Jenna und Denis Oloff fühlen sich im Stich gelassen

rnStraßenverkehr

Die Polizei hat nichts bewirkt, der Bürgermeister antworte nicht: Jenna und Denis Oloff und ihre Nachbarn fühlen sich mit Rasern in ihrer verkehrsberuhigten Straße im Stich gelassen.

Castrop-Rauxel

, 10.11.2020, 17:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Verkehrsberuhigte Zonen sollen auch in Castrop-Rauxel dort, wo viele Familien mit Kindern in reinen Anwohnerstraßen leben, das Unfallrisiko minimieren. Spielende Kinder und Fußgänger dürfen die komplette Straße nutzen, Autofahrer und Radler müssen hier besondere Rücksicht nehmen.

Außerdem gelten in einem verkehrsberuhigten Bereich folgende Verkehrsregeln

  • Fußgänger und Autofahrer sind gleichberechtigt.
  • Autos müssen warten, wenn nötig anhalten.
  • Fußgänger dürfen den Fahrverkehr nicht unnötig aufhalten.
  • Nur Schrittgeschwindigkeit – bis 7 km/h – ist erlaubt.
  • Überholen ist verboten.
  • Parken ist nur in gekennzeichneten Flächen erlaubt
  • Wer aus einer verkehrsberuhigten Zone herausfährt, muss Vorfahrt achten.

Zu erkennen sind diese verkehrsberuhigten Zonen an einem blauen Schild, auf dem ein Erwachsener und ein Kind mit Ball auf einer stilisierten Straße zu sehen sind.

Die Praxis sieht in der Grimbergstraße ganz anders aus

So weit die Theorie. Und nun zur Praxis: „An die Geschwindigkeitsbeschränkung hier hält sich fast kein Mensch“, sagen Jenna und Denis Oloff. Das Paar wohnt seit rund drei Jahren an der Grimbergstraße auf Schwerin, inzwischen mit ihrem einjährigen Kind.

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Das kann noch nicht auf der Straße spielen, ob mit Ball oder ohne. Zum Glück, wie seine Eltern finden, denn ein Spiel auf der verkehrsberuhigten Straße könnte zum lebensgefährlichen Unterfangen werden. „Die Leute halten sich nicht einmal im mindesten an die vorgeschriebene Schrittgeschwindigkeit“, sagt Denis Oloff.

Und das 24 Stunden am Tag, so die Erfahrung, die die Oloffs, die beide aus Castrop-Rauxel stammen, auf Schwerin gemacht haben, seit sie dort wohnen. „Die meisten Autofahrer rechnen das mit der Schrittgeschwindigkeit pro Rad“, so Denis Oloffs beißender Kommentar zum Verhalten viel zu vieler Autofahrer in der alten Zechenkolonie.

Blitzeinsatz der Polizei hatte keine Langzeitwirkung

„Wir haben schon zig E-Mails an die Polizei geschrieben. Die hat dann vor etwa eineinhalb Jahren auch mal geblitzt“, erzählt Jenna Oloff. Mit durchschlagendem Erfolg: In nur 45 Minuten hätten die Polizeibeamten sieben zu schnelle Fahrer erwischt. „Dabei haben sich die Polizisten noch so offensichtlich aufgestellt, dass man die mit etwas Aufmerksamkeit schon von Weitem sehen konnte“, erinnert sich die junge Mutter.

Die Grimbergstraße auf Schwerin ist als verkehrsberuhigter Bereich ausgewiesen. Was das bedeutet, scheint nicht jeder Verkehrsteilnehmer zu wissen oder wissen zu wollen.

Die Grimbergstraße ist als verkehrsberuhigter Bereich ausgewiesen. Was das bedeutet, scheint nicht jeder Verkehrsteilnehmer zu wissen oder wissen zu wollen. © Thomas Schroeter

Der langfristige Effekt der Blitzerei aber sei gleich Null, so die Oloffs. Man habe sich deshalb wieder an die Polizei gewandt, ebenso wie Nachbarn ein Haus weiter, „denn hier wohnen ja ganz viele kleine Kinder, die man nicht auf die Straße lassen kann, weil das viel zu gefährlich ist“, sagt Jenna Oloff.

Eine Reaktion der Polizei habe es erst mal nicht gegeben. Dann hätten sich Polizisten die Straße angeguckt und gesagt, dass es sich ja um gar keine Spielstraße handle. Da habe Jenna Oloff sie erst einmal darauf hinweisen müssen, dass die Zonen-Schilder ja etwas weiter weg stünden an den Zugängen zum verkehrsberuhigten Bereich. „Und das erklärt man dann einem Polizisten“, kommentiert Denis Oloff die Situation.

„Hier muss erst was passieren, bis etwas passiert!“

Bei der Stadt habe man auch nicht viel mehr Glück gehabt. Von Bürgermeister Rajko Kravanja, den Denis Oloff bei Facebook auf das Problem hingewiesen habe, sei keine Antwort gekommen. „Leider habe ich ihn erst jetzt nach der Wahl angeschrieben. Mit einem elend langen Text. Und da hat er eben nicht reagiert“, so Oloff.

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Die zu schnellen Autofahrer zeigen sich nach den Erfahrungen der Oloffs völlig uneinsichtig. „Da wird man höchstens noch beleidigt“, hat Jenna Oloff erlebt. Und darunter seinen jede Menge Anlieger, nicht nur ortsunkundige Besucher oder Paketwagenfahrer. Und dann kommt der Satz, der oft bei solchen Klagen kommt: „Hier muss erst was passieren, bis etwas passiert!“

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