Rat stimmt geheim gegen Antrag: Ist das das Ende der alten Eiche?

rnRatsentscheid im Check

Der Stadtrat hat gegen eine Änderung des Bebauungsplans für das Baugebiet „Wohnen an der Emscher“ gestimmt. Er ist wirksam. Was bedeutet das - auch im Hinblick auf die 250 Jahre alte Eiche?

Castrop-Rauxel

, 06.07.2019, 09:05 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das hat der Rat am 4. Juli 2019 entschieden: Es bleibt beim bisherigen Bebauungsplan Nummer 245, wie er im April von der Politik mehrheitlich beschlossen und verabschiedet wurde. Die Grünen hatten zusammen mit der FWI und der Linken einen Antrag auf Änderung gestellt.

Das steckt dahinter: Der Bebauungsplan 245 Planbereich „Wohnen an der Emscher“ sollte auf Wunsch der Antragsteller so geändert werden, dass die auf der Wiese nördlich der Heerstraße stehende rund 250 Jahre alte Eiche erhalten und ihr Bestand dauerhaft gesichert wird.

Rat stimmt geheim gegen Antrag: Ist das das Ende der alten Eiche?

Hier soll ein Baugebiet entstehen, wie Ausschuss-Chef Oliver Lind (CDU, l.) und der TBG Heiko Dobrindt vor Ort erläuterten. © Tobias Weckenbrock

So ging die Abstimmung aus: Sie fand auf Antrag der FDP geheim statt: „Dadurch werden wir ein ehrliches Ergebnis bekommen“, sagte Fraktionschef Nils Bettinger. Ergebnis: 47 abgegebene und gültige Stimmen. Der Rat hat 50 Mitglieder plus Bürgermeister.

Vier Mitglieder waren nicht anwesend: Piehl (FWI), Pelzing und Dreifeld (beide SPD), Beineke (Linke). 33 Nein, 14 Ja. Wäre der Rat voll besetzt gewesen, hätten SPD, CDU und FDP plus Bürgermeister zusammen 38 Sitze - es fehlen also 5 Stimmen.

Die expliziten Eichen-Befürworter Grüne, FWI und Linke kommen zusammen auf 9 Sitze, aber zwei Personen fehlten. Die UBP, deren Haltung zum Thema unbekannt ist, hat 2 Sitze. Es gibt also mindestens fünf Abweichler aus den Fraktionen, die sich für den alten Bebauungsplan ausgesprochen haben.

Das bedeutet die Entscheidung: Der Investor Dreigrund Development, der hier mit 70 Wohneinheiten in Ein- und Zweifamilienhäusern und einem Mehrfamilienhaus entlang der Wartburgstraße plant, hat planungsrechtlich freue Bahn. Der Bebauungsplan Nr. 245 wurde am Morgen vor der Ratssitzung mit dem Amtsblatt formell bestätigt.

Er hat laut aktuell bekannter Planung vor, die Bäume - mitsamt der Stieleiche - zu fällen, um dort (ausgenommen der Grüngürtel unterhalb der Hochspannungsleitung) Versorgungsleitungen zu legen, Straßen anzulegen und so Baugrundstücke zu erschließen.

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Eichen-Freunde singen im Castrop-Rauxeler Stadtrat

Das könnte noch dazwischen kommen: Der Aktionskreis „Rettet die alte Eiche“ bleibt offenbar aktiv. Nicht nur, dass er wieder einen Chor auf die Beine stellte, der vor der Ratssitzung sang, dass viele Protestplakate den Ratssaal zierten - Sprecher Holger Steiner kündigte an, dass man weiter kämpfen wolle.

Konkret fasst man offenbar die Idee ins Auge, ein Konsortium zu bilden, das gemeinsam eines oder zwei Baugrundstücke erwirbt - und zwar die, auf denen die Eiche steht.

Auch BUND-Mann Thomas Krämerkämper, der schon am Alten Garten in Henrichenburg für eine Wende im Bolzplatz-Streit sorgte, taucht gerüchteweise immer mal wieder als ein möglicher Kaufinteressent auf. Annette Korte von der FWI sagte schon Unterstützung zu. Auch ein Bürgerbegehren könnte noch ein letzter Ausweg sein.

Rat stimmt geheim gegen Antrag: Ist das das Ende der alten Eiche?

Die alte Eiche im Grünstreifen zwischen Emscher und Heerstraße. Hier soll ein Baugebiet entstehen. © Tobias Weckenbrock

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