Rauxelerin spielt bei beliebter Fernsehserie mit

"In aller Freundschaft"

Christina Petersen verließ mit 19 Jahren Castrop-Rauxel, um in die Welt des Schauspiels aufzubrechen. Seit 2016 spielt die Rauxelerin Dienstagabends um 21 Uhr vor einem Millionenpublikum - sie spielt Schwester Miriam in der beliebten Arztserie "In aller Freundschaft". Wir haben sie zum Video-Interview getroffen.

CASTROP-RAUXEL

, 29.04.2017, 05:08 Uhr / Lesedauer: 5 min

Frau Petersen, Sie sind ja ein bisschen prominent, weil Sie jede Woche oder jede zweite Woche in der ARD am Dienstagabend um 21 Uhr im Fernsehen zu sehen sind – und rund sechs Millionen Zuschauer sehen zu. Wie fühlt sich das an, in so einer Öffentlichkeit zu stehen? Das fühlt sich gut an, aber in erster Linie geht es mir um die Arbeit – also eine Rolle zu spielen und mit den anderen Schauspielern zusammenzuarbeiten. Das ist ein großes Geschenk, denn man kann sehr viel von den anderen lernen. Und es macht auch noch Spaß.

Sind Sie mir böse, wenn ich zugebe, dass ich vor einem halben Jahr aufgehört habe, die Serie zu gucken?

Furchtbar böse (lacht). Ausgerechnet, wenn ich dazu komme, hören Sie auf, die Serie zu gucken.Meiner Frau war das inhaltlich auf Dauer zu flach. Das hat aber nichts mit Ihnen zu tun. Hören Sie das schon mal?

„Flach“ das ist doch eine Definitionsfrage. Manche sagen, Unterhaltung ist generell flach. Ich bin nicht der Meinung. Wir greifen verschiedene Themen auf, auch polarisierende oder problematische wie zum Beispiel aktive Sterbehilfe. Das würde ich nicht als flach bezeichnen. Das ist für uns Schauspieler dann gerade auch das Spannende daran.  

Was sagen denn Verwandte, Bekannte, Freunde zu Ihrer neuen Rolle im Fernsehen?

Die finden das ganz toll (lacht).

 

Gucken Sie dienstagabends selbst die Erstausstrahlung im Fernsehen?

Wenn ich die Zeit habe, ja. Sonst schaue ich es mir in der Mediathek an. Neugierig bin ich natürlich immer.

 

Lassen Sie uns mal zu Ihnen persönlich kommen: Aufgenommen wird in...

... Leipzig. Wir drehen dort in den Studios der media city leipzig. Ich pendele von Berlin.

 

Sie kommen aber aus Castrop-Rauxel...

... ja, und bin mit 19 nach Berlin gezogen. Ich war auf der Grundschule an der Ahornstraße, dann am Ernst-Barlach-Gymnasium.

 

Wie sind Ihre Erinnerungen mit dem Blick aus Berlin?

Da denke ich immer an die vielen Freunde – wir haben uns oft getroffen, abends hier im Stadtgarten oder am Hallenbad-Spielplatz.

 

Haben Sie Abi gemacht?

Ich habe abgebrochen in der zwölften Klasse, weil ich wusste, in welche Richtung es gehen sollte. Ich habe an dem naturwissenschaftlichen Ansatz des Gymnasiums für meinen Lebensweg nicht so viel Sinn gesehen und mich entschieden, mich für Bewerbungen an Schauspielschulen vorzubereiten.

 

Wann fing das mit dem Schauspiel an?

Ich habe mit elf Jahren erstmals auf einer Bühne gestanden, als wir mit der Montagsgruppe das Musical „Cats“ aufgeführt haben. Das war eine Gruppe, die die Mutter einer Freundin geleitet hat.

 

Mit Gesang?

Nein, Playback. Wir haben getanzt. Das war sehr witzig und da habe ich gemerkt, dass mir das Spaß macht. Mit 14 bin ich in den Jugendclub des Westfälischen Landestheaters gegangen und habe meine erste richtige Bühnenerfahrung gemacht. Ich habe Praktika gemacht, zum Beispiel in der Maske, in der Theaterpädagogik geholfen, auch mal souffliert. Die Schauspieler, die zu dem Zeitpunkt dort gearbeitet haben, haben mich unter ihre Fittiche genommen und mir Feedback gegeben. Ich habe das aufgesaugt wie ein Schwamm!

 

Eine gute Schule?

Ja, super! Abgesehen davon, dass es toll war, Leute kennenzulernen und von diesem Gefühl, auf der Bühne zu stehen, war es eine gute Vorbereitung für die Schauspielschule.

 

Gab es einen Mentor?

Ja, Stefan Leonard war immer ein großes Vorbild für mich. Aber eigentlich fand ich sie alle toll, sie waren meine Idole.  

2009 ging es in die große Welt nach Berlin...

Das war eher Zufall. Mein bester Freund aus Castrop ist nach Berlin gezogen zum Studieren, dort konnte ich wohnen. Ich hatte mir ein paar Schulen rausgesucht, bin dann für einen Monat hingefahren und habe Vorsprech-Termine besucht. Die „berliner schule für schauspiel“ hat mir direkt einen Ausbildungsvertrag angeboten, zwei Monate später bin ich umgezogen und habe im Mai 2010 angefangen.

 

Als Schauspieler ist man ist selbstständig wie ein Unternehmer, oder?

Ja, man muss für sich klar stellen, in welche Richtung man will und dann hart arbeiten. Bewirbt sich bei Theatern, Agenturen, muss umtriebig sein, Alles mitnehmen. Ich hatte das Glück, früh Dreherfahrungen für 3Sat mit Olaf Schubert zu sammeln.

 

Ist das dieser sächselnde Comedian?

Genau. (lacht) Ganz toller Mensch! Es war zwar ein kleinerer Rahmen, aber perfekt für mich als Auftakt für diese Fernsehwelt. Ich habe seine Praktikantin gespielt in einer Mischung aus Sketchen und Liveshow. Mit dem Material konnte ich mich bei Agenturen bewerben und habe schnell eine gefunden. Dann kam ein großes Casting für die Sat.1-Serie „Frauenherzen“. Da habe ich meine erste Hauptrolle bekommen. Dann ging es so richtig los.

 

Wie viele Jobs haben Sie gleichzeitig?

Einige. (lacht) Fest bin ich bei „In aller Freundschaft“, darauf liegt der Fokus.

 

Ist es aufwendiger an einem Theater zu arbeiten?

Es ist eine andere Arbeit. Man hat im besten Falle sechs Wochen Probezeit, also auf einen Schlag vermutlich mehr Text, aber auch mehr Zeit. Die Herausforderung beim Drehen liegt darin, es auf den Punkt so gut zu machen, wie es geht – und dann im besten Fall bei der Wiederholung genauso gut. Beim Theater kann man viel ausprobieren, Dinge auch mal ganz anders machen. Und es sind zwei sehr unterschiedliche Techniken. Beim Theater spricht man zum Beispiel anders, muss ja bis in die letzte Reihe des Saals kommen. Beim Fernsehen ist alles ein bisschen mehr zurückgenommen.

 

Machen Sie denn Theater?

In letzter Zeit nicht so wirklich. Ich habe nach meiner Ausbildung ein halbes Jahr für die mittelsächsische Theaterstiftung in „Die Räuber“ von Schiller den Spiegelberg gespielt; als Frau, obwohl es eine Männerrolle ist. Man ist aber sehr eingebunden, wenn man fest in einem Haus angestellt ist. Dann hat man nicht so flexibel Zeit zum Drehen. Darauf habe ich mich jetzt erstmal fokussiert. Aber ich halte mir alles offen. Musical wollte ich immer schon mal machen – mit elf „Cats“ zu spielen, das hat mich inspiriert (lacht).Jetzt habe ich auch gerade mit „Synchron“ angefangen. Da muss ich mich von ganz unten hocharbeiten.  

Synchonsprecherin für ausländische Produktionen?

Ja. Ich habe bei „Criminal Minds“ angefangen, kleine Rollen zu sprechen. Man ist mit mehreren Leuten in einem Aufnahmestudio und fängt mit kleinen Rollen an, denn die sehr eigene Technik muss man auch erst einmal lernen. Im besten Fall kann man sich zu großen Rollen hocharbeiten. Parallel schreibe ich mit einer Freundin an einem Blog, einem Podcast und eine Live Tour ist in Planung.

 

Worum geht es?

Wir setzen uns für verschiedene Dinge ein und schreiben gesellschaftskritisch. In einer Kolumne ging es zum Beispiel um das Phänomen, dass Menschen laut Statistik in den seltensten Fällen einen höheren Bildungsabschluss anstreben als ihre Eltern; und wie sich das anfühlt, wenn man sagt: „Ich komme aus einer Arbeiterfamilie und gehe jetzt studieren.“ Jura zum Beispiel. Zu welcher der zwei Welten, die aufeinanderprallen, fühlt man sich dann zugehörig? Wie fühlt man sich irgendwo dazwischen?

 

Zurück zu Ihren Rollen: Spielen Sie lieber fröhliche oder Bösewichte?

Insgesamt werde ich oft als Sympathieträgerin besetzt. Ich spiele das sehr gern. Aber ich hätte auch große Lust dazu, mal eine Rolle zu spielen, die in die komplett andere Richtung geht.

 

Die Kunst des Schauspiels ist, eine Rolle zu verkörpern. Wie sehr sind Sie selbst die Miriam aus „In aller Freundschaft“?

Ein Stück weit steckt von mir was in ihr drin. In manchen Situationen würde ich aber definitiv anders reagieren als sie. Ich würde eher drüber nachdenken, als einfach Sätze rauszuhauen. Ich würde sagen ich distanziere mich von Miriam, ohne ein komplett anderer Mensch zu sein.

 

Bahnt sich für Miriam was an, vielleicht mit Herrn Brenner?

(lacht) Wieso gerade mit ihm?

 

Naja, er ist doch Single...

Das haben viele Fans gesagt, darum bin ich gerade überrascht, dass Sie das sagen.

 

Und?

Natürlich ist vorgesehen, dass man etwas mehr über Miriam erfährt. In welche Richtung das geht, lasse ich aber offen.

 

Sie haben Fans gesagt. Gibt es richtige Fans?

Ja, es gibt viele, die die Serie seit Jahren gucken und jede Rolle in- und auswendig kennen. Sie kritisieren natürlich auch gerne mal.

 

Die schauspielerische Leistung oder das Verhalten der Rolle?

Sowohl als auch.

 

Leben die also in der Welt der Sachsenklinik?

Das weiß ich nicht. Aber ihnen ist das Leben dort und wie die Serie sich entwickelt wichtig.

 

Ist das cool oder komisch?

Natürlich ist es neu, wenn man merkt, dass Leute sich mit meinem Job so intensiv auseinandersetzen. Aber die Fans machen ja erst möglich, dass die Serie seit 18 Jahren läuft, jetzt um drei Jahre verlängert wurde. Es braucht diese extrem große Community.  

Wie gehen Sie mit Feedback um? Müssen Sie auf Nachrichten antworten, oder machen Sie das freiwillig, weil Sie denken, dass es gut für die Fanbindung ist?

Ich finde, ein Miteinander ist nie verkehrt. Wenn ich Nachrichten auf Facebook oder Instagram bekomme, versuche ich, sie zu beantworten, so gut es geht. Wenn viel auf einmal kommt, ist das manchmal schwer zu bewältigen, aber ich freue mich immer über diese Form der Unterstützung.

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