Reise stornieren oder abwarten? Top-Ratschläge der Verbraucherzentrale

rnCorona-Krise

Die Verbraucherzentrale Castrop-Rauxel wird überschwemmt von Corona-Fragen. Die meisten Hilferufe beziehen sich auf Reise- und Konzertabsagen und was zu tun ist bei einer großen Feier.

Castrop-Rauxel

, 26.04.2020, 16:53 Uhr / Lesedauer: 4 min

Auch wenn die geschlossene Tür und der dunkle Empfangsraum vielleicht anderes vermuten lassen: Die Castrop-Rauxeler Verbraucherzentrale ist auch in dieser Zeit für die Verbraucher da. Die Nachfrage sei sogar größer als üblich, sagt Rose Sommer, die Leiterin der Castrop-Rauxeler Verbraucherschützer.

Nach der Schließung der Beratungsstellen in NRW am 16. März ging drei Tage später eine kostenlose Corona-Hotline ans Netz, in der alle Fragen rund um das Thema angenommen und beantwortet werden. Bis zum 14. April, meldet Rose Sommer jetzt, gingen über 7000 Anrufe auf der Hotline ein, von denen über die Hälfte in ausführliche Beratungen mündeten. Aber was sind die Fragen?

? Was sind die Top-Anfragen an die VZ in der Corona-Krise?

Das Gros der Fragen betrifft das Thema Reiserecht: Hier geht es um Erstattungen für abgesagte Reisen im März und April. „Die Rechtslage ist eindeutig“, sagt Rose Sommer: „Die Erstattung muss innerhalb von 14 Tagen erfolgen, aber mit Blick auf eine etwaige Gutscheinlösung wurde sie von den Anbietern zum großen Teil nicht geleistet.“ Es gebe die Frage nach anstehenden Restzahlungen für Reisen im Mai oder Juni. „Hier haben wir noch keine offizielle Reisewarnung.“ Es gehe bis zur Frage, ob man Reisen für dieses Jahr nicht sowieso besser stornieren sollte, solange die Stornogebühren noch gering sind.
„Jedes Gespräch, das ich hier führe, ist so individuell wie der Verbraucher und der Rat kann daher auch unterschiedlich sein“, sagt Rose Sommer: Ist jemand eher ängstlich oder streitlustig? Möchte der Verbraucher Sicherheit oder ist er risikobereit? Geht es ihm ums Geld oder ums Prinzip?
„Für die 80-jährige Risikoperson, die eine Reise im Herbst gebucht hat, aber eigentlich gar nicht mehr reisen will, ist vielleicht eine Stornierung bei moderaten Stornokosten die bessere Lösung als die Wette darauf, dass die Reise im Herbst gar nicht durchgeführt werden kann“, meint Rose Sommer. „Wer streitlustig ist und eine Rechtschutzversicherung hat, kann die Restzahlung für eine nach aller Wahrscheinlichkeit nicht stattfindende Reise im Frühsommer eher verweigern als jemand, der ein schlechtes Nervenkostüm hat und sich vor Mahnungen und einem eventuellen Rechtsstreit fürchtet.“
Man habe aber nicht nur die Rechtslage im Blick, sondern immer auch den Verbraucher und seine Möglichkeiten. „Und auch, wenn wir in Zeiten von Corona nicht immer die eine richtige Antwort geben können, weil viele rechtliche Fragen noch ungeklärt sind, so zeigen sich die Verbraucher doch sehr dankbar, dass wir ihnen bei ihrer Entscheidungsfindung zur Seite stehen“, sagt Rose Sommer. „Auch wenn das Gespräch dann einmal etwas länger dauert.“

? Gibt es weitere Themen, die stärker auf der Agenda stehen als üblich?

„Der zweite, stark nachgefragte Themenkomplex sind abgesagte Veranstaltungen“, sagt Rose Sommer. Sie beträfen dabei sowohl von Veranstaltern abgesagte Konzerte und Events, aber auch langfristig gebuchte und jetzt stornierten private Feiern wie runde Geburtstage, Hochzeiten, Kommunion- und Konfirmationsfeiern. Auch hier müsse man den Einzelfall prüfen: Was sehen die AGB vor? Ist die Leistung überhaupt zu erbringen? „Wenn nicht, ist der Ticketpreis oder die Anzahlung für die Feier zu erstatten“, sagt Rose Sommer.
Gibt es die Möglichkeit, den bestehenden Vertrag anzupassen, also die Feier zu verschieben, das Konzert zu einem anderen Zeitpunkt zu besuchen? Gibt es für beide Seiten annehmbare Lösungsansätze? „Auch hier reicht es den Verbrauchern oft, im Gespräch einmal alle Varianten durchzuspielen, um dann selbst zu einer Lösung bzw. Entscheidung zu kommen“, so Sommer.

? Wie rechtlich sicher ist denn das alles?

„Es gibt ein scheinbares rechtliches Vakuum“, so formuliert es Rose Sommer - und zwar durch die Ankündigung einer Gutscheinlösung für alle diese Fälle. „Das macht die Beratung nicht leichter“, findet die VZ-Chefin. „Sowohl Anbieter als auch Verbraucher warten jetzt auf die Ergänzung zur bestehenden Rechtslage.“ In ihren Gesprächen gehe es daher oft um Deeskalation und Versachlichung. „Natürlich sind die Verbraucher betroffen und oft auch emotional, haben das Gefühl, eiskalt abgezockt zu werden. „Oder sie glauben irgendwelchen Gerüchten und Verschwörungstheorien wie ‚Denen da oben wird immer geholfen und uns lässt man im Regen stehen‘.“
Die Verbraucherzentrale zeige den Menschen dann, dass sie nicht allein gelassen werden. Sommer: „Insofern leisten wir auch unseren Beitrag zum Erhalt des sozialen Friedens.“

? Gibt es viele Menschen, die zurzeit ihre Mieten oder Rechnungen stunden müssen?

In dieser Woche habe es vermehrt Anfragen zum Thema Leistungsverweigerungsgesetz gegeben, sagt die VZ Castrop-Rauxel: Was muss ich tun, wenn ich meine Miete oder die Stromrechnung nicht mehr zahlen kann? Kann ich einfach den Dauerauftrag stoppen? „Nein, bitte vorher dem Vermieter bzw. Anbieter die Einstellung der Zahlung ankündigen“, rät Rose Sommer. Muss ich ggf. meine finanzielle Situation nachweisen? „Ja, es muss deutlich sein, dass der Engpass Corona-bedingt ist.“ Muss ich die Rechnungen nach den drei Monaten auf einen Schlag zahlen? „Grundsätzlich ja, deswegen sollte man frühzeitig mit den Vermietern oder Anbietern Rückzahlungs- bzw. Ratenzahlungsvereinbarungen treffen“, sagt Rose Sommer.

? Gibt es auch Nicht-Corona-Themen oder überlagert das zurzeit alles?

„Es gibt auch noch Nicht-Corona Anfragen“, sagt Rose Sommer und zählt auf: ungewollte Internetdienste, am Telefon ausgemachte Abos, Telefonverträge, die sich auf wundersame Weise verlängern, unplausible Energierechnungen und mehr.

? Was sind die drei zentralen Standard-Auskünfte, die die VZ gibt?

„Standard-Auskünfte kann man schwerlich geben, weil viele Fälle doch wieder im Detail verschieden sind“, sagt Rose Sommer. Die individuelle Beratung unterscheide die VZ von den allgemeinen Standardauskünften, die man im Internet findet.

? Was wird weniger gefragt in dieser Phase, das sonst zum absoluten Top-Standard zählt?

Es gibt derzeit wohl weniger Probleme mit überdimensionierten und so nicht gewollten Handyverträgen. Das liegt wohl auch daran, dass die Handy-Shops länger geschlossen waren. Auch um die Standardthemen Abzocke und Phishing sei es erst ruhiger geworden, „da tauchen aber jetzt die ersten neuen Abzockversuche mit Corona-Bezug auf“, so Rose Sommer: Fake-Shops im Internet, die Produkte wie Toilettenpapier oder Schutzmasken anbieten aber nicht liefern. Und Phishing-Mails angeblich von der Sparkasse, die zur Eingabe von Bankdaten animieren wollen.

So erreicht man die VZ Castrop-Rauxel

Die Beratungsstelle in der Mühlengasse in Castrop bleibt bis auf Weiteres für den Publikumsverkehr geschlossen. Kostenpflichtige persönliche Beratungen finden nicht statt. Per E-Mail und Telefon (Tel. 02305/6987901) sind die Fachleute zu folgenden Öffnungszeiten erreichbar:
  • Mo: 9 - 12 und 14 - 18 Uhr
  • Di: 9.30 - 15 Uhr
  • Mi: geschlossen
  • Do: 9 - 12 und 14 - 18 Uhr
  • Fr: 9.30 - 15 Uhr
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