Riesen-Anlage rollt per Schwertransport am 2. Juni nach Castrop-Rauxel

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So einen Schwertransport hat die Stadt Castrop-Rauxel wohl selten gesehen: Am 2. Juni rollt eine riesige Industrieanlage über die Straßen der Europastadt. Sie kommt aus der Schweiz ins Ruhrgebiet.

Castrop-Rauxel

, 19.05.2020, 14:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Vergleich, den die Firmen-Chefs im Austausch mit unserer Redaktion wählen, ist schon speziell: „Die beiden Riesenapparate haben kombiniert die Länge eines Fußballfeldes und zusammen das Gewicht eines Blauwals und einer Lokomotive.“ Am 2. Juni kommt eine Industrieanlage nach Castrop-Rauxel, die von der Größe her ihresgleichen sucht und fast am ganzen Stück transportiert wird.

Streng genommen handelt es sich dabei um zwei Anlagen mit je 125 Tonnen Gewicht und 44 Metern Länge - und mit ein und demselben Ziel: Sie sollen im Rütgers-Werk eingebaut werden und ersetzen dort den alten Phenol-Betrieb, der diesen Sommer abgeschaltet wird.

Hier wird gebaut: Rütgers bekommt am 2. Juni zwei neue Riesen-Apparate ins Werk geliefert, die den Phenol-Betrieb ersetzen werden.

Hier wird gebaut: Rütgers bekommt am 2. Juni zwei neue Riesen-Apparate ins Werk geliefert, die den Phenol-Betrieb ersetzen werden. © Tobias Weckenbrock

Die Anlagen wurden in Allschwill in der Schweiz bei der Firma Sulzer zusammengebaut. Von dort brachte ein Schwertransport sie über die französische Grenze nach Birsfelden, einem Rheinhafen. Dort werden sie verladen und treten dann ihre weitere Reise per Schiff über den Rhein und den Rhein-Herne-Kanal nach Castrop-Rauxel an.

Am 2. Juni werden sie in Castrop-Rauxel am Kanalhafen erwartet. Von dort geht es dann per Schwertransport über die Straße bis zum zukünftigen Betriebsstandort im Rauxeler Rütgers-Werk.

10 Millionen Euro Investitionsvolumen

„Die beiden Apparate sind Teil eines Projektes mit rund 10 Millionen Euro Investitionsvolumen“, erklärt Geschäftsführer Günther Weymans. Zehn Prozent des jährlichen Energieverbrauches des Werkes spare man dadurch. Die Spezialchemie-Destillation werde durch einen neuen innovativen Trennprozess und Extraktionstechnik „umweltschonend modernisiert“, heißt es aus der Firmenzentrale. 30 Prozent der Investitionen werden öffentlich über ein Programm der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) gefördert.

Dieses Gerät macht bei Rütgers in Rauxel den Phenol-Betrieb, den der Geschäftsführer als uralt, abfallträchtig und energieintensiv bezeichnet, überflüssig.

Dieses Gerät macht bei Rütgers in Rauxel den Phenol-Betrieb, den der Geschäftsführer als uralt, abfallträchtig und energieintensiv bezeichnet, überflüssig. © Rütgers Germany

Nach der Inbetriebnahme des in der Fachsprache als „Dual Solvent Prozess“ bezeichneten Betriebes wird der Phenol-Betrieb in Rauxel geschlossen. Als uralt, abfallträchtig und energieintensiv bezeichnet ihn Weymans gegenüber unserer Redaktion.

Stellenabbau schon im Jahr 2018

Im Phenol-Betrieb wurden 2018 im Vorgriff Arbeitsplätze abgebaut. Verbliebene Mitarbeiter werden nach der Schließung der alten Anlage entweder die neue Anlage bedienen oder bei der noch größeren neuen Anlage zur Herstellung wasserklarer Harze (HHCR-Anlage) eingesetzt, die kürzlich Anfang Mai in Betrieb ging.

Bram D'hondt ist Teil der Geschäftsführung von Rütgers Germany. Er arbeitet in Rauxel.

Bram D'hondt ist Teil der Geschäftsführung von Rütgers Germany. Er konzipierte mit einem Team von Fachleuten die neue Anlage, die im Juni in Rauxel aufgebaut wird. © Tobias Weckenbrock

Bevor Bram D’hondt vor zwei Jahren Geschäftsführer bei Rütgers Germany wurde, entwickelte er mit seinem Team die Technologie im Labor und erprobte sie beim Maschinenbauer. Projektleiter ist Peter Prions. „Wir sind stolz auf unsere Mitarbeiter und Miterfinder dieser speziellen Technologie, die unsere Spezialchemie modernisiert“, so Weymans. Man spare Energie und produziere ab September ohne Abfall und mit weniger CO2-Emissionen.

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