Robin S., seine Zeit im Knast, seine Aktivitäten in der Neonazi-Szene und bei Combat 18

rnCombat 18

Nach der Razzia an der Bahnhofstraße in Castrop-Rauxel fragen sich viele: Wer ist Robin S., dessen Wohnung die Polizei nach dem Verbot der Gruppe „Combat 18“ durchsuchte?

Castrop-Rauxel

, 24.01.2020, 11:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Bundesinnenministerium hat die Gruppe „Combat 18“ am Donnerstag (23.1.) verboten. Damit einher ging eine Razzia in sechs Bundesländern, unter anderem in der Wohnung von Robin S. aus Castrop-Rauxel, der in einem Hochhaus an der Bahnhofstraße lebt.

Er ist in der Szene bekannt und berüchtigt, auch, weil er durchaus offen mit seiner rechtsextremen Einstellung umgeht. Er ist gebürtiger Dortmunder und ist der Neonazi-Szene der Castrop-Rauxeler Nachbarstadt zuzurechnen. Dortmund fiel 2009/2010 und in den Jahren 2013 bis 2018 mehrfach als Tatort militanter Nazis auf. Und Dortmund ist auch der Ort, an dem sich Mitglieder der Gruppe „Combat 18“ öffentlich in Szene setzen.

Robin S. lief bei Nazi-Aufmarsch mit und trägt ein spezielles Tattoo

Robin S. posierte am 3. Oktober 2018, dem Tag der Deutschen Einheit, auf einer Nazi-Demonstration am Dortmunder Nordmarkt in einem T-Shirt der Gruppierung. An seiner Seite war damals der Führungskader der Nazi-Partei „Die Rechte“, die in Dortmund gegründet wurde. Auf dem Hals von Robin S. prangt eine Tätowierung: Sie zeigt zwei gekreuzte Stabhandgranaten – das Symbol einer Einheit der Waffen-SS.

Aufgewachsen im Dortmunder Stadtteil Brechten, zeigte sich dort auch sein Bezug zu Waffengewalt und Drogen im Jahr 2007. Weil er nach Recherchen unserer Redaktion im Drogengeschäft entstandene Schulden begleichen musste, wollte er einen Supermarkt überfallen.

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Dabei kam es zu Schüssen: Er eröffnete das Feuer auf einen Afrikaner und verletzte ihn dabei lebensgefährlich. Ein Gericht verurteilte ihn zu acht Jahren Gefängnis. Dort baute er einen Briefkontakt zu Beate Zschäpe auf, die als Terroristin im Nationalsozialistischen Untergrund erst in den vergangenen Jahren außerhalb der Szene so richtig Bekanntheit erlangte.

Vom Verfassungsschutz intensiv beobachtet

In NRW sollen sich wohl nicht einmal zehn C18-Mitglieder aufhalten. Sie verhalten sich extrem konspirativ, ein Verhalten, das man aus Terroristenkreisen kennt. Der NRW-Verfassungsschutz beobachtet sie und die Entwicklung ihrer Gewaltbereitschaft „intensiv“.

Laut einem Bericht der Landesregierung an den Düsseldorfer Landtag „ist bei den Anhängern von einer Waffenaffinität und individuellen Gewaltbereitschaft auszugehen“. Auch ausländische Nachrichtendienste haben Combat 18 im Visier.

Ehemalige NWDO-Mitglieder weiter gemeinsam aktiv

Einzelne und ehemalige Mitglieder der verbotenen „Blood & Honour“-Division und ihrer Jugendeinheit sind laut der Bundesregierung in der NPD und bei „Die Rechte“ aktiv oder „verfügen über Kontakte zu Parteimitgliedern“. Dazu zählt wohl auch Robin S.

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Seine Kameraden aus dem 2012 verbotenen „Nationalen Widerstand Dortmund“ (NWDO) sind teilweise in „Die Rechte“ übergegangen. Trotz NWDO-Verbots durch das NRW-Innenministerium sind die ehemaligen Mitglieder also weiter gemeinsam aktiv.

Inwiefern Robin S. nun aus Castrop-Rauxel weiter mitmischt, müssen nun die Ermittlungen zeigen. Auch dafür durchsuchte das Landesinnenministerium seine Wohnung am Donnerstagmorgen.

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