Rum bei Netto, Joghurt und Bier bei K+K: Urteil um Bagatell-Diebstähle

Ladendiebstahl

Die Frau hatte in zwei Läden gestohlen. Bier, Rum und ein paar Knabbersachen. Alles in allem für weniger als 20 Euro. Weil sie keine Erinnerung hatte, mussten Zeugen die Vorfälle schildern.

Castrop-Rauxel

, 15.07.2019 / Lesedauer: 3 min
Rum bei Netto, Joghurt und Bier bei K+K: Urteil um Bagatell-Diebstähle

Die Angeklagte hatte Bier, Rum und Knabbereien bei K&K gestohlen. © Tobias Weckenbrock

Zweimal soll die 53-Jährige gestohlen haben, so die Anklage. Beide Male ging es um wenig, mal eine Flasche Rum für 8,99 Euro in einem Dortmunder Discounter, das andere Mal um zwei Flaschen Bier, Joghurt, Knabbereien und Süßes für gerade mal 8,28 Euro bei K & K in Castrop-Rauxel. Beide Mal wurde die Angeklagte erwischt, doch daran konnte sie sich in der Hauptverhandlung vor dem Amtsrichter nicht erinnern.

Ihr großes Problem sind Drogen bzw. der Ersatzstoff Methadon. Das leugnet die Frau gar nicht, hält die angeklagten Taten durchaus für möglich. „Es wird wohl so gewesen sein“, meinte sie, nachdem der Staatsanwalt die Vorwürfe vorgetragen hatte.

Ladendetektive als Zeugen

Auch wenn die Angeklagte damit ein Geständnis ablegen wollte, galt die Zustimmung vor Gericht nicht. „Ich kann nur ein Urteil fällen, wenn das Vergehen bewiesen werden kann“, hatte der Richter erläutert.

Und das leisteten in der Fortsetzungsverhandlung die beiden Ladendetektive, die die 53-Jährige jeweils auf frischer Tat ertappt hatten. „Ich habe sie beobachtet, als sie durch den Laden ging“, schilderte der Mitarbeiter von K & K. „Dabei hat sie von den Knabbereien sogar schon etwas gegessen. Als sie dann ohne zu bezahlen durch die Kasse ging, habe ich sie angesprochen.“

Angeklagte im Büro des Detektivs eingeschlafen

In seinem Büro wollte er die Frau, die sich nicht ausweisen konnte, zur Rede stellen. Doch statt zu antworten sei sie einfach eingeschlafen, berichtete er. Er hatte spätestens da den Verdacht, dass sie abhängig sei.

Auch auf den Mitarbeiter des Dortmunder Discounters, wo sie eine Flasche Bacardi mitgehen lassen wollte, hatte die Angeklagte verwirrt gewirkt. „Sie schien irgendwie mitgenommen“, meinte er bei seiner Zeugenaussage.

Die Angeklagte selbst konnte sich nach wie vor nicht erinnern. „Ich habe die beiden Männer nicht wiedererkannt“, sagte sie. Auch ihren zahlreichen Vorstrafen hängen mit ihrem langjährigen Drogenkonsum zusammen.

53-Jährige muss noch Geldstrafen abstottern

Heute wird die Frau in ihrem Alltag ambulant betreut, will weg von den Drogen, raus aus ihrer Isolation. Auch finanziell sieht es nicht gut aus, zumal sie noch ältere Geldstrafen abstottern muss. „Ich möchte die neue Strafe gern abarbeiten“, bat sie den Richter. Der durfte per Gesetz nur eine Geldstrafe verhängen, 50 Tagessätze zu je 10 Euro, hatte aber einen wertvollen Rat.

Die 53-Jährige wird nun beantragen, die Geldstrafe umzuwandeln in Arbeitsstunden. Das würden dann pro Tagessatz vier Stunden Arbeit. Eine ganze Menge, doch die Angeklagte kann dieser Variante viel abgewinnen. „So komme ich aus meiner Isolation heraus“, hofft sie, entschlossen, ihrem Leben eine positive Wendung zu geben.

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