Für alle Wanderer haben wir hier eine 11,5 Kilometer lange Strecke durch den um den nördlichsten Castrop-Rauxeler Ortsteil. Getestet mit Experten des Sauerländischen Gebirgsvereins.

Castrop-Rauxel

, 06.07.2018, 15:01 Uhr / Lesedauer: 6 min

Eine Wanderung rund um Henrichenburg, den nördlichsten Stadtteil von Castrop-Rauxel, mag auf den ersten Blick kein einfaches Unterfangen sein. Man bewegt sich schließlich auf städtischem Gelände, das wenig geeignet für eine Erkundung zu Fuß erscheint. Entgegen dieser Erwartung bietet diese Runde einige schöne Ein- und Ausblicke über die Umgebung und auch die Geschichte der Stadtteile Henrichenburg, Ickern sowie den südwestlichen Zipfel der Stadt Waltrop.

Von wegen, alles ist nur Grau in Grau. Da ist durchaus viel Grün und Blau mit dabei. Eine archäologische Stätte vermag den interessierten Wanderer sogar besonders zu überraschen. Der Besuch der alten und neuen Schleusenanlagen rund um das Schiffshebewerk Henrichenburg, die als Industriedenkmal zur Besichtigung einladen, ist natürlich ebenfalls ein Highlight dieser Route.

Werner Laukel (SGV, v.l.), Autor Matthias Stachelhaus und Manfred Pietschmann (SGV) starten ihre Tour bei bestem Wanderwetter im Zentrum bon Henrichenburg. Im Hintergrund das Wahrzeichen, der „abgesägte“ Kirchturm von St. Lambertus.

Werner Laukel (SGV, v.l.), Autor Matthias Stachelhaus und Manfred Pietschmann (SGV) starten ihre Tour bei bestem Wanderwetter im Zentrum bon Henrichenburg. Im Hintergrund das Wahrzeichen, der „abgesägte“ Kirchturm von St. Lambertus. © Oliver Schaper

Mit besonderen Steigungen hat man auf der Tour nicht zu kämpfen. Sicherlich geht es einige Male ein wenig „bergauf“. In erster Linie sind hier aber die Anstiege rund um den Rhein-Herne-Kanal zu nennen. Die einzige Ausnahme bildet der Teilabschnitt um die alte Schachtschleuse, bei der es ein paar Höhenmeter am Stück zu überwinden gilt.

Unser Startpunkt ist das Kirchenportal der Lambertuskirche in Henrichenburg. In den umgebenden Wohnstraßen finden sich ausreichend Parkmöglichkeiten für Wanderer, die mit dem Auto anreisen. Wer mit dem Bus anreist, steigt an der Haltestelle Henrichenburg-Mitte aus.

Ein „abgesägter“ Kirchturm

1902 wurde mit dem Bau des neugotischen Kirchenbaus nach Plänen von Wilhelm Sundermann-Plaßmann begonnen. Im Zweiten Weltkrieg jedoch zerstörte eine Bombe zunächst den Altarraum und gegen Kriegsende wurde auch der Turm zerstört. Bei den späteren Aufbauarbeiten wurde die Turmspitze nicht wieder erneuert und gab dem Turm sein charakteristisches „abgesägtes“ Aussehen. Heute ist St. Lambertus eine Filialkirche der katholischen Kirchengemeinde St. Dominikus in Datteln.

Landschaftsarchäologischer Park Henrichenburg

Wir gehen links an der Bäckerei vorbei und rechts in die Freiheitsstraße hinein. Nach ungefähr 400 Metern laufen wir rechter Hand auf den landschaftsarchäologischen Park Henrichenburg zu. Dabei ist die Henrichenburg heute keine Burg mehr, wie man sie vielleicht erwarten würde. Erstmals urkundlich erwähnt wurde die Anlage 1263. Nach über 500 Jahren und mehrfachem Wechsel des Besitzers wurde sie 1787 wegen Baufälligkeit abgebrochen. Was an Material noch verwendet werden konnte, wurde zum Bau des in der direkten Nachbarschaft gelegenen neuen Gutszentrums Haus Henrichenburg verwendet.

Wertvolles archäologisches Material gefunden

Erst 1994 tauchte die alte Burg wieder aus der Versenkung auf, als bei Bauarbeiten auf dem Gelände allerhand wertvolles archäologisches Material gefunden wurde. Der hohe Grundwasserpegel und die Tatsache, dass das Burggelände lediglich als Wiese genutzt wurde, führten zu den sehr gut erhaltenen Funden. Ein vollständig konservierter Eichenast mitsamt Blättern oder Teile der hölzernen Wasserleitungen waren die wohl interessantesten Funde. Nach Abschluss der archäologischen Arbeiten wurde die Burg wieder aufgebaut. Allerdings nicht mit Mörtel und Steinen. Landschaftsarchitektonische Elemente, wie Hecken oder säulenförmige Bäume, wurden Mauern, Türmen und Gebäuden der Burg nachempfunden. So können wir heute durch die alten Gemäuer der Burg spazieren, die als Park angelegt sind.

Rundwanderweg durch das schöne Henrichenburg

Hinter der Anlage gehen wir zum Uferweg des Rhein-Herne-Kanals und wandern rechts den Kanal entlang. Alternativ kann man ein Stück zurückgehen und vor der Anlage parallel durch die Siedlung den Radwegweisern zum Kanalufer folgen. Das Teilstück gehörte ursprünglich zum Dortmund-Ems-Kanal und wurde nach siebenjähriger Bauzeit am 11. August 1899 durch Kaiser Wilhelm II. feierlich eröffnet. Gründe für den Bau waren die Entlastung der Eisenbahn, die alleine nicht mehr in der Lage war, die Produktion des Ruhrgebiets zu transportieren, sowie die Förderung der Ruhrkohle, die seit den 1880ern Konkurrenz durch englische Importkohle erfuhr. Erst später zählte man das Teilstück zum Rhein-Herne-Kanal.

Nach etwa zwei Kilometern erreichen wir den Schleusenpark Waltrop mit dem auch für Nichtmuseumsgäste zugänglichen Biergarten am Gastrobus. Wer mag, kann hier einkehren und sich in und um den umgebauten englischen Doppeldecker-Oldtimer, Baujahr 1959, der früher in London auf der Linie 35 im Einsatz war, sowohl mit warmen als auch mit kalten Getränken erfrischen.

Wir wandern weiter durch die Straße Im Depot und kommen, uns links haltend, zum Eingang des LWL-Museums mit dem historischen Schiffshebewerk. Einem – wenn nicht sogar dem – Highlight der Tour. Das alte Schiffshebewerk wurde nach den Plänen des Stettiner Schiffbauingenieurs Rudolph Haack gebaut und ebenfalls, wie schon das Teilstück des Dortmund-Ems-Kanals selber, am 11. August 1899 von Kaiser Wilhelm II. eingeweiht.

Schlüsselbauwerk des Dortmund-Ems-Kanals

Es war ein Schlüsselbauwerk des Dortmund-Ems-Kanals, denn erst mit seiner Fertigstellung konnte der Kanal bis zum Dortmunder Hafen befahren werden. Es ist das größte und spektakulärste Bauwerk im Verlauf des alten Dortmund-Ems-Kanals. Nachdem das neue Hebewerk seinen Betrieb aufnahm, wurde das alte Hebewerk 1969 endgültig stillgelegt. Danach verfiel es. Auch ein Abriss wurde zunächst erwogen.

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Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) beschloss jedoch 1979, das technische Denkmal als Standort des Westfälischen Industriemuseums zu nutzen, heute das LWL-Industriemuseum und ein Ankerpunkt der Route Industriekultur. Nach der Restaurierung und Rekonstruktion kann das alte Schiffshebewerk zusammen mit seinem unteren Vorhafen (Unterwasser), dem oberen Vorhafen und einem Stück Kanal (Oberwasser) als Museum besichtigt werden. Die ursprüngliche Funktion wurde zwar nicht wiederhergestellt, ein Besuch ist dennoch sehr lohnenswert.

Zwei Wege sind jetzt möglich

Wir gehen weiter unter der Unterführung hindurch und biegen direkt dahinter rechts in einen schmalen Fußweg ein, der uns ein kurzes Stück nach oben zum Gelände der alten Schachtschleuse bringt, die bis 1989 in Betrieb war. Hier gibt es dann zwei mögliche Wege. Wir können entweder zum Kanal hinunter und dann rechts durch die Schachtschleuse selber hinauf zum Oberwasser steigen oder auf einem Fußweg rechts, in einem Linksbogen um die Anlage herum, ebenfalls zum Oberwasser gelangen.

Oben angekommen genießen wir kurz den schönen Ausblick über den Schleusenpark Waltrop auf der einen Seite und die Fortführung des Kanals auf der anderen. Auch ein kurzer Stopp am auf der rechten Seite aufgestellten Informationsschild ist empfehlenswert. Hier bekommt man nicht nur Einblicke in die Geschichte des Schleusenparks, sondern kann sich auch anhand der Karte einen Überblick über dessen Größe und Anlage verschaffen. Auch laden Bänke entlang des Kanalufers zu einem kurzen Verweilen ein.

Ein Wegesystem innerhalb des Schleusenparks verbindet alte und neue Schleusen sowie die beiden Hebewerke.

Ein Wegesystem innerhalb des Schleusenparks verbindet alte und neue Schleusen sowie die beiden Hebewerke. © Matthias Stachelhaus

Weiter gehen wir am Oberwasser rechts, am Zaun des Museumsgeländes entlang, und schließlich links über die Brücke zum Abstieg vom Kanaldeich. Unten angekommen, gehen wir schräg rechts in den Feldweg hinein. Spätestens hier wird klar, dass Castrop-Rauxel viele eher ländlich gelegene Teile hat. Wir laufen geradeaus in den Wald und halten uns immer geradeaus auf dem Trampelpfad, bis wir die Bäume hinter uns lassen und auf die Straße In der Torfheide stoßen. Dort gehen wir rechts bis zur Einmündung der Eschstraße. Dieser folgen wir, bis wir links in die nicht asphaltierte Kainhorststraße einbiegen können.

Ein Stop beim Biobauernhof Heidbauer

Der Weg führt uns über Felder, die den Blick weit schweifen lassen. An einer Linksabzweigung halten wir uns geradeaus, bis wir die Häuser an der Vörstestraße erreichen. Wir halten uns dort 150 Meter rechts und biegen dann in den Fahrweg rechts ein, der uns unter der Autobahn A 2 hindurch zum Biobauernhof Heidbauer bringt. Dort wurde früher in der Brennerei ein Korn, der „Ickerner Doktor“, hergestellt. Heute ist die Spezialität des Hofes der selbst gemachte Ziegenkäse, der im eigenen Hofladen verkauft wird. Auch besteht hier eine Einkehrmöglichkeit. Das Sitzplatzangebot ist jedoch nicht für große Gruppen ausgelegt.

Weit schweifen darf der Blick auf dieser Tour immer wieder über die Felder rings um Ickern und Henrichenburg.

Weit schweifen darf der Blick auf dieser Tour immer wieder über die Felder rings um Ickern und Henrichenburg. © Matthias Stachelhaus

Wir verlassen den Bauernhof, biegen rechts ab auf den Fahrweg und erreichen kurz darauf die Aapwiesensiedlung mit ihren Straßennamen ehemaliger ostdeutscher Städte. Die aus kleinen zweistöckigen Häusern bestehende ehemalige Zechensiedlung wurde in den 1950er-Jahren auf dem Gelände der Firma Klöckner hauptsächlich für Heimatvertriebene errichtet.

Garten des Gedenkens ist sehenswert

Wir gehen jedoch nicht in die Siedlung, sondern überqueren links auf einer Brücke die Emscher und biegen sofort rechts in den Emscherradweg ein. Geht man stattdessen ein kurzes Stück geradeaus, findet man auf dem Ickerner Friedhof Bänke für eine Rast. Alternativ besteht hier erneut die Möglichkeit, die Route über den schön angelegten Friedhof weiterzuwandern. Besonders der Garten des Gedenkens auf dem Friedhof ist sehenswert. Dabei handelt es sich um einen eigenen Abschnitt des Friedhofs, der grundsätzlich durch einen Friedhofsgärtner betreut wird und parkähnlich angelegt ist.

Man folgt dem Friedhofsweg parallel zum Emscherradweg und folgt in der anschließenden Siedlung den Radwegweisern zum Kanalufer, um wieder zurück zur Ausgangsroute entlang der Emscher zu gelangen. Auch wenn die Renaturierung der Emscher diesen Abschnitt noch nicht erreicht hat, ist das Wandern entlang der ehemaligen „Kloake des Kohlenpotts“ nicht mehr zwangsläufig mit den damit einhergehenden Geruchsbelästigungen zu verbinden. Die Abwässer werden ab September nach und nach eh völlig aus der Emscher verschwunden sein.

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Auch ist der Emscherradweg gut ausgebaut und zumeist von Bäumen gesäumt. Als Fußgänger sollte man hier beachten, dass Fahrräder auf diesem Weg Vorrang haben, und darauf achten, dass man gut überholt werden kann. Als letzte von zwei Straßen überqueren wir die Henrichenburger Straße (B 235) und gehen kurz danach rechts über die Emscher. So gelangen wir zum Schöttelkamp, in den wir rechts einbiegen und in einem leichten Linksbogen wieder das Henrichenburger Zentrum mit unserem Ausgangspunkt, der Lambertuskirche, erreichen.

Für eine abschließende Einkehr bietet sich hier das Bäckereicafé an der Lambertuskirche an.

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Streckeninfos

  • Länge: 11,5 km
  • Höhenmeter: 27 Meter
  • Dauer: 3 Stunden 30 Minuten
  • Charakter: ruhige Tour mit viel Wasser und mehr Grün als Grau; das letzte
    Stück etwas städtischer
  • Wegebeschaffenheit: überwiegend geschotterte Radwege, teilweise Feldwege und Asphalt; kurzer Abstecher auf einem Trampelpfad
  • Start- und Zielpunkt: : St. Lambertus-Kirche, Lambertusstraße 3, in Henrichenburg; Parkmöglichkeiten in den angrenzenden Wohnstraßen. Die Bushaltestelle Henrichenburg Mitte liegt direkt am Startpunkt.
  • Schwierigkeit * *
  • Landschaft * * *
  • Kindertauglichkeit **

Weitere Wanderungen in „wald & weg“

Lust auf weitere Wanderungen? Weitere 15 Wanderungen in der Region haben wir in unserer ersten Ausgabe von „wald & weg“ zusammengestellt. Gemeinsam mit den SGV-Ortsverbänden haben wir 16 Strecken rund um Castrop-Rauxel, Dortmund und Unna ausgearbeitet. Das 116-seitige Magazin mit heraustrennbaren Tourenkarten ist für 8,90 Euro – Abonnenten unserer Zeitung zahlen nur 6,90 Euro – in der Lokalredaktion Castrop-Rauxel, Am Markt 8, zu haben.

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