Schalla-Prozess: Gutachter lässt Verteidigung des Angeklagten zusammenstürzen

rnSchülerin erwürgt

Im Prozess um den Mord an Nicole-Denise Schalla vor über 25 Jahren hatte der Angeklagte all seine Hoffnungen auf einen Handchirurgen gesetzt. Allerdings vergeblich.

Dortmund, Castrop-Rauxel

, 13.08.2019, 18:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Dieser Auftritt war mit Spannung erwartet worden: Im Prozess um den Mord an der Schülerin Nicole-Denise Schalla waren die Blicke jetzt auf Dr. Wolfram Teske gerichtet.

Der leitende Arzt des Zentrums für Orthopädie und Unfallchirurgie am katholischen Krankenhaus Hagen sollte für die Richter am Dortmunder Schwurgericht weit in die Vergangenheit blicken. Die Frage: War der Angeklagte nach zwei Hand-Operationen überhaupt in der Lage, vor rund 25 Jahren eine Frau zu erwürgen? Die Antwort wird dem Castrop-Rauxeler Ralf H. nicht gefallen haben.

"Verletzungen weitgehend ausgeheilt"

„Man kann davon ausgehen, dass die Verletzungen weitgehend funktionell folgenlos ausgeheilt sind“, so Teske. Hinweise auf eine Beeinträchtigung der Handlungsfähigkeit der Hände seien nicht ersichtlich. Genauso wenig gebe es Anzeichen für eine jahrelange Schonhaltung.

Das Problem ist allerdings, dass es von den Operationen aus den 1970er-Jahren keinerlei Unterlagen mehr gibt – weder Arztberichte noch Röntgenbilder. Trotzdem, so der Arzt, entspreche der heutige Befund mit hoher Wahrscheinlichkeit auch dem damaligen Zustand. „Es konnte nicht festgestellt werden, dass die unfallbedingten Folgen zu Beeinträchtigungen geführt haben.“

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Schmerzen an den Daumen nicht ernst genommen

Der Facharzt für Handchirurgie hatte Ralf H. Ende Juli im Gefängnis besucht und begutachtet. Genau damit war der Angeklagte jedoch nicht zufrieden. Er warf dem Mediziner vor, ihn überhaupt nicht richtig untersucht zu haben. Auch habe er seine Schmerzen bei Bewegungstests der Daumen nicht ernst genommen.

Wie viel Kraft allerdings überhaupt erforderlich ist, um einen Menschen zu erwürgen, ist unklar. Dazu gibt es laut Teske keine Untersuchungen. Für den Bruch des Zungenbeins sei allerdings nur wenig Kraft erforderlich.

Den Richtern am Dortmunder Schwurgericht scheinen die Ausführungen des Arztes zu reichen. Sie wollen den Prozess nun zügig zu Ende bringen.

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Urteil voraussichtlich am 4. Oktober

Insgesamt sind noch vier Verhandlungstage vorgesehen. Am 23. September soll die Staatsanwaltschaft plädieren, am 26. September dann die Verteidigung. Das Urteil ist für den 4. Oktober vorgesehen.

Für Ralf H. geht es in dem Prozess um alles. Ihm droht im Falle einer Verurteilung lebenslange Haft. Außerdem könnte die anschließende Sicherungsverwahrung angeordnet werden. Eine vorzeitige Entlassung nach 15 Jahren wäre damit praktisch ausgeschlossen. Er selbst beteuert weiterhin seine Unschuld, wird aber von DNA-Spuren belastet.

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